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Der digitalisierte Patient: 7 Gesundheitstrends der Zukunft und ihre Auswirkungen

(Foto: Shutterstock)

Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche schreitet voran. Aber was heißt das konkret? Wie wirkt sich die Technologisierung darauf aus, wie Medizin und Pharmaindustrie künftig agieren?

Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche birgt immenses Potenzial – geschäftliches und medizinisches. Das haben die global agierenden Tech-Unternehmen mittlerweile verstanden: Apple und Amazon investieren in medizinische Kliniken für Mitarbeiter. Der Apple Health Record bietet den iOS-Usern unter den Patienten von knapp 40 Kliniken die Chance, ihre medizinischen Daten mobil einzusehen. Gleichzeitig besitzt Facebook riesige Datenmengen von 2,1 Milliarden aktiven Usern und plant, diese in Zukunft zur Früherkennung suizidaler Tendenzen zu nutzen. Amazon schließlich hat mit der Akquise von Pillpack Pharma-Produkte und Medizin ins Portfolio aufgenommen. Mit der Weiterentwicklung der Alexa-Produkte schafft Amazon darüber hinaus Voraussetzungen, um unter anderem Pflegebedürfnisse älterer Patienten zu bedienen.

Laut Einschätzungen des Economist werden die weltweiten Ausgaben auf dem Gesundheitsmarkt im Vergleich zum heutigen Stand in den kommenden Jahren um rund 56 Prozent steigen. Gründe sind das wachsende Durchschnittsalter der Weltbevölkerung und der zahlenmäßige Anstieg der Mittelschicht. Deshalb widmen sich nicht nur die Technologie-Firmen, sondern auch zahlreiche Startups weltweit bereits intensiv neuen Lösungen für Medizin, Pharmaindustrie und Gesundheitsmanagement. Noch ist in Deutschland wenig von dieser Digitalisierung des Gesundheitsmarktes zu spüren. Doch international zeichnen sich klare Trends ab, die in naher Zukunft auch das Gesundheitssystem hierzulande verändern werden.

Trend 1: Big Data

Daten sind eine harte Währung im 21. Jahrhundert. Mithilfe von Daten kann die Forschung maßgeblich vorangetrieben und dadurch letztendlich der Gesundheitszustand des Einzelnen verbessert werden. Längerfristig können Diagnosen und Behandlungen so optimiert werden. Indem Wissenschaftler gesundheitsbezogene Daten auswerten, können sie Trends frühzeitig erkennen und erlangen neues Wissen zur Entstehung von Krankheiten und deren Verlauf. Präventivmedizin und die individuelle Therapie können so verbessert werden. In Kombination mit ökonomischen Daten kann die Auswertung medizinischer Daten außerdem helfen, gesundheitliche Versorgungssysteme zu optimieren und unnötige Kosten einzusparen, um diese an anderer Stelle sinnvoller einzusetzen.

Trend 2: Internet of Things

Eng verbunden mit Big Data ist der IoT-Sektor: Tracking-Devices sammeln kontinuierlich medizinische Daten, die sie anschließend an Ärzte oder Angehörige weiterleiten. In Krankenhäusern ermöglicht das konstante Weiterleiten von Informationen über die vitalen Funktionen eines Patienten eine engere medizinische Überwachung: Pflegekräfte und Ärzte erfahren Werte nicht nur bei der persönlichen Visite, sondern haben sie konstant im Blick. In ländlichen Gegenden ohne direkten Zugang zu einem Arzt ist dank des IoT so medizinische Betreuung aus der Ferne möglich. Bei chronischen Krankheiten können Ärzte dank dauerhafter Datenübermittlung schneller auf Veränderungen reagieren und so Komplikationen vorbeugen. Gesunde, aber ältere Leute könnten zukünftig von einem Sensor in ihrem Zuhause profitieren, der Angehörigen beispielsweise einen Sturz direkt meldet.

Trend 3: Künstliche Intelligenz

Da jedoch die anfallenden Datenmengen immer größer werden, wird es für den Menschen zunehmend schwerer, aus ihnen relevante Schlussfolgerungen zu ziehen. Künstliche Intelligenz unterstützt nicht nur beim Sortieren und Analysieren unstrukturierter medizinischer Informationen. Lernende Algorithmen erkennen außerdem Muster von Krankheitsbildern, um daraufhin individuelle Behandlungslösungen für Patienten zu entwickeln. Bekannte Einsatzfelder sind beispielsweise die Immunonkologie.

Die Pharmaindustrie setzt künstliche Intelligenz außerdem immer stärker bei der Entwicklung neuer Medikamente ein. Unter dem Stichwort „Next Generation Genomics“ sollen mithilfe von Software und intelligenten Algorithmen Krebszellen eines Patienten analysiert werden, um daraufhin spezifische Wirkstoffe zu entwickeln. So besteht die Chance, schnell und kosteneffizient wirksamere Medikamente zu erzeugen.

Trend 4: Predictive Analytics

Mithilfe von Predictive Analytics werden bestehende Daten so ausgewertet, dass Entwicklungen und Trends daraus präzise abgeleitet werden können. Ärzte können so auf Basis von Algorithmen genauere Diagnosen stellen und bereits in der Früherkennung aktiv werden, bevor ein Krankheitsfall eintritt. Um die Entscheidung zu unterstützen, welche Behandlung die geeignetste ist, leistet Machine Learning einen wertvollen Beitrag. Patienten bleiben durch frühzeitig eingesetzte Präventivmaßnahmen gesund.

Trend 5: Mobile Health

Der Begriff Mobile Health bezeichnet die Verwendung von mobilen Geräten im medizinischen Bereich. Hier kommen Smartphones und Tablets genauso infrage wie Wearables oder andere tragbare elektronische Geräte. Sie ermöglichen es dem Patienten, selbstständig die eigene Gesundheit zu verfolgen und zu überwachen, zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen. Informationen können auch mit Gesundheitsdienstleistern oder Ärzten geteilt werden. Noninvasive Sensoren geben dann beispielsweise Auskunft über den Blutzuckerwert, den Blutdruck oder die Körpertemperatur. Außerdem ist eine medizinische Beobachtung aus der Ferne möglich, so zum Beispiel bei Patienten, die in entlegenen Gegenden wohnen. Gesunde Menschen können mittels Tracking ihrer Werte mit Fitness- oder Gesundheits-Apps außerdem selbst dazu beitragen, ihre Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Auch das Fachpersonal in Krankenhäusern oder Praxen kann profitieren, da die  elektronische Krankenakte eines Patienten auf mobilen Geräten zugänglich wird.

Trend 6: Content-Marketing

Diese Entwicklung spielt in erster Linie für die Versorgerseite eine Rolle. Indem Pharma- oder medizinische Unternehmen inhaltlich relevanten und hilfreichen Content für Privatleute anbieten und auf die entsprechende Customer-Journey der Patienten optimieren, leiten sie Interessenten über relevante Inhalte auf ihre Website und verbessern ihre digitale Bekanntheit. Qualitativ hochwertig arbeitende Unternehmen und Institutionen haben so die Möglichkeit, ihr Image zu verbessern und neue Kunden anzuwerben. Hinzu kommt der auch in Zukunft weiterhin hochrelevante Faktor der Suchmaschinenoptimierung. Die Suche nach Gesundheitsthemen – auch mit lokalem Bezug – boomt. Hierbei gilt: Suchanfragen mit Ortsbezug wie etwa „Kniespezialist München“ haben ein hohes Potenzial, aus Suchenden reale Patienten zu machen.

Trend 7: Customer-Experience

Wie in der Wirtschaft ist auch in der Medizin die persönliche Erfahrung und Zufriedenheit des „Kunden“ zentral. Hier kann die Medizin deshalb von den Verfahren der Wirtschaft lernen: Durch die Erstellung von Personae (Patienten-/Kundenprofilen) und Definition einer Patienten-Journey (mögliche Ansatzpunkte im Gesundheitsverlauf) lässt sich die Behandlung stärker personalisieren. Eine positive Erfahrung steigert nicht nur direkt das Wohlbefinden des Betroffenen, sondern wirkt auch in wirtschaftlicher Hinsicht vorteilhaft für Gesundheitsangebote, Pharmaunternehmen und medizinische Einrichtungen. Letztere steigern damit die Loyalität ihrer Zielgruppen und profitieren von einer höheren Empfehlungsrate.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich die Gesundheitsbranche im Umbruch befindet und dadurch auch immer einer gewissen Dynamik unterworfen sein wird. Noch schöpfen deutsche Firmen und medizinische Einrichtungen das Potenzial der Digitalisierung im seltensten Fall voll aus. Langfristig werden sie jedoch nicht umhin können, die Chancen der Technologisierung zu nutzen – denn nur so können sie ihren Patienten und Kunden eine an moderne Standards angepasste Versorgung bieten.

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