Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

Kaputte Türen und Klimaanlagen: Digitaler Zwilling soll die Bahn zuverlässiger machen

Die Bahn will Züge zuverlässiger machen – mit digitalem Zwilling. Der soll in einigen Nahverkehrszügen zunächst Türstörungen und Defekte der Klimaanlage vorhersagen können.

3 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige
Weniger Störungen will die Bahn mit Hilfe des digitalen Zwillings erreichen (Foto: Peeradontax / Shutterstock)

Das Bahn-Bashing wegen Türdefekten und nicht korrekt funktionierender Klimaanlagen ist schon fast legendär, in vielen Fällen auch berechtigt. Jetzt hat der Verkehrskonzern, der an einer Reihe von Innovationsprojekten im Rahmen der Digitalisierung arbeitet, angekündigt, zusammen mit dem Hersteller Stadler das erste virtuelle Abbild eines Zuges entwickeln und einsetzen zu wollen. Dieser digitale Zwilling soll dazu beitragen, dass mithilfe umfangreicher Echtzeitdaten im Rahmen eines Predictive-Maintenance-Konzepts vorausgesagt werden kann, wann Türen oder Klimaanlagen ausfallen werden. Die Wartung kann dann rechtzeitig übernommen werden, bevor die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall zu hoch wird.

Anzeige
Anzeige

Das virtuelle Abbild des kompletten Zuges verarbeitet Daten aus dem realen Fahrzeug in Echtzeit und kann damit Störungen oder den Ausfall eines Zuges verhindern. Nach den Worten der beiden Unternehmen ist das eine bisher einzigartige Kooperation zwischen einem Bahnunternehmen und einem Fahrzeughersteller und damit ein Vorbild für andere Bahnunternehmen.

Dabei fragt man sich schon, warum das so ist. Denn ein digitaler Zwilling, der sonst vor allem bei großen Industrieanlagen im Industrie-4.0-Umfeld zum Einsatz kommt, hat aufgrund der zahlreichen Daten gleichartiger „Fälle“ (respektive Züge) gerade bei Zügen seine Daseinsberechtigung. Denn je mehr der vergleichbaren Daten hier einfließen, umso besser wird die Prognose für die Wartung.

Anzeige
Anzeige

Predictive Maintenance: Wartung nicht nach festem Turnus

Die Wartung erfolgt dann nämlich nicht, wie früher, nach festgelegten Zeitintervallen, sondern auf der Basis von Messwerten dann, wenn man erwartet, dass Fehler auftreten können. So können beispielsweise Temperaturwerte dazu beitragen, dass erkannt wird, wann ein Motor einer Klimaanlage hitzebedingt im Sommer aussteigen wird. Der digitale Zwilling verbessert nicht nur die Treffsicherheit in Hinblick auf mögliche Ausfälle, sondern spart auch nachweisbar Geld ein. Denn die Wartung erfolgt gegebenenfalls nicht „auf Verdacht“ deutlich zu früh, sondern pünktlich dann, wenn es anhand des immer umfangreicher werdenden Daten sinnvoll erscheint.

Anzeige
Anzeige

Allerdings ist es bis zu einem flächendeckenden Einsatz einer solchen Predictive-Maintenance-Lösung noch ein weiter Weg – und der betrifft erst einmal nicht die IC/EC-Züge oder gar ICE-Züge, sondern zunächst nur den Nahverkehr. Die ersten Züge, der einen digitalen Zwilling bekommen, sind die der Baureihe 429.1 von Stadler. Die DB betreibt 28 dieser Triebzüge im Regionalverkehr in Rheinland-Pfalz, Hessen, in Teilen Baden-Württembergs und im Saarland. Derzeit wird ein Prototyp mit der Technik zur Aufzeichnung und Übermittlung von Daten ausgerüstet. Nach Inbetriebnahme dieses ersten Zuges folgen die weiteren Fahrzeuge der Flotte. Ende 2021 soll der digitale Zwilling erstmals voll funktionsfähig sein.

Die Schwerpunkte des virtuellen Abbilds liegen zunächst auf der Klimaanlage, den Türen und den Radsätzen des Zuges. Die aus diesen Systemen gewonnenen Daten werden mithilfe von künstlicher Intelligenz verarbeitet, um die Funktionen des Fahrzeuges zu simulieren. Dabei werden nicht nur Mechanik, Elektrik oder Software des Fahrzeugs berücksichtigt, sondern auch sein physikalisches Verhalten.

t3n meint:

Grundsätzlich ist die Idee, bei Zügen mit hoher Stückzahl auf einen digitalen Zwilling zu setzen, so naheliegend wie vernünftig. Die Kooperation der Bahn mit Stadler ist daher ein Schritt in Richtung eines digitalisierten Bahnbetriebs. Doch bis derartige Services flächendeckend funktionieren und in Kooperation mit allen Herstellern am Start sind, dürften noch einige Jahre vergehen. Die Hersteller von Fahrzeugen im Bahnverkehr können das aber in der Theorie alle – doch die Umsetzung und das Handling der Daten sind ein aufwendiger Prozess. Andererseits ist all das aber nicht nur im Interesse des Kunden, der damit häufiger pünktlich ankommt, sondern es ist auch ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit durch Optimierung des Obsoleszenzmanagements.

Tobias Weidemann

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige