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9‑Euro-Ticket: Verbraucherschutz und Länder kritisieren Nachfolgepläne scharf

Die im Rahmen des dritten Entlastungspakets der Bundesregierung vorgestellten Pläne für eine Nachfolge des erfolgreichen 9-Euro-Tickets stoßen auf Kritik von Verbraucherschützer:innen. Erste Bundesländer wollen nicht mitzahlen.

2 Min. Lesezeit
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Das 9‑Euro-Ticket ist Geschichte. Die Nachfolgepläne stehen in der Kritik. (Bild: Westlight/Shutterstock)

Am Sonntag hatte die Bundesregierung ein drittes Entlastungspaket für die Bürger:innen vorgestellt. Darin enthalten waren auch Ideen für eine Gestaltung der Nachfolge des erfolgreichen 9-Euro-Tickets. Doch die Pläne stoßen auf scharfe Kritik.

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9-Euro-Ticket-Nachfolge: Pläne zu unkonkret

Zum einen wird kritisiert, dass die Bundesregierung sich weder zur konkreten Höhe des Preises – zwischen 49 und 69 Euro – noch zum Start eines neuen günstigen bundesweiten Nahverkehrstickets geäußert hat. Aber auch der Preis selbst und die geplante Aufteilung der Kosten zwischen Bund und Ländern sorgen für Widerstand.

So hat Bayern als erstes Bundesland eine finanzielle Beteiligung abgelehnt. „Wenn der Bund das haben will, muss der Bund das finanzieren“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland einen Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums.

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Abschlägig äußerte sich auch Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers. Der Landeshaushalt gebe das nicht her, so der CDU-Politiker, der damit noch kurz vor der Landtagswahl einen Koalitionsstreit vom Zaun bricht.

Denn der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich positiv zum geplanten 9-Euro-Ticket-Nachfolger geäußert. Und von der SPD-Landtagsfraktion hieß es: „Niedersachsen wird das Angebot des Bundes gern annehmen und sich an der Finanzierung eines Nachfolgetickets beteiligen.“

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Verbraucherzentrale: Bund gibt zu wenig Geld für Billigticket

Scharfe Kritik an den Plänen der Bundesregierung setzt es derweil auch von Verbraucherschützer:innen. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) etwa betont, dass die für den günstigen Fahrschein zur Verfügung gestellte Summe von 1,5 Milliarden Euro viel zu gering sei. Damit lasse sich kein günstiges bundesweites Ticket realisieren.

Außerdem sei der geplante Preis für das Ticket viel zu hoch, um Menschen zusätzlich in Busse und Bahnen zu locken. Die Bundesregierung verpasse eine Chance für mehr Klimaschutz im Verkehr.

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Kritisiert wird auch, dass die Begeisterung für das 9‑Euro-Ticket nicht ausgenutzt und nahtlos daran angeknüpft werde. Der VZBV fordert daher ein 29-Euro-Ticket als Anschlussregelung, wie das Handelsblatt schreibt.

Günstiges Ticket auch als Monatsvariante?

Außerdem solle es das Ticket nicht nur digital und im Abo geben, wie es derzeit in dem Beschluss der Ampelregierung steht. Besonders für „Menschen mit kleinem Geldbeutel“, so der VZBV, sei es attraktiver, flexibel von Monat zu Monat über ihren Ticketbedarf zu entscheiden.

Die besten Memes zum Sturm auf Sylt Quelle: https://twitter.com/Gnokzz/status/1527589295435001859

Entscheidend über Erfolg oder Misserfolg eines bundesweiten günstigen Fahrscheins ist aber nicht zuletzt, ob zugleich das Angebot ausgebaut wird. Hier sieht der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Bedarf für mehr Mittel für Busse und Bahnen.

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Nicht alle profitieren von günstigem Ticket

Aktuell dürfte ein Ticket in der geplanten Form insbesondere Pendler:innen aus dem Umland von Städten finanziell nützen. Auf dem Land, wo es kaum ausreichend Bus- oder Bahnverbindungen gebe, dürfte ein solches Ticket ebenso wenig Begeisterung auslösen wie bei Bewohner:innen größerer Städte, wo das Monatsticket in der günstigsten Variante oft nicht viel teurer als 69 Euro ist.

In Berlin (Zone AB) etwa kostet ein Monatsticket zwar 85 Euro, wenn man es Monat für Monat einzeln kauft. Im Jahresabo sinkt der monatliche Preis allerdings auf knapp 63,50 Euro. Wer im Umland (Zone C) wohnt, zahlt dagegen 107 Euro monatlich und 84 Euro pro Monat im Jahresabo.

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7 Kommentare
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Titus von Unhold

„Auf dem Land, wo es kaum ausreichend Bus- oder Bahnverbindungen gebe, dürfte ein solches Ticket ebenso wenig Begeisterung auslösen wie bei Bewohner:innen größerer Städte, wo das Monatsticket in der günstigsten Variante oft nicht viel teurer als 69 Euro ist.“

Doch, eigentlich schon. Denn zum einen gibt es „auf dem Land“ schon noch einige Bahnverbindungen, aber idR gar keine Gebietstickets, sondern Monatsfahrscheine sind auf eine bestimmte Strecke begrenzt. Zum anderen ist bereits der Ausflugsverkehr mit Tagestickets derartig abartig teuer, sodass der vierrädrige Klimaschänder alleine aufgrund der Soda-Kosten als billigste Lösung wargenommen wird. Und gerade im Ausflugsverkehr wird das Ticket sicher die größere Rolle spielen, die Touristiker und die Ausflugslokale waren zumindest begeistert.

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Jörn Brien

Die Frage dabei ist, ob ein Monatsticket für 69 Euro tatsächlich von jenen gekauft wird, die mal eben am Wochenende einen Ausflug machen wollen. Das war bei dem 9 Euro Ticket tatsächlich viel niederschwelliger. Das gilt auch fürs Land. Ergibt ein Ticket, das 69 Euro kostet, Sinn, wenn die bisherigen Angebote günstiger waren/sind. Der große Vorteil, das es bundesweit gilt, ist sicher kein Verkaufsargument für Pendler:innen. Zudem ist es wohl als Jahresticket ausgelegt, wenn man der vorläufigen Einigung Glauben schenken darf. Man kann es möglicherweise also gar nicht monatlich kaufen (das ist aber noch unklar).

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Dieter Petereit

Der „vierrädrige Klimaschänder“, echt jetzt? Dass die Bahn fast die Hälfte ihrer Strecken mit Dieselloks betreibt, unterschlagen wir mal, wie? Passt nicht in die Erzählung vom grünen Fortbewegungsmittel, dass so viel besser als das Auto ist….

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Jörn Brien

Der Begriff ist vielleicht bisschen dicke, aber tatsächlich ist man mit der Bahn in jedem Fall vieeeeeeeell klimafreundlicher unterwegs.

„Wer möglichst klimaschonend unterwegs sein will, ist auf der Schiene richtig. Auf langen Strecken erzeugt der Zug pro Person und Kilometer nur 32 Gramm Treibhausgase. Im Auto sind es mit 147 Gramm fast fünf Mal mehr, beim Inlandsflug sogar 230 Gramm und damit mehr als das Siebenfache.“

Dieter Petereit

Die FAZ hatte mal eine Studie in Auftrag gegeben und kam auf einen Verbrauch von knapp vier Litern Sprit pro Reisenden für die Bahn.

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Jörn Brien

2007, das wurde von der Bahn dann mit 2,9 offiziell korrigiert.

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Dieter Petereit

Umgekehrt. Die Bahn hatte 2,9 behauptet.

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