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Climate-Tech: Was du zu den Technologien gegen den Klimawandel jetzt wissen musst

Climate-Tech ist einer der am stärksten wachsenden Märkte der letzten Jahre. Der politische Druck und der gesellschaftliche Wandel bezogen auf die Klimakrise sind dabei die treibenden Faktoren.

Von Patrick Prior
5 Min.
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Kaum ein Thema wird zurzeit weltweit von Venture-Capital-Gesellschaften so stark diskutiert wie Climate-Tech. (Foto: iQoncept / shutterstock)

Kaum ein Thema wird zurzeit weltweit von Venture-Capital-Gesellschaften so stark diskutiert wie Climate-Tech. Investitionen in Startups aus diesem Segment wuchsen in den letzten sieben Jahren fünf Mal so schnell wie der durchschnittliche VC-Markt. Microsoft gründete im Januar 2020 einen eine Milliarde US-Dollar schweren „Climate Innovation Fund“ und Amazon zog im Juni 2020 mit der Gründung ihres zwei Milliarden Dollar schweren „The Climate Pledge Fund“ nach. Beide Fonds wollen in den kommenden Jahren in klimaneutrale Unternehmen investieren.

Drei der größten Climate-Tech-Investments im vergangenen Jahr waren das 600 Millionen Dollar starke Early-Stage-Funding in den schwedischen Batteriehersteller Northvolt, 110 Millionen Dollar in das Carbon-Capture-Startup Climeworks und 140 Millionen Dollar in die Indoor-Farming-Firma Plenty. Kürzlich lobte Elon Musk 100 Millionen Dollar für die beste CO2-Abscheidungs- und Speicherungs-Lösung aus. Und das war erst der Anfang. Climate-Tech wird zunehmend als neuer, milliardenschwerer Markt erkannt und hat damit das Potenzial, in den kommenden Jahren weltweit zu einem der größten Geschäftsbereiche zu werden.

Was ist Climate-Tech eigentlich?

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Unter den Begriff Climate-Tech werden alle Technologien zusammengefasst, die sich explizit auf die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen beziehungsweise auf die Auswirkungen der globalen Erwärmung beziehen. Vor eineinhalb Jahrzehnten herrschte zunächst der Begriff Clean-Tech für Technologien vor, die heute zum Teil auch Climate-Tech zugerechnet werden (etwa Solarenergie oder Biokraftstoffe). Zwischen 2006 und 2014 kam es jedoch zu einem großen Sterben dieser Clean-Tech-Startups. Viele Clean-Tech-Unternehmen gingen insolvent und große Kapitalmengen wurden vernichtet. Um neue Investoren zu gewinnen – und weil das Thema Klimawandel politisch und gesellschaftlich aktueller und wichtiger als je zuvor ist –, wird inzwischen der neue Begriff Climate-Tech verwendet.

In Abgrenzung zu dem benachbarten Bereich Green Tech stehen bei Climate-Tech allerdings nicht Technologien für Umwelt und Nachhaltigkeit im Fokus, sondern ausschließlich Produkte und Dienstleistungen, die sich positiv auf eine Verbesserung der THG-Emissionen auswirken und die Lösungen für eine klimaneutrale Welt beisteuern.

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In welchen Bereichen spielt Climate-Tech eine Rolle?

Climate-Tech-Lösungen kommen aus den verschiedensten Sektoren, hauptsächlich aber aus den Bereichen, in denen die meisten schädlichen Treibhausgase emittiert werden. Dabei handelt es sich um die fünf Bereiche Energiewirtschaft, industrielle Fertigung, Verkehr und Transport, Bau und Gebäude sowie den Nahrungsmittel- und Agrarsektor. In dieser großen Breite der verschiedensten Sektoren entstanden in den letzten Jahren viele sehr unterschiedliche Climate-Tech-Unternehmen.

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Dazu zählen etwa Anbieter erneuerbarer Energien wie Kitekraft, ein Startup, das Strom aus fliegenden Windturbinen generiert, oder Entwickler von Smart-Grid-Systemen, die den immer häufiger dezentral erzeugten grünen Strom intelligent verteilen. In der Industrie findet man Produzenten THG-neutraler Kunststoffe und Baumaterialien und im Bereich des Managements von Gebäuden Entwickler intelligenter Software zur effizienteren Verteilung des benötigten Stroms. Außerdem fallen alle Hersteller rein elektrischer Flug- und Fahrzeuge unter den Climate-Tech-Begriff.

Einen beachtlichen Bereich für CO2-Einsparungen bietet auch der Food- und Agrarsektor. Immerhin emittieren die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne der Welt mehr Treibhausgase als alle großen Ölkonzerne zusammen. Dem arbeiten Hersteller von Fleisch- und Milchersatz-Produkten und Anbieter von Futterzusätzen für Rinder entgegen, die die Methanemissionen der Tiere deutlich reduzieren.

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Da die Bereitschaft in der Bevölkerung und der Industrie immer größer wird, CO2 einsparen zu wollen, gibt es auch immer mehr Anbieter von CO2-Kompensationen für Flüge, Autoreisen oder Kreuzfahrten sowie Beratungsunternehmen zum Thema Klimaneutralität.

Auch der Bereich Geoengineering wird Climate-Tech zugerechnet. Hier geht es hauptsächlich um zwei Aspekte: einerseits die Reduzierung der Sonnenstrahlung, etwa durch Weißen von Dächern, Aufstellung von Reflektoren oder Einbringung metallischer Partikel in die Stratosphäre, und andererseits die Bindung von THG-Emissionen, etwa durch Filterung von CO2 aus der Luft und Speicherung im Boden (Direct-Air-Capture) oder Düngung der Ozeane.

Wie groß ist der Markt von Climate-Tech?

Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens PWC wurden in den Jahren 2013 bis 2019 über 60 Milliarden Dollar an Venture Capital weltweit in Climate-Tech-Firmen investiert, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 84 Prozent und einem starken Anstieg in den letzten drei Jahren. Im Jahr 2019 wurden weltweit 16 Milliarden Dollar Venture Capital in 590 Climate-Tech-Deals investiert. Der Climate-Tech-Bereich „Verkehr & Transport“ war dabei mit 63 Prozent der am meisten geförderte. Die jährliche Wachstumsrate belief sich dort auf 151 Prozent. Aktuell gibt es bereits über 40 Unicorns im Climate-Tech-Markt, darunter Tesla, Solarcity, Zymergen, Lanzatech oder Beyond Meat. 30 davon befinden sich im Bereich „Verkehr und Transport“. Die weltweit größten Standorte für Climate-Tech-Venture-Capital-Gesellschaften sind San Francisco, Shanghai und Peking.

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Climate-Tech boomt

Auch wenn der Climate-Tech-Markt jetzt schon boomt, werden Investitionen darin in den nächsten Jahren noch weiter deutlich zunehmen. Das liegt am Zusammentreffen mehrerer Faktoren:

Die Politik gibt immer strengere Regeln vor, die Unternehmen einzuhalten haben, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken, beispielsweise der „European Green Deal“ der EU, der alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis 2050 keine Netto-THG-Emissionen mehr freizusetzen. Aus diesen Verschärfungen resultieren eine Verkehrswende und Förderungen für Elektroautos, aber auch die nun beschlossene, stetig steigende CO2-Bepreisung, die die Klimafolgeschäden der Zukunft bereits jetzt als Schäden bemisst. Daher benötigen Unternehmen effiziente Climate-Tech-Lösungen, um diese Ziele erreichen zu können. Hinzu kommt international, dass durch die neue Biden-Administration in den USA ein klares Bekenntnis zu Klimaschutzzielen und Investitionen der US-Regierung in diesen Bereich beschlossen wurden.

Ein weiterer Faktor ist die gesellschaftliche Veränderung. Immer mehr Menschen wollen etwas gegen den Klimawandel tun. Verbraucher legen immer mehr Wert auf nachhaltige Geschäftspraktiken und Produkte, nicht zuletzt dank Organisationen wie „Fridays For Future“. Laut der gerade erschienen „Trendstudie 2020“ der Otto Group können sich 60 Prozent der Deutschen vorstellen, beim Einkauf die wahren Kosten für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen. Und viele Unternehmen verpflichten sich, ihre CO2-Emissionen schneller als politisch vorgegeben auf Null zu setzen.

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Nicht zuletzt verlangt auch die Natur selbst nach neuen Climate-Tech-Lösungen. 2020 war das zweitwärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und die fünf wärmsten je gemessenen Jahre traten alle nach 2013 auf. Zunehmende extreme Wetterereignisse, Hitzewellen und ein steigender Meeresspiegel werden den Druck, neue Lösungen zu finden, weiter erhöhen.

Fazit

Höchstwahrscheinlich wird der Einsatz neuer Klimatechnologien alleine nicht ausreichen, um das Klima zu retten. Climate-Tech muss zwingend einhergehen mit einem Wandel in der Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit – und teilweise auch zu Verzicht, denn sonst greifen gefährliche Rebound-Effekte. So wird schon jetzt der steigende Stromanteil aus erneuerbaren Energien durch einen weltweit immer höher werdenden Pro-Kopf-Stromverbrauch kompensiert. Daher muss ein politisches und gesellschaftliches Umdenken mit großen Investitionen und Innovationen im Bereich Climate-Tech zusammenkommen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, den menschengemachten Klimawandel zu stoppen.

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Kommentare (2)

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Guter Artikel. Weiter so.

Fabian Geyer

„Demnach emittieren die Fleisch- und Milchproduzenten JBS, Tyson, Cargill, Dairy Farmers of America sowie Fonterra zusammen 578,3 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr und liegen damit wenn auch knapp vor dem grössten Ölkonzern der Welt, ExxonMobil mit 577 Millionen Tonnen.“
-NZZ

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