Ratgeber

„Erzähl mir etwas über dich“: Wie Yales Karriereberater darauf antworten

„Erzähl mir etwas über dich!“ (Foto: Shutterstock)

„Erzähl mir etwas über dich“ – das hören Bewerber im Vorstellungsgespräch häufig. Die Karriereberater von Yale raten den Absolventen zu einer durchdachten Antwort – entlang einer Methode.

Es gibt Fragen im Vorstellungsgespräch, auf die sich Jobsuchende nur schlecht vorbereiten können. Von anderen Fragen wiederum können Bewerber und Bewerberinnen eigentlich mit ziemlicher Sicherheit ausgehen. Eine davon lautet: „Kannst du mir etwas mehr über dich erzählen?“. Sie ist nicht nur eine der häufigsten Fragen, sondern oft auch die, die zuerst gestellt wird. Es lohnt sich also, sich im Vorfeld ein wenig Gedanken über die Antwort zu machen. Sie kann den Ausschlag geben, ob jemand den Job bekommen oder doch eine Absage erhält. Wer bei dieser Standardfrage schon ins Straucheln kommt, macht keinen reflektierten Eindruck. Doch wie antworten Jobsuchende am besten?

Fragen im Vorstellungsgespräche: „Kannst du mir etwas mehr über dich erzählen?“

Der erste Eindruck zählt mit. Wer im Vorstellungsgespräch kompetent auftritt, bekommt oft den Job. (Foto: Shutterstock)

Karriereberatern der US-amerikanischen Yale-Universität zufolge ist die beste Antwort auf „Erzähl mir etwas von dir“ eine Motivationsgeschichte. Bewerber und Bewerberinnen sollten sich im Vorfeld eine persönliche Anekdote überlegen, die nachvollziehbar darlegt, warum und wie das Interesse an deren Gebiet geweckt wurde. Es gebe zwar keine allgemeingültige Regel für die Länge der Antwort, jedoch sollen Jobsuchende sich bemühen, im Rahmen von zwei Minuten zu bleiben. Auf der „Office of Career Strategy“-Website haben die Experten von Yale ein Beispiel so einer Motivationsgeschichte veröffentlicht – und erklären welche Elemente sie zur perfekten Antwort machen:

„Ich habe letztes Jahr mein Studium in Yale mit Schwerpunkt ‚Data-Science‘ und ‚Environmental Engineering‘ mit einem besonderen Interesse an Mode und Nachhaltigkeit abgeschlossen. Das Feld ist ausgerichtet auf alles, was ich als Kind gerne gemacht habe: Freiwilligenarbeit bei Street-Care-Veranstaltungen, Mitarbeit in einem Gemeinschaftsgarten, Sparsamkeit beim Einkaufen und die Herstellung meiner eigenen Kleidung.

Ich habe mich dann umso stärker für Nachhaltigkeit interessiert, weil ich mit einem Unternehmen zusammenarbeiten wollte, dessen Mission es ist, eine neue Textilwirtschaft zu fördern – eine, die die Zukunft unseres Planeten schützt. Als ich erfuhr, dass die Modebranche bis 2050 ein Viertel des jährlichen CO2-Budgets der Welt verbrauchen wird, beschloss ich, eine Spendenaktion auf dem Campus zu organisieren, um zur Vermeidung von Textilabfällen beizutragen.

Wir sammelten mehr als 10.000 US-Dollar und spendeten einem örtlichen Obdachlosenheim einen ganzen Lastwagen mit unerwünschter Kleidung. Auf diese Leistung bin ich besonders stolz. Während meines letzten Jobs half ich bei der Entwicklung einer neuen Technologie, die Baumwollabfälle in neue Materialien umwandelt, die für viele industrielle Zwecke verwendet werden können.

Ich würde mich sehr über die Gelegenheit freuen, in diesem Unternehmen zu arbeiten, da ich mein Wissen und meine Erfahrung nutzen kann, um Menschen darüber aufzuklären, wie sich ihr Handeln ernsthaft auf unsere Umwelt auswirken kann – etwa durch ihre Einkaufsgewohnheiten und welche Marken sie unterstützen können.“

Die beispielhaft erzählte Motivationsgeschichte beinhalte alle Elemente, die die Karriereexperten von Yale für wichtig halten, und soll deshalb eine überzeugende Antwort sein.

  • Eröffnung: Kurz und bündig; nicht länger als ein Satz.
  • Eine motivierende Geschichte: Erzählt kurz eine Geschichte über eine Herausforderung oder eine neue Situation, vor der ihr standet, welche Entscheidungen ihr daraufhin getroffen habt und wie die Ergebnisse dieser Entscheidungen euer Interesse an eurem Gebiet beeinflussten.
  • Akademische Arbeit und unterstützende Erfahrungen: Relevante Studien-, Forschungs-, Leidenschaftsprojekte, Praktika oder frühere Anstellungen, die euch geholfen haben, das Wissen und die Fähigkeiten aufzubauen, die für den Job nützlich sind.
  • Abschluss: Das können ein paar kurze Worte sein, die erläutern, wie eure Geschichte und euer Hintergrund euch für den Job fit gemacht hat oder etwas über das Unternehmen, auf das ihr euch besonders freut, und warum.

Genauso wichtig wie die Strukturierung und Planung der Präsentation der Geschichte ist es laut den Experten von Yale, sie auch im Vorfeld zu üben, da das, woran man denke, häufig nicht das sei, was in dem Moment tatsächlich kommuniziert würde. Bewerber und Bewerberinnen sollten es jedoch vermeiden, jedes Wort aufzuschreiben und eins zu eins auswendig zu lernen. Dadurch klinge die Geschichte unnatürlich und wirke zu einstudiert. „Erste Eindrücke werden schnell gemacht; stelle sicher, dass der Eindruck positiv ist, und präsentiere dich als selbstbewusst“, heißt es von den Karriereberatern.

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Der Lebenslauf. (Grafik: Shutterstock-Mad Dog)

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11 Kommentare
Germaphobe
Germaphobe

Und das sagt dann genau was über mich und meine Fähigkeiten aus? Dass ich gut Geschichten erfinden und vortragen kann? Sehr sinnvoll als Programmierer…

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Andreas Weck

Hi Germanphobe, das sagt nichts über deine Fähigkeiten aus, sondern über deine Motivation. Beides ist im Bewerbungsprozess relevant. Wenn du viele Fähigkeiten hast, dir aber alles scheißegal ist, wirst du den Job genauso wenig landen wie wenn du motiviert bist, aber nichts kannst. Beides muss Hand in Hand gehen – und du bist besser beraten, auf beides im Vorstellungsgespräch einzugehen. Die Frage öffnet dir Tür und Tor über die Motivation zu sprechen. Warum also den Zug abfahren lassen ohne sich vorher reinzusetzen?

Gruß

Andreas

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Germaphobe
Germaphobe

Die besten Entwickler die ich kenne, würden am liebsten kein Wort mit jemandem sprechen und einfach nur ihre Arbeit machen. Einige der besten der Welt sind komplette Autisten.
Personaler müssen begreifen, dass der Kram bei Devs komplett unwichtig ist. Ladet ihn ein, quatscht über seine Arbeit und dann noch ein Probearbeiten oder Meet&Greet mit dem Team, um zu gucken, ob man miteinander klarkommt und gut. Für alles andere gibts die Probezeit.

sebastian
sebastian

Nichts…aber man vergesse nicht, dass die meisten Personaler weder Epathie noch Einfühlungsvermögen oder Fähigkeiten sonstiger Art besitzen, sonst würden sie intelligente Fragen stellen und so qualifizertes Personal einstellen. Aber sie klappern ihre gelernten Standartfragen ab und arbeiten nach dem System, welches ihnen beigebracht wurde. Kreativität ist da fehl am Platz. Personaler sind übrigens die, die im Unternehmen mit am Wenigsten verdienen. Also keine großen Erwartungen haben bei Vorstellungsgeprächen. Wirklich gute Personaler sind Gold wert.

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R. Rosler
R. Rosler

Die richtige Vorbereitung ist für BewerberInnen natürlich super wichtig. Aber auch die Firmen sollten endlich anfangen, die richtigen Fragen zu stellen. Denn auch sie stellen sich im Gespräch vor! Das wird in Zeiten eines Arbeitnehmermarktes immer wichtiger – und gehört sich auch menschlich, finde ich. Ein gutes Beispiel habe ich hier gefunden: https://www.youtube.com/channel/UCvYMvl5yLwJ9B3qj2b6y89w

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Don Fuego
Don Fuego

Also wenn mir einer mit DER Story kommt, schieb ich den auf den „nervt gewaltig mit seinem persönlichen Engagement und Mitteilungsbedürfnis“-Stapel zum Aussortieren. Das ist einer, der alles schon ganz genau und besser weiß und mit dem meine Abteikungs-/Projektletung immer erst endlos rumdiskutieren muss, bevor der was macht.
So eine Story können tatsächlich nur Personaler oder Personalcoaches gut finden – für die Kollegen oder direkten Vorgesetzten vor Ort ein Alptraum.

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Stefan
Stefan

Bravo,
besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken.

Der Kommentar trifft es genau auf den Punkt.

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Gastbeitrag
Gastbeitrag

Ich hoffe, dass die vorgeschlagene Antwort nur auf eine schlechte Google-Übersetzung zurückzuführen ist. Sätze wie „Das Feld ist ausgerichtet auf alles, was ich als Kind gerne gemacht habe“ oder „Auf diese Leistung bin ich besonders stolz.“ sind mir im echten Leben noch nie begegnet und wenn es jemals dazu käme, würde das mit Sicherheit nicht dazu beitragen, meine Meinung von dem Absender zu erhöhen (gelinde gesagt). Neben dem hölzernen Ausdruck wirkt der ganze Text so, als kommt er nur in Lehrvideos vor, die auf Berufsschulen gezeigt werden. Oder anders ausgedrückt: die Geschichte wirkt unnatürlich und zu einstudiert.

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Also
Also

Ich kann mich den vorigen Kommentaren nur anschließen – so eine konstruierte „corporate drone“-Story klingt nicht nur widerlich, sondern auch widernatürlich und hat vielleicht in der USA GmbH traurigerweise ihren Sinn, hier würde man damit außer bei Großkonzernen, in denen Arbeitnehmer nur eine Nummer sind, und filzigen Startups, bei allen denkenden Arbeitgebern nur sauer aufstoßen.

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Flasher
Flasher

Vorstellungsgespräch, deutscher Rüstungskonzern:
„Ich habe Maschienenbau studiert, mit Spezialisierung auf Materialkunde, darauf kommt es besonders bei modernen Panzern an. Mein Grossvater hat es vor allerm wegen schlechter Ausrüstung nur bis Stalingrad geschafft und weil Deutschland jetzt mehr Verantwortung in der Welt übernehmen will, möchte ich gerne meinen Teil dazu beitragen um beim nächsten Einsatz erfolgreicher zu sein. Mich interssiert auch die Sparte Kleinstwaffen in Ihrem Unternehmen, die jährlichen Exportzuwächse finde ich wichtig für die Durchsetzung der Menschenrechte in aller Welt….“

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Käptn Clever
Käptn Clever

Jetzt im Ernst: wer glaubt denn einem Bewerber so eine Geschichte? Personaler: „Warum wollen Sie hier arbeiten? “ Bewerber: „Meine gesamte Existenz wird seit zwei Generationen auf mein Wirken in Ihrem Unternehmen ausgerichtet, inkl. Analyse des Genpools meiner Erzeuger“ – jaja, ganz klar. Ziemlicher quatsch. Ich habe häufiger Bewerber/innen in meiner Firma hier sitzen. Da geht es mir eher darum herauszufinden, ob wir im persönlichen Umgang gut miteinander zurecht kommen oder nicht. Als Gesprächsthema eignet sich da natürlich der Lebenslauf des Bewerbers, denn über sich selbst wissen die Leute schon Bescheid, da kann man etwas ins Gespräch kommen.
Aber das „office of strategy guide“ ist halt auch nur in YALE, würde mal gerne wissen, ob die von jedem Hausmeister und Kantinenmitarbeiter auch ein Motivationsgeschichte höhren wollen. Spitzenkommentar übrigens von FLASHER

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