News

10 Millionen Euro für eine Handynummer: 1&1 soll DSGVO-Verstoß teuer bezahlen

1&1 bekommt die Härte der DSGVO zu spüren.  (Foto: MichaelJayBerlin / Shutterstock)

Der Bundesauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit hat der 1& 1 Telecom GmbH einen Bußgeldbescheid über 9,55 Millionen Euro zugestellt. Grund soll die Herausgabe der Handynummer eines Mannes an seine Ex-Frau sein.

Zum Hintergrund der Verhängung eines Bußgelds in Höhe von nahezu zehn Millionen Euro gegen 1&1 gibt es zwei Schilderungen. Die eine ist sehr allgemein gehalten und stammt vom Bundesdatenschutzbeauftragten, die andere ist sehr auf den konkreten Fall bezogen und stammt von 1&1.

Bundesdatenschutzbeauftragter: Struktureller Verstoß

Die Behörde beschreibt sehr allgemein, dass es bei 1&1 „keine hinreichenden technisch-organisatorischen Maßnahmen gegeben habe, um zu verhindern, dass Unberechtigte bei der telefonischen Kundenbetreuung Auskünfte zu Kundendaten erhalten können“. So hätte die Behörde „Kenntnis erlangt, dass Anrufer bei der Kundenbetreuung des Unternehmens allein schon durch Angabe des Namens und Geburtsdatums eines Kunden weitreichende Informationen zu weiteren personenbezogenen Kundendaten erhalten konnten.“

Zwar habe 1& 1 im Laufe des Ermittlungsverfahrens den „Authentifizierungsprozess durch die Abfrage zusätzlicher Angaben stärker abgesichert“ und werde zudem „ein neues, technisch und datenschutzrechtlich deutlich verbessertes Authentifizierungsverfahren“ einführen. Ein Bußgeld hätte indes dennoch festgesetzt werden müssen, weil „unter anderem der Verstoß nicht nur auf einen geringen Teil der Kunden begrenzt (war), sondern ein Risiko für den gesamten Kundenbestand darstellte“. Wegen der hohen Einsichtigkeit und Kooperationsbereitschaft habe der Bundesdatenschutzbeauftragte lediglich eine Strafe im „unteren Bereich des möglichen Bußgeldrahmens“ verhängt.

1&1: Lediglich ein Einzelfall

1&1 beschreibt den Vorgang etwas anders. Danach habe es genau einen Verstoß gegeben und der stamme aus 2018. Eine Frau habe bei 1&1 angerufen, um sich nach der Handynummer ihres ehemaligen Lebenspartners zu erkundigen. Die zuständige Mitarbeiterin habe daraufhin den Namen und das Geburtsdatum des Mannes abgefragt und nach korrekter Beantwortung der Fragen durch die Anruferin die Handynummer genannt. Damit soll sie die damals bei 1&1 gültigen Sicherheitsbestimmungen eingehalten haben.

1&1 will nun gegen den Bußgeldbescheid klagen. Zum einen handele es sich nach Auffassung des Providers bei dem vermeintlichen DSGVO-Verstoß nicht um die Frage nach dem „generellen Schutz der bei 1&1 gespeicherten Daten, sondern um die Frage, wie Kunden auf ihre Vertragsinformationen zugreifen können.“

Zum anderen sei die Bußgeldhöhe unter mehreren Aspekten rechtswidrig. Zunächst sehe die DSGVO keine Kopplung der Bußgeldhöhe an Unternehmensumsätze vor. Zudem sei das grundgesetzliche Gebot der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung verletzt.

Faktencheck: 1&1 liegt falsch

Artikel 83 der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sieht sehr wohl unterschiedliche Kopplungen der Bußgeldhöhe an den Unternehmensumsatz vor. Dabei sind, je nach Verstoß, Bußgelder in Höhe von bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes des Vorjahres möglich.

Auch inhaltlich dürfte 1&1 kaum richterliche Zustimmung finden. Unstreitig ist eine Handynummer den personenbezogenen Daten zuzuordnen. Im vorliegenden Falle wird der Datensatz sogar noch um Name und Geburtsdatum angereichert und damit plausibilisiert. Eine Vollmacht hat die Auskunftssuchende offenbar nicht vorgelegt. Somit wird es sich bei der Bekanntgabe der Telefonnummer um eine „unbefugte Datenübermittlung“ gehandelt haben, die den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllen kann.

Der Datenschutzbeauftragte könnte zudem davon ausgegangen sein, dass es neben dem bekannt gewordenen Verstoß ungezählte weitere nach dem gleichen Muster gegeben haben könnte. Immerhin hatte 1&1 eingeräumt, dass das Vorgehen den damaligen internen Richtlinien voll entsprochen hatte.

Scheint es nun alles in allem so, als wäre 1&1 damit klar unterlegen, so ist das dennoch ein falscher Eindruck. Denn die DSGVO lässt Interpretations- und Ermessenspielräume, die 1&1 versuchen könnte, für sich zu nutzen.

Diese ergeben sich aus Artikel 83 Absatz 2 der DSGVO. Darin finden sich eine ganze Reihe von Verhältnismäßigkeitserwägungen, die jedenfalls der richterlichen Einschätzung und Überprüfung unterliegen, wobei auch eine abweichende Festlegung zum Bundesdatenschutzbeauftragten möglich wäre.

Passend dazu: Bislang höchstes DSGVO-Bußgeld Deutschlands: Delivery Hero ist aus dem Schneider

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung