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Ecosia ruft zum Boykott von Googles Suchmaschinen-Auktion auf

Google-Suche: Alternative Suchmaschinen sollen bei Android blechen. (Foto: Evan Lorne/Shutterstock)

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Auf Druck der EU schlägt Android dem Nutzer künftig alternative Suchmaschinen vor – wenn die Anbieter dafür Geld an Google zahlen. Ecosia, Qwant und andere wollen sich das nicht gefallen lassen.

Der Suchmaschinenanbieter Ecosia lehnt es ab, an einer Auktion teilzunehmen, bei der Google Plätze in einem Android-Menü zur Wahl alternativer Suchmaschinen versteigert. Zuvor hatte Google das Auktionsverfahren als Lösung für den Vorwurf der EU-Kommission angekündigt, dass es unfairen Wettbewerb betreibe. Ecosia, das einen Großteil seiner Überschüsse in ökologische Projekte investiert, ruft auch andere alternative Suchmaschinenanbieter dazu auf, die Auktion zu boykottieren.

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Das Berliner Unternehmen bezeichnet die Auktion von Google in einer Pressemitteilung als „wettbewerbswidrig“ und fordert Google dazu auf, diese „ethisch fragwürdigen Praktiken“ einzustellen. Android-Nutzer sollten selbst entscheiden können, welche Suchmaschine sie als Standardsuche auf ihrem Gerät nutzen wollen, anstatt nur dem höchstbietenden Anbieter einen Zugang zu diesem Wahlmenü zu ermöglichen.

„Google nutzt dominante Marktposition aus“

„Wir sind wirklich enttäuscht, dass Google entschieden hat, seine dominante Marktposition derart auszunutzen“, sagt Christian Kroll, Geschäftsführer und Gründer von Ecosia. „Wir rufen andere Suchmaschinen dazu auf, auf den Einstieg in die Auktion zu verzichten und sich für einen fairen Markt einzusetzen, statt diese Idee zu tolerieren.“

Eine Firma mit einer Marktdominanz vom Kaliber Googles handle wettbewerbswidrig, wenn sie den Zugang zu ihren Geräten kontrolliere, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Googles Versuch, den Zugang zu Android-Nutzern zu versteigern, sei eine Beleidigung für die Bemühungen der Europäischen Kommission. Die Auktion werde diejenigen Suchmaschinen bevorzugen, die auf Gewinnmaximierung abzielen. Suchen, die sich auf Datenschutz oder Umweltschutz fokussierten, hätten das Nachsehen.

„Wir benutzen unsere Einnahmen, um Bäume genau dort zu pflanzen, wo sie aufgrund von Rodung oder Wüstenbildung am meisten gebraucht werden und nicht, um in teure und unnötige Bieter-Kämpfe mit anderen Suchmaschinen zu treten“, ergänzt Kroll. „Es sollte die Entscheidung der Android-User sein, welche Suchmaschine auf ihrem Gerät installiert wird und absolut nicht die Entscheidung von Google.“

Google bittet Ecosia, Qwant und andere zur Kasse

Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission Google vorgeworfen, unfairen Wettbewerb zu betreiben. Sie verhängte wegen des Geschäftsmodells beim Android-Betriebssystem eine Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro gegen das US-Unternehmen. Die alternativlos vorinstallierte hauseigene Websuche des Konzerns war dabei ein zentraler Kritikpunkt.

Googles Plan sieht vor, dass ab Anfang 2020 EU-Nutzer bei der Einrichtung eines Android-Geräts neben Google drei alternative Suchmaschinen als Standardsuche zur Auswahl angeboten bekommen. Wie das aussehen könnte, zeigt Google in einem Blogpost.

Welche drei Suchen neben Google vorgeschlagen werden? Das will Google mit besagter Auktion klären, in der geschlossene Gebote abgegeben werden. Die drei höchsten Gebote erhalten den Zuschlag. Google hat zwar bekannt gegeben, dass es Mindest- und Höchstgebote geben werde, hat diese aber nicht weiter spezifiziert.

Die Auktionen sollen ein Mal pro Jahr in jedem einzelnen Land der europäischen Wirtschaftsregion stattfinden. In ihrem Gebot sollen die Suchmaschinen den Preis nennen, den sie jedes Mal zu zahlen bereit sind, wenn ein Nutzer sich für ihren Dienst entscheidet. Sie bekommen dann monatlich eine Rechnung von Google und sollen nur zahlen, wenn die Nutzer ihren Dienst auswählen.

Das Vorgehen stößt auch bei anderen Suchmaschinen-Rivalen auf Kritik. Die Burda-Tochter Cliqz sagte gegenüber Golem.de, es sei absurd, hier von Fairness zu sprechen. „Die Dreistigkeit, mit der Google den klaren politischen Willen der EU missachtet, verblüfft mich immer wieder“, kommentiert Marc Al-Hames, Geschäftsführer von Cliqz. Der Suchmaschinenprimus tanze den politischen Entscheidungsträgern buchstäblich auf der Nase herum und wolle zeigen, wer das Sagen habe. „Wenn der Höchstbietende den Zuschlag bekommt und nicht der Beste, ist der Nutzer der Gelackmeierte. Nutzer müssen die Wahl haben, ob sie sich zum Beispiel für die privateste oder die innovativste Suche entscheiden.“ Google könne den Preis beliebig in die Höhe treiben und die mitbietenden Suchmaschinen müssten ihr Investment durch aggressive Werbung oder Verkauf von Daten wieder hereinholen. Das untergrabe das Ziel, Googles Monopolstellung zu regulieren.

Google: „Faire und objektive Methode“

Eric Leandri, Geschäftsführer der von europäischen Medienhäusern finanzierten Suchmaschine Qwant, sagte gegenüber Bloomberg, es werde geprüft, ob sich sein Unternehmen an der Auktion beteiligen wird. Die Auktion bezeichnete er als „totalen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung“ Googles. Für ihn sei es nicht fair, um „Geld zu bitten, nur um einen Vorschlag mit Alternativen zu unterbreiten“.

Google hält trotz der Kritik an der Durchführung der Versteigerung fest. „Eine Auktion ist eine faire und objektive Methode, um zu ermitteln, welche Suchanbieter im Auswahlbildschirm enthalten sein werden“, sagt Ralf Bremer, Pressesprecher von Google, gegenüber t3n. „Es ermöglicht Suchanbietern, zu entscheiden, welchen Wert sie auf die Anzeige im Auswahlbildschirm legen, und dementsprechend zu bieten.“ Er verwies in dem Zusammenhang auch auf die Praxis, dass Google selbst Geld zahle, wenn seine Suche auf Nicht-Android-Geräte installiert werde.


t3n meint:

Google schlägt selbst aus Niederlagen Gewinn: Andere Anbieter dafür zahlen zu lassen, als alternative Suchmaschine angeboten und verwendet zu werden, hält die Mitbewerber und die Qualität ihres Angebots auf Abstand. Der Protest von Ecosia und Co. wird nur funktionieren, wenn sämtliche alternativen Suchmaschinenanbieter mitziehen – und damit ist in dem heterogen aufgestellten Markt nicht zu rechnen. Langfristig steckt für Google aber durchaus Sprengkraft in der zentralen Auswahlmöglichkeit für fremde Suchen. Von einem ähnlichen Mechanismus hatte Google vor zehn Jahren selbst profitiert: Damals wurde Microsoft von Wettbewerbshütern dazu gezwungen, bei der Installation von Windows dem Nutzer andere Browser neben dem Internet Explorer anzubieten. Das gilt als einer der Hebel für den Erfolg von Chrome auf dem Browsermarkt.
Anton Weste

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Ein Kommentar
Sebastian Gross
Sebastian Gross

Soll nun der Chrome (wie im Titel) oder die Suchmaschine ersetzt werden können?

Antworten

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