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Warum der Autor dieser bekannten Comicreihe jetzt auf sein Copyright verzichtet

Der US-amerikanische Autor und Zeichner Bill Willingham hat überraschend sein geistiges Eigentum für die Allgemeinheit öffentlich freigegeben. Vorbehaltlich von Urteilen von Rechtsexpert:innen könnte nun jeder Kunstwerke jeglicher Art schaffen, die im Fables-Universum spielen.

Von Hannah Klaiber
3 Min. Lesezeit
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Wegen eines Streites mit dem Verlag DC Comics verzichtet ein Autor nun auf sein Copyright. (Foto: nikkimeel/Shutterstock)

„Was einst Bill Willingham gehörte, gehört nun allen, für alle Zeiten“, schrieb er in einem Blogeintrag auf seiner persönlichen Substackseite. „Wie die meisten Expert:innen Ihnen sagen werden, kann es nicht mehr rückgängig gemacht werden. Eine Rücknahme ist weder vorgesehen noch möglich.“

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Vorausgegangen waren Streitigkeiten zwischen dem Autor und dem veröffentlichten Verlag DC Comics. Willingham und seine Comicserie Fables waren ab 2002 bekannt geworden. Es ist das Universum, in dem The Wolf Among Us von Telltale spielt. Fables sind Gestalten aus beispielsweise Märchen, die zu Beginn einer Handlung unerkannt beispielsweise in New York leben und sich vor dem Feind verstecken. Bis 2015 gab es 150 Ausgaben. Ab Mai 2022 erschienen Nachfolger.

Willingham berichtet von kleineren und größeren Konflikten

Bill Willingham gab nun an, sich vom Fables-Verleger DC Comics lange Zeit ungerecht behandelt gefühlt zu haben. Er berichtete von kleineren und größeren Konflikten, die in den 20 Jahren seiner Zusammenarbeit mit DC Comics aufgetreten seien. Eines davon sei das Versäumnis, ihn nach seiner Meinung zu Künstler:innen für neue Geschichten zu fragen. Zusätzlich sei es um verspätete Zusatzhonorare gegangen.

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Hauptgrund für die Eskalationsstufe jetzt sei laut Willingham aber der jahrelange Versuch von DC Comics, „mir die Eigentumsrechte an Fables mit Gewalt zu entreißen“. Kürzlich, während der Gespräche zur Beilegung der zahlreichen Differenzen, hätten die Verantwortlichen von DC zugegeben, dass sie den gemeinsamen Verlagsvertrag und den darauf folgenden Medienrechtsvertrag so auslegen würden, dass sie mit dem Eigentum machen können, was sie wollen, erklärte der Autor in seinem Beitrag.

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„Sie konnten die Geschichten oder Figuren nach Belieben verändern. Sie waren in keiner Weise verpflichtet, die Integrität und den Wert des geistigen Eigentums zu schützen, weder vor sich selbst noch vor Dritten, die die Charaktere, den Schauplatz, die Geschichte und die Prämissen der Geschichte radikal verändern wollten“, schrieb er.

Willingham: Versprechen nicht eingehalten

Der Verlag schulde ihm kein Geld für die Lizenzierung der Fables-Rechte an Dritte. Eine solche Regelung sei im ursprünglichen Vertrag nicht vorgesehen.

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Geht es nach den Schilderungen des Autors, hat der Verlag Versprechungen nicht eingehalten. Willingham zufolge erklärten sich die Verhandlungsführer:innen von DC bereit, ihm die für die Lizenzierung von Fables an Telltale geschuldeten Gelder zu zahlen, hielten aber später „ihr Wort nicht“, indem sie die ausstehende Summe als „Beratungshonorar“ anboten. „Sie vermieden den Präzedenzfall, zuzugeben, dass es sich um geschuldetes Geld handelte.“

Gleichzeitig soll der Verlag eine Geheimhaltungsvereinbarung geschlossen haben, die den Autor daran hindern würde, „etwas anderes als nette Dinge über Telltale oder die Lizenz“ zu äußern.

Willingham: „Kann es verkaufen, an wen ich will“

Eine Klage gegen DC kommt für Willingham aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht in Frage. Deshalb entschloss er sich zu diesem anderen Ansatz. Er schrieb: „Der einzige Punkt in unserem Vertrag, den die Anwält:innen von DC nicht anfechten oder zu ihrem eigenen Vorteil umdeuten können, ist, dass ich der alleinige Eigentümer des geistigen Eigentums bin. Ich kann es verkaufen oder verschenken an wen immer ich will.“

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Und weiter: „Ich habe mich entschieden, es an alle zu verschenken. Wenn ich schon nicht verhindern konnte, dass Fables in schlechte Hände gerät, so kann ich wenigstens auf diese Weise dafür sorgen, dass es auch in viele gute Hände gerät. Da ich fest daran glaube, dass es immer noch mehr gute als schlechte Menschen auf der Welt gibt, betrachte ich das als eine Art Sieg.”

Im Laufe der Jahre habe sich zudem seine Haltung zum Marken- und Urheberrecht in den USA  verändert. „Die derzeitigen Gesetze sind ein Mischmasch aus unethischen Hinterzimmer-Deals, um Marken und Urheberrechte in den Händen großer Unternehmen zu halten, die es sich weitgehend leisten können, die gewünschten Ergebnisse zu kaufen“, schreibt er.

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