Anzeige
Anzeige
News

So pendeln 3,4 Millionen Berufstätige in Deutschland

Kilometerlange Strecken zum Job sind für Millionen Menschen in Deutschland Alltag. Kann das Pendeln klimafreundlich werden – ohne dass die Beschäftigten draufzahlen müssen?

3 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige

3,4 Millionen pendelnde Menschen gibt es in Deutschland. (Foto: dpa)

Pendelrepublik Deutschland: Über die Jahre ist die Zahl der Menschen, bei denen der Arbeitsort in einem anderen Bundesland als der Wohnort liegt, auf rund 3,4 Millionen gestiegen. Drei Monate vor der Bundestagswahl wurden Forderungen nach mehr Klimafreundlichkeit beim Pendeln lauter. Angesichts der aktuellen Debatte um höhere Benzinpreise forderten die Linken im Bundestag, dass das Pendeln dabei aber bezahlbar bleiben müsse.

In den vergangenen Jahren gab es bei den Pendlerzahlen einen deutlichen Anstieg: 1999 hatten erst rund 2,1 Millionen Menschen ihren Arbeitsort nicht in dem Land, in dem sie wohnten. 2019 waren es genau 3,396 Millionen. 2020 sank die Zahl leicht auf 3,381 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigte Bundesland-Pendler. Das geht aus der Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt und die die Linke im Bundestag ausgewertet hat.

Anzeige
Anzeige

Wie viele Menschen wegen der coronabedingten Arbeit zu Hause vorübergehend nicht pendeln mussten, zeigen die BA-Zahlen nicht. Bei der Statistik werde ein Abgleich von Wohn- und Arbeitsort vorgenommen, erläuterte eine BA-Sprecherin. „Ob der Arbeitsort tatsächlich aufgesucht wird, kann nicht abgebildet werden.“

Ebenfalls interessant: E-Scooter für Pendler: Elektrischer Tretroller von Mercedes ist da

Anzeige
Anzeige

Die meisten Pendlerinnen und Pendler zwischen den Bundesländern gab es im Jahr 2020 der Statistik zufolge mit 225.000 von Brandenburg nach Berlin, die wenigsten mit 41 von Bremen ins Saarland.

Anzeige
Anzeige

Am Beispiel des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen lässt sich sehen, wie ausgeprägt auch jenseits der Ballungsräume gependelt wird: 93.000 Beschäftigte wohnten in NRW, arbeiteten aber im benachbarten Niedersachsen, 64.000 im angrenzenden Hessen, aber auch 47.000 in Bayern und 38.000 in Baden-Württemberg.

2020 pendelten nach den Zahlen der Bundesagentur rund 408.000 ostdeutsche Beschäftigte in den Westen (2019: 415.000). Umgekehrt kamen aus Westdeutschland gleichbleibend rund 178.000 Beschäftigte zum Arbeiten in den Osten.

Anzeige
Anzeige

Linke fordert: Weg zur Arbeit muss bezahlbar bleiben

Vor dem Hintergrund der aktuellen Benzinpreisdebatte forderte die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann, Rücksicht auf Pendler zu nehmen. Es wäre „zynisch, wenn der Preis, um überhaupt zur Arbeit zu kommen, immer höhergeschraubt wird“, sagte sie der dpa.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock war – gemäß dem Programmentwurf ihrer Partei – für eine Benzinpreis-Erhöhung von insgesamt 16 Cent eingetreten. Für den Vorstoß erntete sie viel Kritik. Der Grünen-Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar forderte: Alle Menschen müssten klimaschonend zu ihrem Arbeitsplatz gelangen oder von zu Hause aus arbeiten können. Ausgebaut werden müssten dafür öffentlicher Nah- und Schienenfernverkehr. „Für kurze und mittlere Strecken brauchen wir ein Radwegenetz, mit dem Radfahren sicher zwischen allen Dörfern und Städten möglich ist“, sagte Gelbhaar der dpa. „Fahrrad und Bahn müssen einfach kombinierbar werden, etwa durch Leihfahrradsysteme und sichere Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen.“

Für Menschen, die ein Auto für ihren Arbeitsweg oder ihre Arbeit bräuchten, müsse das Ladesystem flächendeckend ausgebaut werden. „Nicht zuletzt braucht es ein Recht auf Homeoffice und stabiles Breitbandinternet im ganzen Land, für alle Menschen, die ganz oder teilweise von Zuhause aus arbeiten.“

Anzeige
Anzeige

Auch Zimmermann plädierte zwar im Grundsatz für ein Ende des Verbrennungsmotors. Die Bundesregierung müsse aber den Weg zur Arbeit bezahlbar halten. Dazu gehörten der Ausbau der Bahn bei günstigen Tickets und bezahlbare Elektromobilität. Zimmermann sagte: „Den Beschäftigten werden Mobilität und teils lange Wege zum Arbeitsplatz abverlangt. Keine Bundesregierung, auch nicht die Grünen, haben daran bislang etwas ändern wollen.“ Gelbhaar warf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor, in seiner Zeit als Verkehrsminister für keine der wichtigen Entwicklungen die Weichen richtig gestellt zu haben.

Zum Einfluss von pandemiebedingtem Homeoffice auf das Pendlerverhalten hatte das Statistische Bundesamt eine Erhebung angestellt. Demnach gab es ab März 2020 ein Rückgang beim Pendeln. Im April wurde der Rückgang stärker. Im Mai 2020 pendelten demnach schon wieder mehr Menschen. dpa

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare (2)

Community-Richtlinien

Markus

Ich würde mich für einen Mechanismus einsetzen, der die Zahl der zurückgelegten Kilometer reduziert. Egal wie, der Ansatz kann und sollte nicht sein, sie Bewegung bezahlbaren zu machen, sondern die Bewegung zu reduzieren. Das basiert auf einem einfachen physikalischen Grundprinzip, denn nur so lassen sich Ressourcen schonen.

Es pendeln ja nicht nur Menschen vom Land in die Stadt, sondern auch umgekehrt und viele fliegen dafür umher. Viele argumentieren mit dem Gehalt, aber nur, weil Bewegung so billig ist und die Folgen in dem Preis nicht reingerechnet wurden. So zahlen am Ende die Radfahrer indirekt die Sauerei mit.

Btw ich bin weder politisch grün noch jemand der nicht mit Begeisterung Auto fährt. Aber man darf auch ehrlich selbstkritisch bleiben/sein/werden.

Titus von Unhold

Witzig dass grundlegende Vernunft immer als „grün“ verstanden wird. Was sagt das über die anderen aus?

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige