Ratgeber

Bonpflicht: Das sind die digitalen Alternativen zum neuen Gesetz

Alternativen zum gedruckten Kassenzettel: Es gibt viele Lösungen für digitale Kassenbons. (Foto: Sunshine Studio / Shutterstock)

Das neue Kassengesetz und die Bonpflicht werden voraussichtlich im kommenden Jahr Händler und Geschäftsleute beschäftigen. Doch es gibt durchaus digitale Alternativen zu den Kassenbons.

Es ist eines dieser Aufreger-Themen: die anstehende Bonpflicht für deutsche Einzelhändler, Gastronomen und andere Geschäftsleute. In vielen anderen Ländern bereits seit Jahren Pflicht, um den Schwarzhandel so weit wie möglich einzudämmen und es den Händlern, Gastronomen, Taxifahrern und anderen Berufsgruppen, die über die Möglichkeit verfügen, einen Teil ihrer Einnahmen am Fiskus vorbeizumanövrieren, dies zu erschweren. Italien, Österreich, Frankreich, selbst Albanien und Rumänien haben in den letzten Jahren entsprechende Regelungen verabschiedet – und der jeweilige Staatshaushalt freute sich in den Jahren nach der Einführung über erkleckliche Mehreinnahmen.

Jetzt tobt in Deutschland die PR-Schlacht: Ein Bäcker kippt öffentlichkeitswirksam in den sozialen Medien die angeblich entstehenden Kassenbons mehrerer Tage vor seine Verkaufstheke, andere rechnen vor, wie schlecht die Thermopapiermengen für die Umwelt sind und dass hierdurch zwei Millionen mehr Kilometer Papierbons entstehen könnten. Von 5,7 Millionen Kilogramm zusätzlichem Kassenpapier ist beim Kölner EHI die Rede.

Kampf gegen Steuervermeidung im Handel – im Prinzip vernünftig

Um Bisphenol A als schädlichen, krebserregenden Inhaltsstoff geht es und man fragt sich, wieso der Handel seine Kassenkräfte und uns Kunden seit Jahren solchem Teufelszeug aussetzt, obwohl es auch schon heute vernünftige Alternativen zum Thermopapier gäbe (die noch dazu im Garantiefall auch nach einigen Monaten noch lesbar wären). Abgesehen davon hat sich der Einzelhandel in den letzten Jahren ohnehin nicht gerade in Sparsamkeit bei der Verwendung des Thermopapiers geübt: Werbung, lange zusätzliche Gutscheine und Vouchers, Informationen über Angebote für den Kunden – wer einen Kassenbon bekommt, staunt schon heute nicht schlecht darüber, welche Länge da für einen einzelnen Posten zustande kommen kann.

Das Kassengesetz ist im Prinzip vernünftig: Allzu oft bemerkt man als Kunde, dass entweder statt des gewünschten Belegs eine „Zwischenabrechnung“ genannte Aufstellung erstellt wird, dass man im Zweifelsfall beim Weihnachtsbaumkauf gar keinen Beleg erhält oder bei kleineren Beträgen im Café, am Kiosk oder der Eisdiele gar nichts über die Kasse abgerechnet wird. Wird schon passen, sagt sich der Kunde, ist nur Kleinkram und überhaupt sind die Cum-Ex-Geschäfte ja viel schlimmer.

Doch der Kleinkram, das rechnen Experten vor, summiert sich: Nach Schätzungen der Steuergewerkschaft und des Bundesrechnungshofs gingen dem Fiskus pro Jahr durch Steuerbetrug mindestens zehn Milliarden Euro verloren. Ob es tatsächlich dieser Betrag ist, lässt sich natürlich nur schwer nachweisen und beziffern, wie Christoph Spengel, Professor für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim, erklärt. „Solche Summen wie bis dato in Deutschland bei den Cum-Ex-Geschäften dürften beim Kassenbetrug fast pro Jahr erreicht werden“, sagt Spengel gegenüber der Wirtschaftswoche.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

7 Kommentare
Dieter van Acken
Dieter van Acken

Ja, die Bäcker mischen gerade richtig auf, mit viel Emotion und wenig Hintergrundwissen. Da wird geschimpft und gewettert und eine Menge Leute springen mit auf, statt sich richtig zu informieren. (Danke für euren Beitrag.) Bei uns in Ahaus im Münsterland ist es an der Tagesordnung mit dem Smartphone zu bezahlen. Gerade die Gastronomie ist da schon weit und setzt auf digitale Bestell- und Bezahlsysteme, ohne Papier mit digitalem Bon. Geht auch beim bestellen viel schneller. :-)

Antworten
Werner
Werner

Mein Friseur hat jeden Betrag per Bleistift notiert..es ging ihm gut.
Klar ist es unfair Lohnsteuer direkt abzuziehen, während andere ’nach Bedarf‘ versteuern können.
Einige Geschäfte werden sich in Zukunft wohl nicht mehr lohnen.
Kritikwürdig ist aber auch unser unersättlicher Staat mit reichlich Verschwendung einerseits und der andererseits alles denkbare besteuert. Mobilfunk Lizenzen z.B. ..derer Verkaufspreis die Bürger via Gebühr mitfinanzieren müssen..Man hat aus UMTS nichts gelernt, Hauptsache Einnahmen.

Antworten
Shred
Shred

Admin, Smartbeleg, Wunderbon… Das kann doch nicht die Lösung sein, dass jeder sein Süppchen kocht und der Kunde am Ende gleich mehrere Apps installiert haben muss. Der Staat muss hier dringend eine offene Schnittstelle vorgeben! Dann würde eine App reichen, und es hätten auch Open Source-Apps eine Chance, die nicht daran interessiert sind, die gesammelten Daten zusätzlich zu monetarisieren.

Antworten
Tobias Weidemann

Mich wundert in der Tat auch, dass es da keine (im Ausland erprobte, wir Deutschen erfinden da das Rad ja nicht neu!) Lösung gibt, die man dann „einfach“ auf deutsche Verhältnisse überträgt.

Antworten
Peet
Peet

Ich kaufe im Supermarkt eine Milch und eine Banane.
Oder im Café eine heisse Schokolade. Ich zahle bar und will keinen Bon.
Und schon gar keinen QR Code scannen oder eine App nutzen. Warum auch?

Das sollte mir als Kunden auch alles egal sein.
Dann muss beim Händler automatisch ein Beleg fürs Finanzamt digital gespeichert werden.

Dann muss ich als Kunde kurz warten, bis eine grüne Lampe leuchtet.
Dann weiss ich, dass der Prozess ordnungsgemäss abgelaufen ist.
Das halte ich für zumutbar als Kunde.

Antworten
Dieter Petereit

Das sehe ich noch etwas anders. Mir als Kunde muss es vollkommen wurscht sein dürfen, was der Händler für einen Struggle mit seinem Finanzamt hat. Ich bin doch kein Steuergehilfe.

Antworten
Jannik

Wir bei soil beschäftigen uns ebenfalls mit dem Thema digitaler Kassenzettel. Schaut doch mal auf unserer Webseite vorbei: http://www.greensoil.io.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung