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Wie Amazon mit Global Logistics das Frachtgeschäft umkrempelt

Amazon bietet Firmenkunden in Zukunft unter dem Label „Amazon Global Logistics“ den weltweiten Warentransport an. Das neue Geschäftsfeld „AGL“ wird damit zur ernsthaften Konkurrenz für deutsche Frachtdienste und Speditionen.

3 Min. Lesezeit
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Amazon bietet mit Global Logistics Unternehmen extrem günstige Preise für weltweite Frachtaufträge.

Amazon hat gegenüber dem Handelsblatt bestätigt, dass das Unternehmen mit „Amazon Global Logistics“ ins weltweite Transportgeschäft einsteigt: Der Handelskonzern, der in den letzten Jahren seine weltweite Logistik für den Eigenbedarf auf- und ausgebaut hat, wird damit zur Konkurrenz für deutsche Spediteure und Logistikunternehmen. Diese rechnen vor allem in der Anfangsphase mit einer Niedrigpreispolitik, die es Amazon ermöglichen wird, Marktanteile zu sichern.

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Amazon hat dafür einen denkbar guten Zeitpunkt ausgewählt, denn Importeure und Logistiker kämpfen derzeit gleichermaßen mit stark gestiegenen Frachtraten. Wie Handelsexpert:innen berichten, verschifft Amazon inzwischen containerweise von Fernost nach Westeuropa und nutzt dabei Kapazitäten auf Containerschiffen, die man quasi mitgebucht hat. Für die Marketplace-Händler:innen ist das eine zusätzliche Dienstleistung. Sie sind oftmals sogar damit zufrieden, wenn Amazon auch gleich den Transport und die Verteilung der Waren in die regionalen Versandzentren übernimmt.

Das Handelsunternehmen kämpft dabei dem Vernehmen nach mit aus Sicht deutscher Logistiker konkurrenzlos günstigen Frachtraten, die, wie ein Branchenexperte erklärt, gegenüber den Kund:innen noch nicht einmal subventioniert sein müssten, da Amazon angesichts der Marktmacht und der Größe der Abnahme für die Reedereien attraktiv ist. Die Hersteller und Vertriebe erhalten so teilweise die Möglichkeit, deutlich günstiger Waren aus den Produktionsorten in Fernost nach Europa zu verschiffen. Die Rede ist teilweise von einem Drittel weniger bis halb so hohen Frachtkosten.

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Große, international tätige Private Labels profitieren

Insbesondere jene mittelgroßen und kleineren Player im Logistikgeschäft, die nicht langfristig festgeschriebene Frachtraten gegenüber den Reedereien haben, sondern quasi agil über den Spotmarkt gebucht haben, schauen angesichts der übergroßen Nachfrage immer häufiger in die Röhre und kämpfen zudem mit einem von Knappheit bestimmten Mietcontainerangebot. Vor allem für Frachtunternehmen, die sich in den letzten Jahren auf das Frachtgeschäft mit Onlinehändler:innen spezialisiert haben, ist das eine mehr als schlechte Nachricht. In der Vergangenheit hatte Amazon die Händler:innen Waren in die Verteilzentren anliefern lassen, was jedoch gerade in den letzten zwei Jahren immer mehr zum Problem geworden war.

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Für Handelsplattformen erscheint es in der Tat attraktiv, sämtliche Logistikdienstleistungen – und nicht nur die zwischen Lagerhaus und Endkunde – zu übernehmen. Denn für die zügige und immer schnellere Lieferung, die insbesondere Amazon in den letzten Jahren zur Perfektion getrieben hat (und damit die gesamte Branche in Zugzwang bringt) ist eben nicht nur die letzte Meile entscheidend. Auch weiteren Großen wie der Otto Group, die ja aus dem traditionellen Versandhausgeschäft der letzten Jahrzehnte ohnehin schon vieles in eigener Regie macht, aber auch dem Modehändler Zalando werden schon länger ähnliche Pläne nachgesagt.

Amazon positioniert sich als End-to-End-Logistiker

Auch wenn in der Logistikbranche die Frage, ob die gestiegenen Frachtpreise in Zukunft dauerhaft so bleiben, noch nicht abschließend beantwortet ist, erscheint es unwahrscheinlich, dass die Unternehmen dann wieder zu ihren angestammten Speditionen zurückwechseln. Viele Private-Label-Produzierende, die vorrangig über die großen Marktplätze verkaufen, werden dagegen die Gelegenheit nutzen, auch noch die vorgelagerte Logistik aus Amazon-Hand zu beziehen, zumal man sich im Gegenzug eigene Lager sparen kann – zumindest so lange Amazon noch Kapazitäten hat (was gerade seit Beginn der Pandemie nicht immer so einfach war, wie Händler:innen berichten).

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Dass Amazon an der Preisschraube dreht und das Geschäft für die Logistiker erschwert, haben auch die Unternehmen am anderen Ende der Kette bereits feststellen müssen. Hier übernahm Amazon seit 2016 etwa ein Viertel des Geschäfts – was allerdings angesichts faktischer Vollauslastung (und vor Weihnachten mehr als das) nur rein rechnerisch ein Problem für die Paketdienstleister wie DHL oder Hermes ist. Für die Branche wird die Ausweitung auf einen End-to-End-Service einige Veränderungen bringen – wer davon profitiert und wer verliert, dürfte klar sein.

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Michael Meyer

Oh, dann sollte ich mir bald eine andere Branche suchen. „Geiles“ Tool um an die Hersteller und/oder Papiere zu kommen, um dann die Händler zu vertreiben. Aber 50 % der eigentlichen Seefrachtkosten ist schon ein Pfund. Jetzt muss AMZ nur noch 100 Verkäufer für „Logistik“ einstellen, dann können auch die Kühnes/Schenkers, DSV und die anderen TOP 10 Logistiker das e-commerce Geschäft verbrennen. M.E. sind die Preise subventioniert und nach spätestens einem Jahr Makulatur, aber bis dahin wird Gas gegeben. Die Verkäufer in China werden mit den Papieren zu dem Herstellern geschickt, Amazon nimmt gleich 10 Container ab, statt der Händler nur 2. Aber dafür muss der Hersteller nur mit AMZ arbeiten. Aber der Händler kann da neue Produkte suchen, Hula-Hup Reifen sind stark im Kommen und Knoblauchpressen. Aber das Beste ist, der Container landet gleich bei AMZ Lager in DE, 60cbm pro Container Lagergeld bei 36/26 EUR pro cbm sind gleich mal 2160/1560 EUR IM MONAT/oder über 20.000 EUR im Jahr, wenn das Produkt sich mäßig verkauft. klingelingeling, da rappelt die Kasse bei AMZ. IMMER AUFPASSEN, MIT WEM MAN SICH INS BETT LEGT ! Es wacht jeden Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden. Fun fact: dazu muss der Händler ja exklusiv mit AMZ arbeiten, viele Kunden verkaufen aber auch über Otto, Kaufland, ebay und dem eigenen Shop.

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