Analyse

Anteile statt Gehalt: Funktioniert Mitarbeiterbeteiligung in Startups?

Johannes Reck (l.) im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Altmaier. (Foto: Christoph Soeder/dpa)

Es ist das Thema der Stunde in der Startup-Welt: Mitarbeiterbeteiligungen. Was verbirgt sich dahinter? Und kommt gerade wirklich Schwung in die politische Diskussion oder trügt der Schein?

Das moderne Startup-Märchen geht so: Statt kräftigen Konzernlöhnen bekommen Mitarbeiter in Startups Anteile am Unternehmen, die Idee geht durch die Decke, es kommt zum Verkauf oder Börsengang – und alle machen ordentlich Kasse. Klingt ganz hübsch, geht in Deutschland nur leider nicht auf. Anders als in den USA oder Frankreich stehen dem Traum vom Exiterlös nämlich steuerliche Hürden im Weg.

Ein Grund, warum Christian Miele und andere Stimmen der Startup-Szene immer lauter für eine neue Steuerpolitik plädieren. Bereits im Sommer 2019 hatte der namhafte Tech-Investor Index Ventures die Initiative Not Optional ins Leben gerufen, um auf bestehende Steuerschwierigkeiten aufmerksam zu machen, und erst vor einigen Tagen sprach Getyourguide-Gründer Johannes Reck mit dem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier über mögliche Steuererleichterungen. Die Mahnung: Deutschland verschenke sein Potenzial. Aber wo genau stecken denn die vermeintlichen Schwierigkeiten bei Mitarbeiterkapitalbeteiligungen in Deutschland?

Welche Formen der Beteiligung gibt es?

ESOP, VSOP – Abkürzungen, die fallen, wenn von Unternehmensbeteiligungen für Mitarbeitende gesprochen wird. Gemeint sind damit Pläne für Aktienoptionen, die eben die jeweilige Beteiligung regeln sollen. Im Kern wird dabei zwischen zwei verschiedenen Formen unterschieden, eben zwischen ESOP und VSOP. ESOP steht für Employee Stock Ownership Plan und meint die klassische Aktienoption. Man erhält dabei eine vertraglich geregelte Option auf Anteile, die man zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich in Aktien umwandeln kann. „Dabei hat man dann auch alle Vorteile eines Anteilseigners, sprich mögliche Dividenden und Mitbestimmungsrecht und so weiter“, erzählt Yoko Spirig. Sie ist Mitgründerin und CEO von Ledgy, einem Startup, das sich mehr als nur in Anwendung mit Mitarbeiterbeteiligung auseinandersetzt. Ledgy hat nämlich eine Software entwickelt, die es jungen Unternehmen ermöglichen soll, ihre Aktienoptionspläne unbürokratisch zu verwalten.

Unbürokratisch – ein Stichwort, auf das Gründer der deutschen Startup-Szene mit gespitzten Ohren, aber auch hochgezogenen Augenbrauen reagieren. Wäre ja schön. Aber: ESOP müssen stets notariell beglaubigt werden, den Angestellten zügig Aktienoptionen zu geben, geht nicht. Der Aufwand, Anteile an Mitarbeiter zu überschreiben, ist zum Teil immens. Aus dem Grund richten sich Ledgy auch mehrheitlich an die zweite Variante der Mitarbeiterbeteiligung, VSOP. VSOP bedeutet Virtual Stock Ownership Plan und man erhält dabei lediglich virtuelle Stockoptionen. Phantomaktien. Die entwickeln sich zwar parallel zum Wert eines Unternehmens und Mitarbeiter mit virtuellen Anteilen profitieren von einem Verkauf oder Börsengang, die Vorteile eines Gesellschafters genießen sie allerdings nicht. Auch hat man bei einem Börsengang nicht die Möglichkeit, weiterhin Aktien des Unternehmens zu halten, sondern muss seine Optionen ablösen lassen. Der große Vorteil: Die notarielle Beglaubigung entfällt und der Verwaltungsaufwand ist tatsächlich geringer.

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Ein Kommentar
Dirk Lambach

Grund für die virtuellen Beteiligungen ist unter anderem aber auch, dass sich der Großteil der Startups nicht als Aktiengesellschaft, sondern als GmbH gründet . Somit können sie den Mitarbeitern lediglich GmbH-Anteile anbieten, was im Gegensatz zu Aktienprogrammen aber nicht praktikabel ist.

Ebenso wenig beteiligen Startups ihre Mitarbeiter über die im Mittelstand etablierte Form der stillen Beteiligung, da diese eine schuldrechtliche Verpflichtung des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern darstellt. Diese Verbindlichkeit wollen die Gründer und Investoren in der Startphase und angesichts des hohen unternehmerischen Risikos nicht eingehen.

Unser Verband teilt aber die zuversichtliche Einschätzung, dass es zu einer Verbesserung, die über die bisherige Anhebung des Freibetrags hinausgeht, in naher Zukunft kommen wird. Schließlich ist es anzuerkennen, dass es sich bei Mitarbeitern, die sich mit Gehaltseinbußen und sonstigen Opportunitätskosten am Aufbau eines Startups beteiligen, mehr um Mitunternehmer als um klassische Angestellte handelt.

Dies könnte zum Beispiel in einer Neudefinition des „Investivlohns“ anerkannt und geregelt werden, die es den Mitarbeitern erlaubt, sich zu den gleichen Bedingungen wie die Gründer und Investoren zu beteiligen.

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