Ratgeber

5 skandinavische Business-Prinzipien, von denen wir uns inspirieren lassen können

(Foto: Shutterstock-Dirima)

Die Länder im Norden Europas sind uns in vielen Dingen ein Vorbild – vom Design über Bildung bis hin zu wirtschaftlichem Erfolg. Warum nicht einen finnischen Entrepreneur fragen, welche Eigenschaften er selbst für bemerkenswert hält?

Wer den Großteil seines Berufslebens zwar in internationalen, aber nordisch geprägten Unternehmen wie Nokia gearbeitet hat, dem fallen die Besonderheiten der skandinavischen Arbeitskultur meist gar nicht mehr besonders auf. Im Gespräch mit Kollegen, Kunden oder Partnern aus anderen Ländern oder Kulturkreisen stellt sich aber gelegentlich heraus, dass die Art des Arbeitens und Geschäftemachens eine spezielle ist und sehr positiv wahrgenommen wird. Was aber sind die Prinzipien, die die skandinavische Geschäftswelt auszeichnen?

1. Herausforderungen gemeinsam stemmen mit Talkoot

Wenn in Finnland eine Wohnung renoviert wird, packen alle mit an: Die Eltern fahren zum Baumarkt. Der Chef bringt seine Schleifmaschine. Die Nachbarn helfen beim Fliesenlegen und Büro-Kollegen kochen Suppe für die gesamte Baustelle. Für dieses gemeinsame Engagement, bei dem jeder mit anpackt, existiert in Finnland sogar ein eigenes Wort: Talkoot. Jeder trägt mit seinen speziellen Fähigkeiten bei und macht sich nützlich. Es gilt, die gemeinsamen Ziele zu unterstützen und sich gleichzeitig auf die Unterstützung der anderen verlassen zu können.

Aber natürlich gilt Teamwork nicht nur beim Umzug. Das Prinzip des Talkoot prägt auch die gemeinsame Arbeit im Büro. Jeder hilft nach Kräften. Das gute Ergebnis ist wichtig und nicht, wer was, wann und wie viel gemacht hat. Diese Art der Zusammenarbeit benötigt viel gegenseitiges Vertrauen, eine Kenntnis der Stärken und Schwächen der Teamkollegen und flache Hierarchien.

Vielleicht ist Talkoot also eins der Geheimnisse, das Finnland zu den innovativsten und kreativsten Ländern der Welt macht. Die Anzahl der Startups pro Kopf befindet sich jedenfalls dicht hinter der im Silicon Valley.

2. Von Gleichberechtigung und Diversität profitieren

Auch in Skandinavien gibt es noch Handlungsbedarf, wenn es um Gleichberechtigung und Diversität geht. Dennoch verortet der „Equality-Index“ (etwa vom World Economic Forum) skandinavische Länder regelmäßig auf den oberen Plätzen. Egal ob Norwegen, Schweden, Dänemark oder Finnland, alle Länder haben in der Vergangenheit Bemühungen unternommen, die Beteiligung verschiedener Geschlechter, Kulturen und Nationalitäten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu verbessern und gerechter zu gestalten. So ist beispielsweise die Gender-Pay-Gap geringer, die Elternzeit unter den Paaren ausgeglichener, und es herrscht eine höhere Diversität in Unternehmen.

Warum das am Ende zu deren Erfolg beiträgt, ist in vielen wissenschaftlichen Ansätzen belegt. Es liegt aber auf der Hand, dass es sich niemand leisten kann, auf gute Mitarbeiter, Führungskräfte oder Experten aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht oder körperlichen Eigenschaften zu verzichten. Die vielen verschiedenen Hintergründe und Denkweisen bieten zudem neue Impulse und machen Organisationen resilienter. Flexiblere Arbeitsmodelle – von Teilzeit bis hin zu Remote Work –, bewusste HR-Politik oder konsequentes Vorleben von Diversität tragen zu einem Wandel hin zu einer offeneren Unternehmenskultur bei.

3. Erfolgreich sein auch ohne lautes Trommeln

In Skandinavien kann sich die Zahl der Gründungen im Vergleich zum Silicon Valley sehen lassen, die Kultur ist aber eine gänzlich andere. Ein zu lautes, von sich überzeugtes Verhalten wird nirgendwo in Skandinavien gerne gesehen und kann schnell als Überheblichkeit ausgelegt werden. Bescheidenheit, gerade angesichts großer Erfolge, wird großgeschrieben.

Eine Gemeinsamkeit der skandinavischen Länder ist das Gleichheitsprinzip: Niemand sollte sich über den anderen erheben. Statt mit Lautstärke und unsachlichen Übertreibungen, lassen sich Nordlichter gerne durch Argumente und Taten überzeugen. Die Energie, die in Promotion und Eigenlob gesteckt wird, um sich selbst und sein Unternehmen in besserem Licht dastehen zu lassen, kann an anderer Stelle produktiver eingesetzt werden.

4. Mit Offenheit und Direktheit schneller ans Ziel kommen

Durch die Blume auf Dinge hinzuweisen oder offenes Feedback zu vermeiden, ist keine Eigenschaft, die skandinavische Unternehmer auszeichnet. Die Zusammenarbeit lebt von einem direkten und aufrichtigen Umgang miteinander. Gerade bei so viel Offenheit ist es entscheidend, respektvoll miteinander umzugehen. Das fängt bei Kleinigkeiten wie Pünktlichkeit an und schließt auch mit ein, sachlich und nicht auf persönlich verletzende Art miteinander umzugehen. Jedem sollte Raum für seine Ideen gegeben und auf Augenhöhe begegnet werden. Was so selbstverständlich klingt, ist in der Praxis meist nicht so leicht umzusetzen. Dennoch scheinen skandinavische Unternehmen das ganz gut hinzubekommen.

5. Mit Humor auch schwierige Situationen überstehen

Was seltener in Management-Lektüren steht, aber durchaus wichtig für ein produktives Arbeitsklima ist, ist ein gutes Maß an Humor. Für außenstehende Personen kann der zugegebenermaßen recht spezielle nordische Humor zwar eine Herausforderung sein, aber er ist unbestreitbar eine unserer wichtigsten und liebsten Eigenschaften.

Die Auswirkungen auf das Business sind nicht zu unterschätzen. Denn Humor nimmt Dingen, die einen sonst lähmen würden, das Gewicht. Er schafft eine gewisse Toleranz gegenüber eigenen oder fremden Fehlern. Und eine Kultur, die Fehler akzeptiert, anstatt sie zu vertuschen und zu bestrafen, ist der bessere Nährboden für Kreativität und echte Innovation – beides entscheidend für den Unternehmenserfolg.

Im Falle von Misserfolgen hilft ein humorvoller Umgang zudem oft, sich schneller von dem negativen Erlebnis zu lösen und konstruktiv an den nächsten Schritten zu arbeiten, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Das meint natürlich nicht, dass die Dinge nicht ernst genommen werden. Aber anstatt sich gegenseitig zu beschuldigen, könnte man sich schneller neuen Dingen zuwenden und der Vergangenheit, die sich nun nicht mehr ändern lässt, weniger Gewicht einräumen.

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