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„Moderne Kommunikation“: Im Brexit-Vertrag taucht der Netscape Communicator auf

In den 1.200 Seiten haben Beobachter einige Fauxpas gefunden. Unter anderem wird dort eine Verschlüsselung empfohlen, die längst zum Sicherheitsrisiko geworden ist.

1 Min. Lesezeit

Die Bürokratie schlägt manchmal merkwürdige Blüten. (Foto: Baloncici/ Shutterstock.com)


Das neue Brexit-Abkommen enthält einige Verweise auf Jahrzehnte alte Technologien. Unter anderem listet es unter „modernen“ E-Mail-Paketen die Web-Dinosaurier Mozilla Mail und Netscape Communicator 4.x auf. Das berichtet die BBC. Der Netscape Communicator weist auf eine Ära hin, in der noch Telefonmodems und Installations-CDs im Einsatz waren. Die letzte Version des Browsers erschien 1997.

Netscape war einer der ersten Browser. Der heutige Valley-Investor Marc Andreessen entwickelte ihn.

Der entsprechende Passus betrifft den Datenaustausch zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. Dessen Sicherheit soll gewährleistet werden, indem unter anderem RSA-Verschlüsselung mit 1.024 Länge und SHA-1-Hash verwendet werden soll. Dieser Standard gilt schon seit Längerem nicht mehr als sicher. Ein Sprecher der britischen Regierung versicherte, man verwende die derzeit modernste Technologie, um Daten zu teilen. Sie ständen im Einklang mit Empfehlungen des National Cyber Security Centers.

Copy & Paste ohne Prüfung

Wie der Passus in das Dokument gelangt ist, klärte sich recht schnell. Die Vertragspartner haben anscheinend auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2008 zurückgegriffen und ihre Beamten die Formulierungen ungeprüft in den Vertrag eingesetzt. Pikant dabei: Schon damals war der Communicator praktisch nicht mehr im Gebrauch und Mozilla hatte bereits sein „Mail“ durch  Thunderbird abgelöst.

Datenschutz-Abmachung mit Großbritannien auf Bewährung

Um einen problemlosen Datenverkehr zwischen den Partnern zu gewährleisten, wird die EU das Königreich zunächst nicht als Drittland ansehen. Das gilt jedoch nur für eine Übergangsperiode von sechs Monaten. Danach muss die EU-Kommission eine sogenannte Angemessenheitsentscheidung hinsichtlich des Datenschutzes treffen. Dabei geht es darum, ob die EU-Bürger einen vergleichbaren Schutz ihrer personenbezogenen Daten genießen wie in der EU. Dagegen könnte der Zugriff von fremden Geheimdiensten etwa im Zuge bilateraler Abkommen wie Safe Harbor oder Privacy Shield sprechen, die einen umfassenden Datenaustausch mit Diensten aus den USA, Kanada und Australien vorsehen.

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Ein Kommentar
M.K.
M.K.

„Der Netscape Communicator weist auf eine Ära hin, in der noch Telefonmodems und Installations-CDs im Einsatz waren. Die letzte Version des Browsers erschien 1997. “

Der im Brexit-Vertrag erwähnte Netscape Communicator erschien von 1997 bis 2008 als Nachfolger des Netscape Navigators, vom Netscape Navigator steht zum Glück nichts im Vertrag. Ist zwar auch nicht Stand der Technik, aber stammt auch nicht wie vom Autor fälschlicherweise behauptet aus der Ära der Telefonmodems…

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