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Corona-Effekte: Youtube drosselt weltweit die Bildqualität

(Foto: Amazon)

Bereits vor einer Woche hatte Youtube die Bitraten seines Dienstes in der Europäischen Union, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz auf die Standardauflösung reduziert und auf HD-Streaming verzichtet. Ab sofort wird die Alphabet-Tochter diese Maßnahme weltweit umsetzen.

Youtube stellt eine gesteigerte Nutzung seines Dienstes in allen Teilen der Welt fest. Dabei verteile sich die Mehrbeanspruchung des Dienstes eher über weitere Stunden, die bislang eher weniger genutzt wurden. Abrufe erfolgen dabei vermehrt aus dem privaten Umfeld.  Zusätzliche Spitzenbelastungen würden dabei nicht erzeugt, berichtet CNet.

Youtube ist wichtige Informationsquelle in Coronazeiten

Die Mehrnutzung entstehe vornehmlich durch Inhalte zum neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 und der durch diesen verursachten Lungenkrankheit Covid-19, die sich zu einer weltweiten Pandemie entwickelt hat.  Wohl dieser Umstand dürfte es sein, der Youtube unter Vorsichtsaspekten zu der Entscheidung geleitet hat, die Bildrate seiner Videos global zu reduzieren. Immerhin gehen Experten davon aus, dass sich das pandemische Geschehen global betrachtet zunächst nicht abschwächen wird.

Am gestrigen Dienstag hat Youtube daher begonnen, die Videoqualität für seine rund zwei Milliarden Nutzer weltweit zu reduzieren. Nicht in allen Teilen der Welt wird die Maßnahme unmittelbar spürbar sein. Youtube geht davon aus, dass es einige Tage dauern wird, bis die Maßnahme überall umgesetzt ist und zu greifen beginnt.

Der Dienst will die Reduzierung der Bildraten zunächst für die kommenden 30 Tage in Kraft setzen und die Situation danach neu evaluieren.

EU-Kommission hatte den Startpunkt gesetzt

Mit der Reduzierung der Videoqualität auf Standardauflösung war Youtube mit seinem Mutterkonzern Alphabet zunächst einem Streit mit der EU-Kommission aus dem Wege gegangen. EU-Kommissar Thierry Breton hatte das Unternehmen zu „verantwortungsvollem Handeln“ aufgerufen. Es solle zum „Smooth Functioning“, also zum reibungslosen Funktionieren des Netzes beitragen und die Datenrate entsprechend reduzieren.

Nach damaliger Einschätzung Youtubes wäre die Maßnahme, die Videoqualität über den gesamten Kontinent einzuschränken, zunächst nicht erforderlich gewesen. So habe die Plattform bislang nur „einige wenige Nutzungsspitzen“ gesehen. Zudem sei Youtube technisch ohnehin so aufgestellt, dass die Systeme automatisch niedrigere Qualitäten ausliefern, wenn die Bandbreite es erfordert.

Inzwischen haben die meisten global operierenden Streamingdienste vergleichbare Maßnahmen in Kraft gesetzt. Beginnend mit Netflix und Youtube, drosseln inzwischen auch Amazon Prime Video, Apple TV Plus, Facebook und Instagram ihre Bitraten. Disney Plus war bereits gedrosselt gestartet.

Die Dienste versprechen ihren Kunden unisono eine „gute Nutzererfahrung“. Die Maßnahme soll bei den jeweiligen Diensten etwa 25 Prozent weniger Datenverkehr verursachen.

Netflix hatte zwischenzeitlich klarstellen müssen, dass Nutzer mit 4K-Tarifen auch weiterhin 4K erhalten würden. Die Reduzierung würde in diesen Fällen nicht zurück zur Standardauflösung, sondern lediglich im Rahmen des Möglichen unter Beibehaltung der gebuchten Qualität erfolgen.

Derzeit ist die Drosselung der Bildraten quer über die wichtigsten Streamingdienste eher eine Vorsichtsmaßnahme. Wichtig würde sie erst, wenn die Datennetze an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangen. Wie zuletzt der Technikchef des weltweit größten Internet-Knoten De-Cix in Frankfurt am Main ausführte, kann davon jedoch bislang keine Rede sein.

Das ist die Technik hinter der Bandbreitendrosselung

Der Hintergrund der Drosselung liegt im Bandbreitenbedarf hochauflösender Videos. Bei einer höheren Bildauflösung gibt es ein schärferes Bild, weil mehr Pixel dargestellt werden. Dafür werden aber auch mehr Daten übertragen.

Netflix empfiehlt für HD (High Definition, hohe Auflösung) eine Internet-Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde, während es bei Standardauflösung drei Megabit pro Sekunde sind. Beim noch besseren Ultra-HD-Format werden bei Netflix sogar 25 Megabit pro Sekunde benötigt. Auch Youtube bietet Ultra-HD-Videos an.

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4 Kommentare
Jens Martsch
Jens Martsch

Der Titel ist nicht ganz optimal gewählt. Nicht die Streamingqualität wird gedrosselt, sondern die Bild- bzw. Videoqualität.

Antworten
Dieter Petereit

Da wir hoffen, dass unsere Leserinnen und Leser es nicht beim Lesen des Titels belassen, sollte sich das schnell aufklären. Abgesehen davon, sehe ich in dem Begriff kein Problem, denn was sollte wohl mit Streaming-Qualität gemeint sein, wenn nicht die Darstellungsqualität des gesendeten Streams?

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sommer
sommer

Denn aber nicht mehr zu 15,99euro

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Juppi
Juppi

Da Youtube-Videos ohnehin schon maximal komprimiert werden, merke ich da keinen Unterschied :D

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