Interview

Warum dieser Gründer keine Crowdinvesting-Kampagne mehr startet

Kartenmachen.de-Gründer Andreas Ritter kritisiert Crowdinvesting. (Foto: Kartenmachen.de)

Mehr als eine Viertelmillion Euro sammelte Kartenmachen.de per Crowdinvesting ein. Nun zieht der Gründer eine überraschende Bilanz – das Finanzierungsmodell rechne sich nicht.

Trotz diverser Pleiten in den vergangenen Jahren bringt Crowdinvesting auch Erfolgsgeschichten hervor. So wie die von Andreas Ritter: Vor zweieinhalb Jahren stellte der Nürnberger sein Startup Kartenmachen.de auf der Plattform Seedmatch vor – und bot Kleinanlegern an, in seinen Shop für gedruckte Einladungskarten zu investieren. Ritters Versprechen: Ein jährlicher Zins von acht Prozent auf ihr bereitgestelltes Kapital sowie ein umsatzabhängiger Bonus nach fünf Jahren.

Crowdinvesting? „Ich habe mehr erwartet“

Innerhalb weniger Wochen landeten so 340.000 Euro statt der ursprünglich benötigten 300.000 Euro auf dem Geschäftskonto von Ritter. 352 Kleinanleger hatten sich an seinem bereits damals profitablen Startup beteiligt. Ein beachtlicher Erfolg, wie sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Doch heute sieht Andreas Ritter die Crowdinvesting-Kampagne kritisch. Im Interview erklärt er, warum.

t3n: Herr Ritter, 340.000 Euro hat Ihre Firma von Kleinanlegern erhalten. Sogar mehr, als ursprünglich geplant. Das hat sich gelohnt, oder?

Andreas Ritter: Finanziell auf jeden Fall. Mit dem Geld konnten wir neues Personal einstellen, unter anderem zwei Grafiker und zwei Produktionsmitarbeiter. Außerdem wurden neue Drucker und eine Lasermaschine angeschafft. Für das langfristige Wachstum konnte auch die Expansion des Shops nach Großbritannien gestartet werden. Trotzdem habe ich mir von der Kampagne mehr erwartet.

t3n: Was hat denn gefehlt?

Wir dachten, dass die Kampagne uns auch langfristig neue Kunden beschert. Aber außer einigen wenigen Presseberichten am Anfang kam nicht mehr dabei heraus. Dazu hat das Controlling der Investments viel Zeit und Geld gekostet. Auch wollten wir nicht nur Geldgeber gewinnen, sondern engagierte Fans, die uns mit Ideen, Verbesserungsvorschlägen und Kontakten unterstützen.

t3n: Und das war nicht der Fall?

Nur sehr vereinzelt und meistens nicht ohne Anreize. Wir haben Investoren zum Beispiel Gutscheine für unseren Shop geschickt als Dankeschön, aber auch, damit sie uns an Freunde weiterempfehlen. Bewirkt hat das fast nichts. Im Gegenteil: Viele Investoren haben die Gutscheine dann meistbietend auf Ebay verkauft. Da fragt man sich als Gründer schon: Worum geht es den Leuten hier eigentlich?

t3n: Offenbar ging es ihnen weniger um Ihre Firma als vielmehr um den eigenen Profit.

Dass die Leute mit ihrem Investment hauptsächlich Geld verdienen wollen, kann ich natürlich nachvollziehen. Aber dass selbst Gutscheine offenbar kein Anreiz für größeres Engagement sind, hat mich dann schon überrascht. Nach langer Überlegung habe ich dann aber eine plausible Erklärung gefunden.

t3n: Erzählen Sie.

Es liegt sicher an den geringen Anlagesummen. Bei uns lag der Kapitaleinsatz im Durchschnitt bei 965 Euro. Natürlich ist auch der ein oder andere Anleger mit 5.000 oder 10.000 Euro dabei. Aber die Mehrheit hat nur 250 bis 500 Euro in unsere Firma investiert. Wenn man jetzt den jährlichen Zins von acht Prozent dazurechnet und den maximal möglichen Bonus von 30 Prozent am Ende der Vertragslaufzeit, dann bleibt die Rendite immer noch überschaubar. Dafür opfert kaum ein Kleinanleger seine Freizeit, um Verbesserungsvorschläge einzureichen oder Kontakte zu teilen.

t3n: Waren Sie da nicht etwas naiv? Anders als große Geldgeber haben private Kleinanleger ja oft wenig Ahnung von Unternehmensgründungen. 

Unter den Investoren waren auch andere Unternehmer und leitende Angestellte. Da ist es nicht abwegig, dass sich Möglichkeiten für Zusammenarbeiten ergeben. Einige Anleger sind durch die Kampagne auch erst zum Kunden geworden. Sie haben in unserem Shop bestellt und eine gute Bewertung hinterlassen. Von der Mehrheit aber hatte ich den Eindruck, dass sie sich mit unserer Firma nicht identifizieren.

t3n: Oder Ihr Produkt nicht brauchen, wie der Verkauf der Gutscheine gezeigt hat.

Genau. Dabei ist unser Produkt ja durchaus für die breite Masse ausgelegt. Jeder hat schon mal Einladungen für eine Geburtstagsparty verschickt oder ein Jubiläum gefeiert. Wer den Gutschein also nicht sofort einlöst, hebt ihn wenigstens auf.

t3n: Sie erwähnten den hohen Zeit- und Kostenaufwand, den die Crowdinvesting-Kampagne verursacht hat. Was genau hat so viel Zeit und Geld gekostet?

Seedmatch als Plattform hat uns während der Kampagne sehr gut unterstützt. Aber ist das Geld erstmal da,  wartet viel Bürokratie. Alle drei Monate müssen Berichte für Investoren geschrieben werden, es werden Abrechnungsdokumente für die halbjährlichen Zinszahlungen benötigt. Hier kann sich ständig etwas ändern: Anschriften, weil jemand umzieht oder weil die Investoren einen Freistellungsauftrag erteilen. Damit habe ich pro Quartal etwa zwei Tage verbracht und die Kosten lagen bei circa 700 Euro. Die Zeit und das Geld hätte ich gerne anderweitig investiert.

t3n: Also lohnt sich Crowdinvesting unterm Strich nicht?

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