Interview

Asanas Marketing-Chef: „Meetings und Mails sind die größten Produktivitätskiller“

Dave King, CMO von Asana (Foto: Asana)

Die Zusammenarbeit in Teams erfordert ein Überdenken der Prozesse. Dave King, Marketing-Chef von Asana und Dmexco-Speaker, erklärt im Interview, warum der kreative Prozess immer weniger und die Organisation immer mehr Raum einnehmen.

Das Marketing hat sich gewandelt. Gab es früher die eine große Kampagne, gibt es heute zahlreiche kleinere Maßnahmen auf unterschiedlichen Kanälen on- und offline, in sozialen Netzwerken und mit speziellen Ausrichtungen wie Voice- oder Content-Commerce, die zwischen Agenturen, Dienstleistern und Unternehmen koordiniert werden müssen. Dabei erkennen Teams, dass die Schwierigkeiten oftmals gar nicht so sehr im kreativen Prozess liegen sondern vielmehr in der Optimierung der Kanäle. Das bringt Dave King, CMO des Collaboration-Spezialisten Asana, im Rahmen eines Panels auf der diesjährigen Dmexco auf den Punkt. King kennt Agenturen und die Marketingwelt seit vielen Jahren sehr gut, war in zahlreichen Marketingfunktionen unter anderem für Salesforce tätig. Die t3n-Redaktion hat mit dem Marketingexperten im Vorfeld der Marketing-Konferenz über sich verändernden Prozesse in Marketing-Teams gesprochen.

t3n: Du sagst, das Marketing-Business ist in den letzten Jahren noch schnelllebiger geworden als es ohnehin schon immer war. Müssen wir heute mehr Projekte in kürzerer Zeit stemmen?

Dave King: Definitiv, das Marketing ist vor allem kleinteiliger geworden. Im Zeitalter der Always-on-Mentalität entsteht in den Unternehmen mehr Content als je zuvor. Wir alle bespielen mehr Kanäle mit unterschiedlichen Medienformaten. Und an die Stelle der One-way-Kommunikation ist immer öfter ein Dialog mit dem Kunden getreten. Das ist im Social-Media-Umfeld unverzichtbar, aber auch zeitintensiv. Gleichzeitig sind aber die Ressourcen nicht in gleichem Maß gestiegen, die man zur Verfügung hat. Du hast als Unternehmen somit zwei Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen: entweder länger und härter arbeiten oder mehr Effizienz entwickeln.
Viele Unternehmen und Marken optimieren daher vor allem ihre Prozesse und passen diese an die Erfordernisse der Channels an. Das ist übrigens auch bei etablierten Großunternehmen oftmals verbunden mit einem Shift in Richtung agile Arbeitsweisen. Einfach, weil man so besser und kurzfristiger auf Entwicklungen reagieren kann und Produkte schneller auf die Straße bekommt.

t3n: Hast du mal ein Bespiel für eine solche Entwicklung?

Ja, Sony Music ist hier ein gutes Beispiel. Die managen ein Repertoire von tausenden Bands und Künstlern und haben in der Vergangenheit langfristig geplant, Alben produziert, eine Marketingkampagne vorbereitet und die dann mit einer aus heutiger Sicht überschaubaren Zahl an Channels durchgezogen. So läuft das Geschäft aber heute nicht mehr. Heute geht es um individuelle Songs, um kurzfristige Einflüsse und Ereignisse von außen, die dazu führen, dass das Unternehmen seine Produktionszeiten um 75 Prozent gekürzt hat. All das zeigt, dass es darum geht, Zeit effizienter einzusetzen und trotz der geänderten Rahmenbedingungen noch das tun zu können, was ein Marketer eigentlich tun will, was sein Kerngeschäft ist: Fokussierung aufs Kreative und auf strategische Entscheidungen.

t3n: Wie geht diese Fokussierung denn konkret vonstatten?

Wir haben herausgefunden, dass ein Knowledge-Worker im Schnitt sechzig Prozent seiner Zeit damit verbringt, Dinge zu koordinieren, anstatt sie wirklich zu tun.

„Ein Knowledge-Worker verbringt im Schnitt sechzig Prozent seiner Zeit damit, Dinge zu koordinieren, anstatt sie zu tun.”

Man ist mit immer mehr Partnern, Dienstleistern, Agenturen und Freelancern vernetzt, gerade im Marketing. Man koordiniert verschiedene Themen in unterschiedlichen Regionen – und Marketers merken allzu oft selbst, wie viel Zeit das alles kostet. Aber gerade in internationalen Teams, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, wird die Arbeit mit Tabellen, Textdokumenten Grafiken schnell unübersichtlich. Da werden unzählige Mails hin- und hergeschickt, da gibt es Meetings, von denen nicht alle etwas wissen.

t3n: Also sind aus deiner Sicht die Meetings und E-Mails das größte Problem?

Ja, das sind in der Tat die beiden größten Zeitfresser im Berufsalltag. Beide dienen oftmals nur der Abstimmung darüber, wie weit man mit bestimmten Arbeitsschritten ist oder wer noch welche Aufgaben zu tun hat. Mit einer Collaboration-Lösung kann man gerade diese ganzen Dinge vereinfachen und weitgehend darauf verzichten. Wer eine Information benötigt, bezieht sie aktiv und wird nicht mit Projektstandsmitteilungen in Form eines Meetings aus seiner Arbeit gerissen. Wenn wir ehrlich sind, waren viele Meetings in der Vergangenheit überflüssig, weil sie ohnehin oft aus Status-Updates bestanden. Und wenn man nicht da war, war man darauf angewiesen, von einem Kollegen informiert zu werden.

t3n: Abgesehen vom operativen Projektmanagement, worauf kommt es bei Prozessen in Marketingabteilungen und Agenturen deiner Meinung nach an?

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2 Kommentare
Rüdiger
Rüdiger

Wie viele Artikel zum Thema „Meetings und E-Mails sind der größte Produktivitätskiller“, ausgesprochen von Unternehmen, die Meetings und E-Mails obsolet machen wollen, kommen hier noch? :-P

Antworten
undedined
undedined

Ich möchte mich der Meinung betreffend der Redundanz dieses Artikels gerne anschließen, und zusätzlich t3n daran erinnern, wofür es eigentlich stand, woraus es geboren wurde, und dass hinsichtlich Produktivität eventuell mal wieder mehr opensource gefragt ist!
Danke!

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