Feature

Carsten Maschmeyer schockt DHDL-Gründer: „Muss Ihnen mein Beileid aussprechen“

„Die Höhle der Löwen“-Investor Carsten Maschmeyer. (Foto: RTL NOW / Bernd-Michael Maurer)

Zwei Gründer zeigen bei „Die Höhle der Löwen“ eine App, die Wartezeiten an Supermarktkassen verkürzen soll. Investor Carsten Maschmeyer sieht keine Chancen – und fällt ein hartes Urteil.

Ein derart vernichtendes Urteil über den Auftritt zweier Gründer hat es bei „Die Höhle der Löwen“ lange nicht mehr gegeben. „Ein Jammer, die ziehen mit einer Wasserpistole in den Atomkrieg“, rief Investor Carsten Maschmeyer seinen Mitlöwen am Dienstagabend kopfschüttelnd zu. Gemeint waren die beiden Wirtschaftsmathematiker Andreas Klett und Leo von Klenze, die das Studio erst wenige Sekunden zuvor verlassen hatten – ohne Deal. Dabei sollte der Auftritt in der TV-Show ihrer Idee eigentlich zum Durchbruch verhelfen. Was war passiert?

Scansation-App soll Einkauf erleichtern

Andreas Klett und Leo von Klenze stellten den Löwen ihren digitalen Shoppingbegleiter Scansation vor: eine kostenlose App, die Kunden lästige Wartezeit beim Supermarkteinkauf ersparen soll. Die Funktionsweise: Während des Einkaufs werden die Produkte mit dem Smartphone eingescannt und in einem Online-Warenkorb in der App abgespeichert. Ist der Einkauf beendet, fotografiert der Kunde seine Produkte im Einkaufswagen und die App erstellt einen QR-Code, den das Kassenpersonal einlesen und abrechnen kann. „Das Gute ist“, sagt Gründer von Klenze über die Vorteile der App: „Ich muss nichts mehr aufs Band packen, die Kassenkraft scannt keinen einzigen Artikel mehr, sondern nur noch den QR-Code.“

Als weitere Besonderheit preisen die Scansation-Macher den Datenschutz an. Die App werde anonym genutzt, sodass Marktbetreiber die Kundendaten nicht persönlich zuordnen könnten. Sehr wohl wisse der Supermarkt aber, dass der anonyme Käufer zum Beispiel immer gerne eine bestimmte Pasta-Sorte kauft. „Mit dieser Information kann er passende Angebote auf das Smartphone des Kunden schicken“, erklärt Andreas Klett den Löwen. Nach zweijähriger Entwicklungsdauer soll die App nun flächendeckend im Handel eingesetzt werden, wofür sich die Gründer neben Vertriebshilfe auch frisches Kapital erhoffen. 15 Prozent ihrer Unternehmensanteile bieten Klett und von Klenze den Löwen dafür an – im Tausch für 500.000 Euro.

Scharfe Kritik von den Löwen

Doch schnell wird klar: Die Gründer werden an diesem Abend nicht einmal in die Nähe eines Investments der Löwen kommen. Was nach dem Pitch folgt, ist ein Paradebeispiel für schonungslose Kritik von Startup-Investoren:

  • Löwe Nils Glagau ergreift das Wort als erster: „Ich habe den Prozess noch nicht ganz verstanden“, sagt der Pharmaunternehmer. Sein Problem: Da Kunden oft mit einem randvollen Einkaufswagen zur Kasse gehen, könne ja kein Kassierer kontrollieren, ob alle Waren auch korrekt mit der App gescannt worden seien. „Haben die Ladenbesitzer da nicht schon ein bisschen Respekt vor, dass das die Leute missbrauchen?“, fragt Glagau. Die Antwort der Gründer fällt wenig überzeugend aus: „Teilweise“, sagt Scansation-Gründer Klett, behauptet aber zugleich, dass Diebstahlschutz für viele Supermärkte gar kein kein so wichtiges Thema sei.
  • Da widerspricht Ralf Dümmel vehement: Diebstahlschutz sei im Handel sehr wohl ein wichtiges Thema. „Gerade Großkonzerne fragen danach“, so der Handelsexperte.
  • Jetzt mischt sich erstmals Carsten Maschmeyer in die Diskussion ein. Der selbsternannte „Kassenexperte“, der angeblich schon als Schüler an der Kasse von Supermärkten gearbeitet hat, sagt: „Meine erste Assoziation als Kassierer ist: Klasse, jetzt habe ich einen ruhigeren Job. Aber im Grunde wird ja der Kunde zum Kassierer“, stellt Maschmeyer fest. Als die Gründer das bejahen, bohrt der Löwe nach: Wollen die Kunden das überhaupt? Hätten sie Lust dazu, Dutzende Artikel selbst zu scannen? Gut vorbereitete Gründer würden jetzt die Ergebnisse einer Kundenumfrage präsentieren, doch darauf geht Andreas Klett nicht ein. Er preist stattdessen ein weiteres Feature an: Eine integrierte Einkaufsliste in der App, die aus vorherigen Einkäufen erstellt und die Waren automatisch abhakt.
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

5 Kommentare
Klaus
Klaus

Einfach mal in die Schweiz schauen wie man sowas macht, Migros und Coop haben super Lösungen, die von den Kunden sehr gut angenommen werden. Warum die Deutschen-Ketten sowas nicht einführen kann ich nicht verstehen.

Antworten
Micha
Micha

Hier in der Gegend gibt es das mehrfach von den Märkten angeboten.
Einmal die Variante von EDEKA, bei der man einen smarten Einkaufswagen hat, der einen dann gleich noch auf Angebote aufmerksam macht oder ein integriertes Navi für den Markt hat, sodass man das gesuchte Produkt auch findet. Eine andere Variante gibt’s bei den Wez-Märkten, bei der es die Scanner direkt im Markt gibt und für die man dann auch eine eigene Kasse hat. Ab und an kommt es vor, dass das Kassenpersonal von der Kasse aufgefordert wird drei beliebige Produkte zu scannen. Das dient der Prüfung, ob der Kunde diese drei Produkte ebenfalls gescannt hat.

Ich nutze beide Varianten sehr gern.

Antworten
Dominik Schläpfer
Dominik Schläpfer

Also ich glaube da sind die DHDL Investoren total auf dem falschen Dampfer! Hier in der Schweiz gibt es bei den Grossverteilern Migros und Coop ähnliche Systeme ohne Handy. Das nennt sich Selfscanning. Das Vertrauen der Händler ist da. Sehr selten gibt es Stichproben. Die Kund*innen benutzen das sehr gerne. Ich schätze hier in St. Gallen sind es um die 50%

Antworten
Holger Schaal
Holger Schaal

In den Niederlanden gibt’s das auch bei Albert Heijn – in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“ – mit Handscanner oder auch Mobiltelefon – siehe https://www.ah.nl/over-ah/services/zelfscannen (vermutlich gibt’s das dann auch bei Albert Heijn in Belgien…).

Antworten
Chris

Self-Scanning hat durchaus Potential, wenn es für den Kunden einen echten Mehrwert gibt. Allerdings hab ich mich bei der vorgestellten App gefragt, warum man nicht direkt in der App bezahlen kann. Selbst scannen und wieder an der Kasse anstehen, ist doch Unfug.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung