Kommentar

Digitalisierung: Wir brauchen ein Grundeinkommen 0.1 statt sozialer Marktwirtschaft 4.0

Seite 2 / 2

Gegner des Grundeinkommens, wie Arbeitsministerin Andrea Nahles, wehren sich beim  Grundeinkommen oft gegen etwas, das gar nicht das Thema ist: Das Ende der Arbeit. Es geht nicht darum, ob alle menschliche Arbeit durch die Automatisierung endet. Es geht darum, dass jeder die Freiheit hat, zu tun, was er möchte. Der Philosoph Hegel betrachtet Arbeit als Mittel zur Selbstbestimmung und sieht Arbeit als Existenzbedürfnis des Menschen. Die Arbeit wird demnach nicht aussterben, die intrinsische Motivation des Menschen, zu arbeiten, ist zu groß dafür. Jedenfalls, solange Menschen sich ihre Arbeit aussuchen können. Eine Freiheit, die heute nicht jedem zusteht.

Was wir brauchen, um diese Freiheit zu erreichen, ist ein Grundeinkommen 0.1. Eine erste, frühe Fassung eines Programms, das unsere Gesellschaft auf neue Fundamente stellen könnte. Die Finanzierung eines solchen Vorhabens muss erforscht werden. Reicht eine Verbrauchssteuer aus, wie der deutsche Unternehmer und DM-Gründer Götz Werner sie vorschlägt? Oder brauchen wir etwas anderes? Was geschieht mit dem Gedanken der Umverteilung, der gerechten Belastung? Reicht das Argument aus, dass Reiche mehr Geld ausgeben, also auch mehr Verbrauchssteuer bezahlen? Ohne politische Initiative gibt es keine Antworten auf diese drängenden Fragen.

Die Befürworter des Grundeinkommens sind mittlerweile zahlreich und lesen sich wie das Who is who der internationalen Wirtschaftselite. Wesentliche Treiber der Digitalisierung wie Bill Gates, Elon Musk, und Mark Zuckerberg sind ebenso von der Notwendigkeit einer solchen radikalen Gesellschaftsumstrukturierung überzeugt, wie DM-Gründer Werner. Leider erstreckt sich diese Überzeugung nicht auf unsere aktuelle und designierte Bundesregierung. Wir brauchen eine Politik, die bereit ist, frühzeitig die Weichen für ehrgeizige und radikale Projekte zu stellen. Die Digitalisierung bietet die Chance für eine neue, soziale Gerechtigkeit. Die Gesellschaft ist bereit dafür, diese Chance zu ergreifen, die Politik müsste nur die Weichen stellen.

Passend zum Thema

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Gerhard Kastl
Gerhard Kastl

Danke für diesen Beitrag. Er ist außerordentlich klar und verständlich. Vor allem in der sehr plausiblen Antwort auf die unsinnige Frage: Wer arbeitet dann noch?
Die Finanzierungsfrage ist aber schon mehrfach (mit verschiedenen Konzepten) grundsätzlich beantwortet, z.B von der Arbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in der Linken oder von Professor Straubhaar in seinem Buch „Radikal gerecht“. Auch durch Konsumsteuern müsste es finanzierbar sein, da dies aber das Steuersystem grundlegend verändern würde, wäre diese Umstellung erheblich aufwändiger und schwieriger.
Bei einer Finanzierung aus Einkommensteuern, würde man das „Prinzip Kindergeld“ auf die gesamte Einkommensbesteuerung anwenden: Eine für alle gleich hohe Steuererstattung (das Grundeinkommen) an Stelle von Steuerfreibeträgen und ermäßigten Steuersätzen. Mit einem einheitlichen Steuersatz von ca. 50 % wäre das Grundeinkommen (incl. bisherige Steuereinnahmen) problemlos finanziert. Das Grundeinkommen kompensiert für die allermeisten den höheren Steuersatz. Bei geringen Einkommen wird die Steuer weit überkompensiert und niemand hat ein Einkommen unter dem Grundeinkommen. Sehr hohe Einkommen werden jedoch höher belastet. (Genaue Berechnungen und Vergleich mit heute unter grundeinkommen-online.de).

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung