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Kommentar

Clevershuttle-Schließungen: Die Startup-Blamage der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn muss in der Coronakrise sparen. Das Staatsunternehmen spart als Erstes in einem Innovationsbereich – und versaut sich damit nachhaltig das Image als Startup-Investor. Ein Kommentar von t3n.de-Chefredakteur Stephan Dörner.

Von Stephan Dörner
2 Min.
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Fährt nicht mehr in Berlin, Dresden und München – Clevershuttle. (Foto: Clevershuttle)

So etwas wie auf dem Fernbus-Markt sollte der Deutschen Bahn nicht noch einmal passieren. Um gegen die Ubers dieser Welt gewappnet zu sein, suchte die Deutsche Bahn ein schickes, innovatives Startup – und wurde beim Berliner Fahrdienst Clevershuttle fündig: Kleine grüne Elektroautos und eine elegante, gut funktionierende App mit einem Ridesharing-Algorithmus – Clevershuttle schien alle Zutaten für die urbane Elektro-Mobilität auf der Kurzstrecke zu haben. Ein echter Startup-Leckerbissen. Also kaufte die Bahn 16 Investoren für eine zweistellige Millionensumme ihre Anteile ab – darunter dem Autokonzern Daimler – und übernahm im September 2018 eine Mehrheit an dem Berliner Startup.

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Weniger als zwei Jahre später ist wieder einmal Sparkurs angesagt – angesichts der Coronakrise wächst der Druck der Bundesregierung auf das staatseigene Unternehmen, die Verluste zu begrenzen. Und weil die Bahn bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kaum sparen kann – das verhindert das mit den Gewerkschaften ausgehandelte „Bündnis für unsere Bahn“ –, muss der Zukunfts- und Innovationsbereich Clevershuttle als Erstes dran glauben.

Die Coronakrise geht vorüber, der Image-Schaden bleibt

Die Standorte Berlin, Dresden und München wurden geschlossen – übrig bleiben Düsseldorf, Kiel und Leipzig. Das sind genau die Standorte, in denen es einen Betriebsrat gibt. Dabei soll Dresden vor der Coronakrise sogar kurz vor der Profitabilität gestanden haben, heißt es aus Clevershuttle-Kreisen. Auf Anfrage sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn, das Unternehmen stehe weiter zum „Partner Clevershuttle“ und unterstütze die Weiterentwicklung von Clevershuttle bei der stärkeren Integration in den ÖPNV.

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„Ohne Kooperationspartner und Integration in den ÖPNV tragen sich Ridepooling-Angebote nicht, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre.“ In Düsseldorf kooperiert Clevershuttle beispielsweise mit den örtlichen Stadtwerken, in Leipzig mit dem Medienhaus Madsack. „Die aktuelle Entwicklung der Clevershuttle-Partnerschaft lässt keine Rückschlüsse auf die allgemeine Haltung der DB zu Beteiligungen und auf die Image-Bewertung in einzelnen Branchen oder Netzwerken zu“, so der Sprecher.

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Das Signal an Deutschlands Startup-Szene ist dennoch fatal: Wenn es drauf ankommt, ist die Deutsche Bahn kein verlässlicher Investor oder Eigentümer für Startups. Wird es eng und ungemütlich, müssen Zukunfts-Investitionen als erstes dran glauben. Die laufenden Verluste von Clevershuttle sind Peanuts im Vergleich zum Verlust der Deutschen Bahn insgesamt. Aber an die Entscheidung der Bahn, im kritischen Moment und so kurz nach der Übernahme den Stecker zu ziehen, wird sich die Startup-Szene noch erinnern, wenn die Coronakrise längst überwunden ist.

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