Analyse

Amazon verdient mehr Geld mit Händlern als je zuvor

Amazons Quartalszahlen zeigen, wie stark der Marktplatz mittlerweile für Amazons Umsätze verantwortlich ist. (Foto: Jonathan Weiss/Shutterstock)

Amazons Quartalszahlen sind deutlich: Retail stagniert, der Marktplatz expandiert, die Werbeeinnahmen sind explodiert. Händler spülen jede Menge Umsatz in Amazons Kassen.

Amazon hat seine Quartalszahlen vorgestellt und wieder richten sich die Augen auf Amazon Web Services (AWS). Dabei stagniert das Wachstum des Dienstes, der Marktplatz und die daraus resultierenden Umsätze und Erträge wachsen hingegen ungebremst. Es ist beachtlich, wie viel Geld die Marktplatzhändler und Marken in Amazons Kassen spülen.

Marktplatz wächst stärker als Retail-Bereich

Der Umsatz im Retail-Bereich ist von 26,392 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2017 auf 29,061 Milliarden Dollar angestiegen – das entspricht einem Wachstum von zehn Prozent. Die stationären Läden, die zum größten Teil aus Whole-Foods-Supermärkten bestehen, liefern noch keine vergleichbaren Werte, denn Whole Foods gehörte noch nicht das gesamte Quartal zu Amazon. Erst das vierte Quartal wird hier erste Ergebnisse zeigen.

Der Marktplatzbereich wird in der Bilanz nicht separat ausgewiesen. Einen Anhaltspunkt für das Wachstum des Marktplatzes liefert der Punkt Seller Services, der von 7,928 Milliarden Dollar auf 10,395 Milliarden angewachsen ist. Das entspricht einem Wachstum von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Unternehmerinnen der Zukunft. (Foto: Tobias Koch)

Der Marktplatz wird immer wichtiger für Amazon, davon zeugen auch zahllose Händlerprogramme und Coachingunterstützung. Hier Teilnehmerinnen der Amazon-Initiative „Unternehmerinnen der Zukunft“. (Foto: Tobias Koch)

Der überwiegende Teil dieser Einnahmen stammt aus den Marktplatz-Gebühren, den Verkaufsprovisionen. Da aber noch weitere Gebühren aus dem Händlergeschäft – beispielsweise die monatlichen Gebühren für verschiedene Dienste – im Bilanzposten Seller Services enthalten sind, kann das Marktplatzwachstum nicht mit dem Wachstum dieses Bilanzpostens gleichgesetzt werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass das Marktplatzwachstum angesichts eines Gebührenwachstums von 31 Prozent deutlich höher ausfällt als das Retailwachstum von zehn Prozent.

Amazon Marketing verdoppelt seinen Umsatz

Noch im Vorjahresquartal hat Amazon im Bilanzposten Other, der überwiegend aus Werbeeinnahmen besteht, 1,123 Milliarden Dollar Umsatz aufgeführt. Nach einem Jahr hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt auf 2,495 Milliarden Dollar. Das Wachstum dieses Unternehmensbereichs übersteigt alle anderen Segmente deutlich: 122 Prozent Wachstum vermeldet Amazon. Die Werbeeinnahmen stammen aus zwei Quellen: aus den Taschen der Marktplatzhändler und aus den Taschen der sogenannten Vendoren, also Marken, die direkt an Amazon verkaufen und trotzdem ihre Waren auf dem Marktplatz bewerben.

Ein Ende ist nicht in Sicht: Wie Jason Del Rey von Recode berichtet, wurde Amazon-CFO Brian Olsavsky gefragt, ob die Websites des Unternehmens hinsichtlich der Werbeanzeigen vollständig gesättigt seien. Die verklausulierte Antwort lautete unter dem Strich: „Nein, da ist noch jede Menge Platz.“

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