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Reportage
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Spannende Einblicke: In diesem Labor lernen deutsche Hightech-Startups laufen

Proteindesign mithilfe von KI, Exoskelette für die Hand: In den Laboren und im Makerspace der Life Science Factory Göttingen machen Startups ihre ersten Schritte abseits von Hochschule und Universität. [Archiv]

4 Min. Lesezeit
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Im Labor der Life Science Factory forschen Startups unter anderem an Proteinentwicklung mit KI und Fleischalternativen. (Foto: Life Science Factory)

In der Tiefkühltruhe herrschen Minus 150 Grad. Im Gefrierschrank ist es etwas wärmer – nur Minus 80 Grad.

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Irina Reimer zieht einen blau-schwarzen Schutzhandschuh an, öffnet erst eine massive, dann eine etwas dünnere Tür. Eisiger Nebel bahnt sich den Weg ins Freie, dahinter wird eine Reihe eisüberzogener Schubfächer sichtbar. Die ähneln Gemüseschubladen in einem ganz normalen Kühlschrank, enthalten statt Erbsen und Spinat allerdings gefrorene Zellkulturen.

Wird es im Gefrierschrank wärmer als Minus 60 Grad, „kann Forschung der letzten 20 Jahre kaputtgehen“, erklärt Reimer, während sie die beiden Türen wieder fest verschließt – der leise brummende Schrank ist deswegen mit einem Überwachungssystem ausgestattet, das bei Bedarf Alarm schlägt.

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Life Science Factory Göttingen: Die ersten Schritte abseits der Uni

Laborbank mit Kühlschrank und normalem Schrank

Die Laborbänke sind das Kernelement: Sie werden voll ausgestattet vermietet, Flex-Desk im Co-Working-Space inklusive. (Foto: Life Science Factory)

Irina Reimer ist Program Director der Life Science Factory Göttingen, der Blick in den ungewöhnlichen Gefrierschrank Teil einer Tour durchs Gebäude der niedersächsischen Startup-Schmiede. In den Laboren wird unter anderem an Fleischalternativen und der Entwicklung von Proteinen mithilfe von KI-Algorithmen geforscht.

Die Idee der Life Science Factory: Startups, die sich an einer der drei Göttinger Hochschulen formieren, sollen bei ihren ersten Schritten abseits vom Campus begleitet werden, sich austauschen und Räume und teures Equipment gemeinschaftlich nutzen.

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Wer sich entscheidet, die Räumlichkeiten der Factory längerfristig zu buchen, soll nach etwa zwei Jahren „auf eigenen Beinen stehen und zum Beispiel in größere Räume ziehen oder eigene Produktionskapazitäten haben“. Seit der Gründung 2019 hat die Factory laut Reimer so insgesamt 60 Startups begleitet, momentan sind zehn Gründungsteams eingebucht.

Nachdem der Startschuss für die Life Science Factory zunächst auf einer Probefläche gefallen war, folgte 2022 der Umzug in einen neu gebauten Backsteinturm auf dem ehemaligen Werksgelände des Biotechherstellers Sartorius. Der ist auch die Muttergesellschaft der Factory – und sorgt unter anderem für günstigen Nachschub im „Cola-Automaten für Laborbedarf“.

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Labor „wie bei Mutti“ – Kittelwäsche inklusive

Im Labor, das die beiden obersten Etagen der Life Science Factory füllt, sollen sich die Startups „wie bei Mutti“, fühlen, erklärt Reimer – Kittelwaschservice und Spülservice für benutztes Laborbesteck inklusive. Unsere Tour führt vorbei an Zentrifugen, an PCR-Geräten und an Waagen, die das Gewicht eines einzelnen Fingerabdrucks bis auf die siebte Nachkommastelle genau messen können. Kupferrohre an der Decke leiten Stickstoff, Helium, Argon und CO₂ zu den einzelnen Arbeitsplätzen, wir bleiben vor einer Laborbank stehen.

Einen Meter achtzig lang, ausgestattet mit abschließbaren Schränken und Kühlung, sind die Bänke das Kernelement der Life-Science-Factory-Labore: Startups, die im voll ausgestatteten Labor arbeiten wollen, buchen sie als Basis. Einen Flex-Desk im Coworking-Space zwei Stockwerke tiefer gibt es direkt mit dazu, alles andere – zum Beispiel Hilfe bei bürokratischen Hürden oder ein privater Forschungsbereich, der in kürzester Zeit mit flexiblen Milchglaswänden ins Labor eingezogen wird  –, wird individuell vereinbart.

Exoskelette für die Hand: Der Prototyp kommt aus dem Makerspace

Während die Mindestlaufzeit für einen Laborplatz einen Monat beträgt, geht das Ein- und Auschecken zwei Stockwerke tiefer noch spontaner. Im Makerspace können sich junge Unternehmen nicht nur monats-, sondern auch tageweise einmieten, es gibt außerdem Zehnerkarten „wie im Schwimmbad“.

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Im Makerspace können Startups verschiedene Fertigungstechniken ausprobieren – und so zum Beispiel Prototypen herstellen. (Foto: Life Science Factory)

Da, wo es, so Reimer, „zischt und brummt“, haben Claudio Garcia und Viola Bartels schon zahlreiche Stunden verbracht. In den Regalen an der Wand stehen Probedrucke aus dem 3D-Drucker. Eine Riesenzelle, die an den Biounterricht erinnert, eine Büste von Albert Einstein, der die Zunge herausstreckt, ein Prothesenstumpf.

Mit ihrem Startup Digity arbeiten Garcia und Bartels an Exoskeletten für die Hand. Die sollen zum einen bei Rehamaßnahmen nach Verletzungen zum Einsatz kommen, zum anderen präventiv genutzt werden. Bevor das erste Produkt im Herbst 2023 in Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller auf den Markt kommt, brauchte es immer wieder Prototypen, Verpackungen und Zubehör für Belastungstests.

Damit die nicht zu teuer werden, setzt Digity auf die Marke Eigenbau. Aber welche Geräte braucht man dafür eigentlich? „Als Startup weiß man oft noch gar nicht, was man eigentlich benutzen möchte“, erklärt Garcia. Um herauszufinden, welche Fertigungstechnik sich wofür eignet, und immer wieder Neues auszuprobieren, zog das Startup im Makerspace ein – wo 3D-Drucker neben Plotter, Lasercutter und Fräse stehen und reger Austausch mit anderen Gründer:innen stattfindet.

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„Hightech-Startups aus der Provinz“ im Gebäude, das nie schläft

Claudio Garcia, Viola Bartels und Irina Reimer auf der Eventfläche der Life Science Factory Göttingen. (Foto: t3n)

Der Austausch, den die Life Science Factory mit einem umfangreichen Netzwerk fördert, hatte das Team von Digity schon vor dem Einzug in den Makerspace zur Life Science Factory gebracht. „Hightech-Startups aus der Provinz kennen sich nicht unbedingt“, sagt Garcia.

Bei Events, in der Gemeinschaftsküche und auf den Coworking-Flächen, die zwischen Labor und Makerspace angesiedelt sind, treffen die unterschiedlichen Startups immer wieder aufeinander – man kennt sich in der Factory.

Dabei bleibt immer Platz für neue Gesichter: Das Gebäude ist nie voll ausgebucht, sagt Irina Reimer. „Unser Ziel ist es, dass die Fläche maximal zu 80 Prozent ausgelastet ist, weil wir den Platz brauchen, um zu wachsen und die Möglichkeit zu bieten, ganz kurzfristig eine Laborbank zu buchen oder einen Coworking-Platz zu vermieten.“

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Flexibel soll es sein, so wie die verschiebbaren Wände im Labor, der separate Eingang für den Makerspace, der es ermöglicht, auch nachts nach dem 3D-Drucker zu sehen, und die smarte Beleuchtung in den Fluren. Alles in der Life Science Factory ist auf ständigen Wandel ausgelegt – und das Haus schläft nie.

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