Kolumne

Von wegen Zauberei: E-Commerce muss wieder oldschool werden

Onlinehändler sollten wieder etwas mehr zum Muggel werden: weniger Magie, mehr Kaufmann. (Foto: Shutterstock.com)

E-Commerce ist kein Hexenwerk: Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass etwas weniger Magie und etwas mehr altbackene Kaufmannstradition ganz gut wären.

Jahr für Jahr stieg der Umsatz – eine schöne Situation für Klaus Forsthofer und sein Unternehmen Ace Deutschland. So schön, dass die Financial Times Ace in die Liste der 1.000 wachstumsstärksten Unternehmen aufnahm. Jetzt entschloss sich Forsthofer, der übrigens auch die durchweg kompetente Amazon-Agentur Marktplatz1 mitbetreibt, zu einem radikalen Schnitt: Er warf rund die Hälfte seines Sortiments raus. Der Umsatz durch diesen erstaunlichen Schritt fiel beachtlich. Mit der erstaunlichen Wende, dass Forsthofer heute 30 Prozent mehr Gewinn einfährt als bisher, so berichtet die Internet World.

Was war passiert? Ace musste feststellen, dass zwar der Umsatz ordentlich wuchs, der Gewinn erstaunlicherweise aber keine Anstalten machte, zu wachsen. Externe Controlling-Experten räumten dann zusammen mit Forsthofer auf und förderten das erstaunliche Ergebnis zutage: Zehn Prozent des Sortiments waren für 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich Wer bis hierhin mitgezählt hat, dürfte viermal dem Wort „erstaunlich“ in diesem Text begegnet sein. Erstaunlicherweise hat das Wort hier aber überhaupt nichts verloren, denn Forsthofers Erlebnis ist mitnichten erstaunlich. Es ist symptomatisch für den modernen E-Commerce.

Der Irrglaube vom magischen Zauberstab

Die Bemühungen der „alten“ stationären Händler im E-Commerce werden in der Branche mit so viel Häme begleitet, dass sich anscheinend bei vielen Händlern der Eindruck festgesetzt hat, dass sich alle alten Handelsweisheiten und kaufmännischen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte irgendwie verflüchtigt haben und für das digitale Zeitalter nicht mehr gelten. Fast scheint es, als würde eine ganze Branche an die Existenz eines magischen Zauberstabes glauben, ohne den man im E-Commerce nicht erfolgreich sein kann. Ein neues, geheimes Wissen, das nur Eingeweihten zur Verfügung steht und alles bisherige Wissen überflüssig macht. Amazon scheint mit diesem Zauberstab viel herumzuwedeln.

Damit wir uns nicht missverstehen: Digitales Fachwissen und besonders Fachwissen über die Funktionsweise von Plattformen und Marktplätzen sind zwingend notwendig, um erfolgreich online zu handeln. Sie ersetzen aber nicht das althergebrachte Kaufmannswissen, sondern ergänzen es nur.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Martin_KonVis

Sehr sehr schöner Artikel! Kann ich nur zustimmen. Gerne mehr davon :-)

Antworten
dennis
dennis

Der Artikel gibt nicht wirklich etwas wieder. Wie wäre es denn da mal diese ominösen Kaufmannsregeln zu benennen?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung