Antibiotika-Verbrauch steigt wieder an – Statistik der Woche

Antibiotika – diese Wunderwaffe ist seit ihrer Entdeckung unersetzlich bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen. Doch der schmale Grat zwischen Nutzen und Risiko wird sichtbarer, da Missbrauch und Übergebrauch den Boden für eine noch größere Bedrohung bereiten: multiresistente Keime. In Deutschland, wie auch global, ist die Antibiotikaresistenz längst zum ernst zu nehmenden Problem geworden.
Laut Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK steigt die Anzahl der Antibiotika-Verordnungen in Deutschland – nach der pandemiebedingten Atempause wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Gleichzeitig ist der Anteil der genutzten Reserveantibiotika, also solcher, die nur in schweren Bedarfsfällen zum Einsatz kommen, innerhalb der letzten fünf Jahre deutlich gesunken. Doch die Balance zwischen maßgeschneidertem Einsatz und Übergebrauch bleibt fragil.

Infografik zum Thema Antibiotika. (Grafik: Statista)
Todesfälle in Zusammenhang mit multiresistenten Bakterien
Die Resistenzentstehung ist kein neues Phänomen, aber ihre Geschwindigkeit und ihr Ausmaß sind besorgniserregend. Der fahrlässige Umgang mit Antibiotika fördert die Bildung sogenannter „Superbugs“. Das sind Bakterienstämme, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind und somit herkömmlichen Behandlungen trotzen. Die Konsequenzen sind gravierend: verlängerte Krankheitsverläufe, steigende Behandlungskosten und erhöhte Sterblichkeit.
Gemäß einer Studie zur Antibiotikaresistenz-Sterblichkeit des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten kommt es in Europa jährlich zu etwa 31.000 bis 39.000 Todesfällen im Zusammenhang mit multiresistenten Bakterien. Den Daten zufolge gehören Griechenland, Italien, Rumänien und Zypern zu den europäischen Ländern, die am stärksten von diesem Problem betroffen sind, mit jährlichen Sterberaten zwischen 10 und 20 Todesfällen pro 100.000 Einwohner (2016 bis 2020). Die niedrigsten Sterberaten auf dem Kontinent wurden in den Niederlanden und Norwegen verzeichnet (2 pro 100.000 Einwohner), in Deutschland sind es jedes Jahr etwa 6.000 Todesfälle.
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