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Free2Move-CEO: Wir sind mit unserer Carsharing-Plattform seit 2020 profitabel

Der Stellantis-Tocher Free2Move will bis zum Herbst das Carsharing-Unternehmen Sharenow von BMW und Daimler schlucken. Wer ist das eigentlich und wie sehen die Pläne des Unternehmens aus? Wir haben mit Free2Move-CEO Brigitte Courtehoux darüber gesprochen.

5 Min.
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Free2Move-CEO Brigitte Courtehoux. (Foto: Stellantis)

Mit der Ankündigung der Übernahme des defizitären BMW-Daimler-Joint-Ventures Sharenow ist Free2Move ins Rampenlicht gerückt. Durch den im Herbst 2022 erwarteten Abschluss des Deals hat das Unternehmen die Aussicht, zum größten Carsharer Europas aufzusteigen. Doch allzu klein ist Free2Move jetzt schon nicht.

Sharenow: Carsharing hat für BMW und Daimler nicht funktioniert

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Mit dem Joint-Venture, das 2019 aus der Zusammenlegung der beiden Carsharing-Unternehmen Drivenow (BMW) und Car2Go (Daimler) entstanden war, wollten BMW und Daimler Geld sparen und schließlich einen profitablen Carsharing-Anbieter auf die Beine stellen, um als integrierter Mobilitätsanbieter zu fungieren. Jedoch haben beide Konzerne bei der Umsetzung zu kurzen Atem gezeigt.

BMW und Daimler haben mit dem Carsharing-Unternehmen wohl keinen Cent verdient, sodass der Verkauf von Sharenow aus wirtschaftlicher Sicht eine vernünftige Entscheidung war. Allein Daimler verbuchte damit einen Verlust von 329 Millionen Euro bei einem Umsatz von 260 Millionen Euro.

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Stellantis übernimmt Sharenow. (Bild: Stellantis)

Dennoch sind Carsharing und das mögliche Ende des eigenen Autos erst am Anfang. Denn Städte befinden sich im Umbruch; es steht eine Umverteilung des urbanen Raumes auf dem Plan und langfristig bedeutet das auch weniger Autoverkehr. Von der laufenden Verkehrswende und letztlich den gesammelten Erfahrungen von Sharenow dürfte Free2Move profitieren. Allerdings verfolgt der Anbieter ein anderes Geschäftsmodell, das offenbar besser funktioniert, als das von BMW und Daimler. Laut Free2Move-Chefin Brigitte Courtehoux ist das Sharing-Unternehmen seit dem zweiten Quartal 2020 profitabel.

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Free2Move funktioniert anders als Sharenow

Auch wenn Free2Move mit Sharenow langfristig mit 11.000 Autos eine große eigene Flotte an Fahrzeugen übernehmen und in 16 europäischen Städten mit ihnen als Carsharer aktiv sein wird, funktioniert die Stellantis-Tochter anders als das BMW-Daimler-Joint-Venture.

Laut Courtehoux will Free2Move für seine Kund:innen „die richtige Verkehrslösung zur richtigen Zeit“ bieten. Das bedeutet, dass nicht nur frei in der Stadt verteilte Fahrzeuge pro Minute gebucht werden können; über die Plattform lassen sich etwa auch Autos für einige Tage oder längeren Strecken mieten. Sofern ein Fahrzeug gar für einen längeren Zeitraum benötigt werde, etwa für Menschen, die für ihren Job die Stadt wechseln müssen, stehen gar Leasingoptionen für mehrere Monate zu Wahl.

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Free2Move wird über kurz oder lang der größte europäische Carshing-Anbieter. (Foto: Shutterstock)

Die angebotenen Fahrzeuge sind im Unterschied zum Sharenow-Modell überwiegend nicht im Besitz der Stellantis-Tochter. Stattdessen werden sie von zahlreichen Partnern wie anderen Verleihern und Stellantis-Autohäusern über die Plattform angeboten. Courtehoux spricht von einer 450.000 Fahrzeuge großen Flotte, die innerhalb Europa bereitstehe.

Mehr als Autos: Free2Move bietet Parkplätze und Ladestationen

Zusätzlich umfasse das Angebot der Free2Move-Plattform 500.000 Parkplätze innerhalb Europas, zudem biete das Unternehmen Zugang zu Ladesäulen über die App. Courtehoux zufolge seien es innerhalb Europas um die 250.000. Durch dieses Rundumangebot wolle das Unternehmen seinen Kund:innen Mobilität erleichtern. Hier geht Free2Move letztlich mit BMW und Daimler in Konkurrenz, die weiterhin ihren gemeinsamen E-Auto-Ladedienst Chargenow und die Mobilitäts-App Freenow betreiben wollen.

Was die eigene Carsharing-Flotte angeht, hatte Free2Move im letzten Jahr zunächst in den USA in zahlreichen Städten wie Austin, Detroit, Washington D.C, Portland und Columbus expandiert. Für die Expansion in Europa hätte man entweder selbst eine eigene Flotte ausbauen oder ein Unternehmen akquirieren müssen. Der Deal mit Sharenow sei letztlich eine echte Gelegenheit gewesen, die sich mit der Strategie des Unternehmens für Großstädte decke, so Courtehoux.

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Die Rezeptur macht Free2Move profitabel

Hinsichtlich der Profitabilität will Courtehoux sich nicht vollends in die Karten schauen lassen, allerdings sei die Mischung aus den drei Modellen Freefloating, stationärer Miete und längerfristigem Abo respektive Leasing einer der Schlüssel. Ein weitere Teil des Erfolgs sei die Technik hinter Free2Move, die das Unternehmen an Dritte lizenziere. Zuletzt nennt die Free2Move-Chefin die operative Effizienz. Diese drei Zutaten wende man rigoros an, um profitabel agieren zu können.

Mit dem Fokus auf Profitabilität erteilt Courtehoux Freefloating-Fahrzeugen am Stadtrand eine Absage. Zwar werde man in Großstädten in der Stadt frei verteilte Fahrzeuge anbieten. In anderen fokussiere Free2Move sich eher auf ein stationäres Mietgeschäft.

„Wir setzen Free Floating in den großen Städten ein, wo es rentabler ist. In kleineren Städten entwickeln wir Mietlösungen mit Stationen und Partnern.“

Integration von Mitbewerbern wie Weshare denkbar – unter bestimmten Bedingungen

Da Free2Move sich letztlich als eine Plattform für verschiedene Dienste versteht, wäre die Integration anderer Mitbewerber wie Weshare oder Miles Mobility denkbar. Solche Partnerschaften seien jedoch nur in Städten sinnvoll, in denen Free2Move nicht selbst als Carsharer agiert, sagt Courtehoux. Vollkommen ungewöhnlich wäre es nicht, schließlich bietet auch die BMW-Daimler-Tochter Freenow die Möglichkeit, Autos des Carsharers Miles zu buchen.

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Für Courtehoux sei dabei aber wichtig, dass die Nutzererfahrung nicht darunter leide. So müssten Zahlungen direkt über die eigene App abgewickelt werden können. Durch die Integration von Drittanbieter wie etwa Scooter- und Fahrrad-Verleihern in der Vergangenheit, habe man wertvolle Erfahrungen sammeln können, um es in der Zukunft besser zu machen. Heißt im Klartext: Sperrt sich der Partner gegen die Free2Move-App, ist er raus.

Langfristig sei zudem möglich, Fahrräder- und Scooter-Verleiher als zusätzliche Optionen für intermodale Verkehrslösungen in die App zurückzubringen. Derzeit fokussiere man sich zunächst auf die Expansion des Carsharing-Geschäfts in Europa.

Free2Move in Madrid und Paris zu 100 Prozent elektrisch

Hinsichtlich der Autoflotte wird Free2Move sich auf Elektromobilität konzentrieren.

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„Ein großer Teil unserer Autos sind Elektroautos, und dieser Anteil wird mit dem Wandel des Marktes immer mehr zunehmen.“

In den Großstädten Madrid und Paris ist Free2Move bereits zu 100 Prozent elektrisch unterwegs. Bei den Franchisenehmern liege der Anteil an E-Autos noch bei 20 Prozent.

„Wir sind also in Bezug auf Elektroautos heute nicht so schlecht aufgestellt und wir werden diese Zahl weiter erhöhen“, sagt Courtehoux. Mit der Übernahme der Sharenow-Flotte wird sich der Anteil der Verbrenner zunächst erhöhen. Schritt für Schritt will Free2Move seine Flotte auf E-Mobilität umsatteln.

Auch Kleinstfahrzeuge wie der Citroen Ami sind Teil der Free2Move-Flotte. (Foto: t3n)

Die Zusammensetzung der Flotte, wohl auch in Berlin und anderen deutschen Städten, dürfte langfristig breiter gefächert sein. Neben den üblichen Fahrzeugen der Kompakt- und Mittelklasse könnte etwa der Ministromer Opel E-Rocks oder der Zwilling Citroen Ami dabei sein, der für den innerstädtischen Verkehr und jüngere Fahrer:innen attraktiv sein dürfte. In Madrid und Paris ist der Ami bereits im Einsatz.

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Wie Free2Move Sharenow konkret integrieren wird, will Courtehoux noch nicht verraten. Sie hofft indes, dass der Deal bis September, lieber aber früher, abgeschlossen sein wird. Sobald der Deal durch sei, gewinne Free2Move zu seinen bislang zwei Millionen Kund:innen weitere 3,4 Millionen hinzu. Die Free2Move-Chefin erwartet einen weiteren starken Zuwachs: bis 2030 rechne man weltweit mit 15 Millionen Kund:innen und einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro – bis 2025 wolle man 700 Millionen Euro erzielen.

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