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Interview

Wie langfristige Investor:innen auf fallende Kryptokurse reagieren

Der russische Angriff auf die Ukraine lässt Börsen- und Kryptokurse sinken. Was bedeutet das für den sowieso volatilen Kryptomarkt? Kryptoinvestorin Susanne Fromm erklärt On-Chain-Signale und wie Anleger:innen von den Chancen des Web3 profitieren können.

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Ist seit Juli CEO der Krypto-Beteiligungsgesellschaft CoinIX: Susanne Fromm (Foto: CoinIX).

Die Kryptowelt in einer Aktie: CoinIX ist eine Beteiligungsgesellschaft, die auf Krypto und Blockchain spezialisiert ist. Sie investiert das Geld der Aktienkäufer:innen in Kryptowährungen und Equity-Beteiligungen, also klassisches Venture Capital und frühe Tokenprojekte. Susanne Fromm ist seit Juli 2021 CEO des Hamburger Unternehmens. Sie startete ihre Karriere als Unternehmensberaterin. Nach sechs Jahren wechselte sie zur Allianz, wo sie unter anderem globale Digitalisierungsstrategien verantwortete und Corporate Venture Capital Investitionen tätigte.

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Wir haben mit Susanne Fromm über die aktuellen Entwicklungen am Kryptomarkt gesprochen.

t3n: Susanne, was begeistert dich an der Blockchain-Technologie?

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Susanne Fromm: Das Umbruchpotenzial der Blockchain fasziniert mich. Durch meinen Werdegang im Digitalisierungsbereich habe ich Einblicke in die Arbeit von riesigen Internetkonzernen bekommen und weiß, wie stark zentralisiert das Internet ist und welche Marktmacht die großen Firmen haben. Die dritte Welle des Internets finde ich super interessant, weil es eine Gegenbewegung zur Zentralisierung des Internets ist.

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t3n: Was verstehst du unter der dritten Welle des Internets?

Susanne Fromm: Momentan surfen wir durch das Web2, das massiv zentralisiert ist. Das Web3 ist die nächste Entwicklungsstufe. Es ist dezentral und es gibt keine großen Internetkonzerne, die als Mittelsmänner fungieren. Durch Blockchain-Technologie ist auch eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung möglich. Der Zugang steht jedem offen und Daten liegen dezentral in der Hand des Einzelnen. Jeder kann einen Teil des Internets besitzen und an der Wertschöpfung partizipieren.

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Was bedeutet das konkret für die Nutzer:innen?

Frühe Facebook-Nutzer haben beispielsweise mitgeholfen, das Web2-Netzwerk aufzubauen, aber keinen Mehrwert daraus gezogen. Im Web3 ist das anders: Frühe Nutzer werden mit Airdrops belohnt und Nutzer in NFT-basierten sozialen Netzwerken sind selbst Besitzer ihrer Inhalte. Und es wird noch vieles geben, was wir uns heute noch nicht vorstellen können. Das ist die Reinform des Web3, die durch die Blockchain-Technologie heute schon möglich ist. Wir stehen aber am Anfang eines Entwicklungspfades. Die Internetriesen werden ihre Quasi-Monopolstellungen nicht kampflos aufgeben. Sie werden aber gezwungen sein ihre Geschäftsmodelle fundamental anzupassen, denn die Werte und Möglichkeiten des Web3 werden in den nächsten Jahren die Ansprüche der Nutzer prägen und einen massiven Wandel verursachen.

Drei Säulen des Krypto-Portfolios der Beteiligungsgesellschaft CoinIX. (Übersicht: CoinIX)

t3n: Wie bist du persönlich zur Blockchain-Technologie gekommen?

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Ich habe lange im Digitalisierungsbereich und Corporate Venture Capital gearbeitet. 2014 hatte ich erste Berührungspunkte mit Bitcoin und Blockchain. Man braucht aber wirklich mehrere 100 Stunden und viel Muße, um die Grundprinzipien und Denkweisen der dezentralen Philosophie zu verstehen und zu verdauen. Ich habe meine Elternzeit für ein Selbststudium genutzt, mehrere Lehrprogramme mitgemacht und selbst kleine Summen investiert. Seit 2020 arbeite ich Vollzeit im Blockchain-Bereich. Ich habe auch ein Startup mitgegründet, das Unternehmen Blockchain und digitale Assets erklärt, wollte aber wieder in den Investmentbereich.

t3n: Vergangene Woche gab CoinIX bekannt, dass eine Kapitalerhöhung ansteht. Wofür soll das Geld daraus verwendet werden?

Wir wollen unser Portfolio weiter ausbauen, es also in neue Investments stecken. Die Marktsituation für Blockchain-Innovation  ist sehr positiv und unsere Pipeline ist voll mit Investitionsmöglichkeiten. Die Gelder aus der letzten Kapitalerhöhung im Mai, vier Millionen Euro, sind schon fast vollständig investiert.

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t3n: Stecken in dieser Pipeline auch NFT-Projekte? Welches Potenzial steckt im NFT-Markt?

In NFT sehen wir wahnsinnig große Chancen in unterschiedlichen Bereichen. Denn sie können alle Arten von physischen oder digitalen Gütern repräsentieren und sie leichter monetarisierbar und handelbar machen. CoinIX investiert nicht in einzelne NFTs, weil wir das als hoch riskant ansehen. Viele NFTs sind nicht werthaltig. Aber wir glauben an den NFT-Markt und die Assetklasse. Deswegen holen wir immer mehr NFT-Projekte in unser Portfolio. Unser Fokus liegt dabei auf der Infrastruktur für NFTs. Zum Beispiel in Form von NFT-Marktplätzen oder Layer1-Blockchains für Soziale Netzwerke oder NFT- Businessmodelle im Sportbereich.

Susanne Fromm, CEO von CoinIX. (Foto: CoinIX)

t3n: NFT sind eine sehr neue Assetklasse. Wo geht die Reise in zwei bis drei Jahren hin?

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Die Adaption wird stark voranschreiten. Momentan gibt es viele einfache Anwendungen wie NFT-Profilbilder, die gerade stark gehypt werden. Sie haben das größte Handelsvolumen am NFT-Markt, das liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Aber es werden sich immer neue Anwendungsfelder finden. Man sieht schon ganz frühe Anwendungen in anderen Bereichen, zum Beispiel werden NFT genutzt, um Forschungsergebnisse oder Patente abzubilden, wie bei der Vita-DAO. In der Realwirtschaft lief die Entwicklung ursprünglich genau andersherum: Zuerst tauschten die Menschen verschiedene Güter gegeneinander, dann erleichterte Geld als Tauschmittel den Handel. In der Blockchain-Welt setze sich zuerst das Geld in Form von Kryptowährungen durch. Jetzt kommen die NFT hinterher, die Güter repräsentieren. NFT und Kryptowährungen sind ein Zusammenspiel.

t3n: In den vergangenen Monaten ist der Kryptomarkt ein gutes Stück abgesackt. Wie ist CoinIX mit dem Preisabfall umgegangen?

Volatilität ist ein natürlicher Teil des noch sehr jungen Marktes. Wir Kryptoinvestoren kennen solche Einbrüche schon und sind an den volatilen Markt gewöhnt. Wie viele andere Investoren auch, nutzen wir Kurseinbrüche als Einstiegschance und stocken unsere Positionen zu günstigen Preisen auf. Es hat also auch Vorteile, wenn es ein Stück nach unten geht.

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t3n: Du klingst sehr gelassen. Warum?

Volatilität ist uns vertraut. Der Downturn, den wir seit Anfang Dezember sehen, hat aber eine andere Qualität als sonst. Anders als zum Beispiel beim großen Preisrückgang nach dem ICO-Boom vor einigen Jahren liegen die Ursachen nicht im Kryptomarkt selbst, sondern außerhalb. Wir sehen eine Makrobewegung: Der Kryptomarkt schwingt mit anderen Assetklassen wie Aktien mit. So haben sich zum Beispiel die langsamen Zinsanhebungen und das Zurückfahren von Anleihenankäufen von der FED auf den Kryptomarkt ausgewirkt. Genauso wie die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten.

Trotz der Kursrückgänge schreitet die Blockchain-Adaption voran.

t3n: Und wie könnte es jetzt weitergehen?

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Eine Glaskugel habe ich natürlich auch nicht. (lacht) Ein gutes Zeichen senden aber einige OnChain-Signale: Bei vorherigen Kursrückgängen sank auch die Anzahl der Wallets. Das sehen wir jetzt nicht. Auch sehen wir keine großen Bewegungen durch Investoren, die ihre Kryptos zu Kryptobörsen transferieren, um die Assets schnell liquidieren zu können. Im Gegenteil: Die Zahl der Wallets steigt weiter und Krypto-Asses werden eher auf Wallets gesendet, die zum „hodeln“, dem langfristigen Halten, genutzt werden. Sogar die Bitcoin-Hashrate, die Rechenpower der Bitcoin-Blockchain, erklimmt immer neue Höhen, obwohl auch diese historisch eigentlich mit dem Bitcoin-Preis korreliert. Trotz der Kursrückgänge schreitet die Blockchain-Adaption also voran.

t3n: Was sagt das über den Kryptomarkt aus? 

Er ist nun insgesamt ein anderer als noch vor ein paar Jahren und wesentlich reifer. Ein vielfaches an Nutzern, klarere Regulierung in großen Märkten, konkrete Anwendungsfelder haben neue Wirtschaftszweige, wie DeFi und NFTs, entstehen lassen und neben Retail-Investoren tummeln sich immer mehr institutionelle Anleger im Markt.

t3n: Trotzdem sind Kryptowährungen sehr volatil. Wie geht CoinIX damit um?

Wir kaufen gerne günstig Kryptowährungen nach. Aber sonst sind kurzfristige Kursentwicklungen für uns nicht so entscheidend, da wir keine Trader sondern langfristig orientierte Investoren sind. Die Kryptokurse haben nur eine begrenzte Aussagekraft, was den Wert unseres Portfolios angeht. Für uns ist die Blockchain-Technologie eine große disruptive Technologiewelle, die mindestens zehn oder 15 Jahre andauert und neben dem Umbruch auch großes Wachstum mit sich bringt. Das erleben wir bereits heute am Kryptomarkt.

t3n: Und die Schwankungen kommen ja auch bei den Anleger:innen eurer Aktie an. Was empfehlt ihr denen?

Unsere Aktie ist als langfristiges Investment gedacht. Wir empfehlen Anlegern auch nur einen kleinen Anteil – vielleicht ein bis fünf Prozent – eines gut diversifizierten Portfolios in Krypto zu investieren. So lässt sich die Volatilität gut aushalten. Unsere Aktie ist ein Angebot, breit an den Chancen der Blockchain-Innovation zu partizipieren. Auch für private Investoren, die, ohne viel über den Kryptomarkt zu wissen oder ein Cold Wallet und eine Exchange bedienen zu müssen, bequem über ihr Aktiendepot Geld in Krypto anlegen wollen. Wir haben ein diversifiziertes Portfolio, das das breite Spektrum der Blockchain-Technologie abbildet. Zudem haben wir durch unser Netzwerk privilegierten Zugang zu den Projekten und ein diverses Team aus DeFi-Experten und alten Hasen im Finanzmarkt, die diese Projekte bewerten können.

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