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Gigasets neue Strategie – günstige Handys und Smarthome-Service

Klaus Weßing, Vorstandsvorsitzender vom Telekommunikationsunternehmen Gigaset. (Foto: dpa)

„Made in Germany“ gilt weltweit als Synonym für gute Qualität – und dementsprechend sind deutsche Produkte meist auch recht teuer. Der Telefonhersteller Gigaset lässt sich nun auf ein Experiment ein, das davon abweicht.

Nach langjähriger Krise will der Telefonhersteller Gigaset als Dienstleister für das smarte Zuhause und Produzent günstiger Smartphones „Made in Germany“ erfolgreich werden. Das 2008 aus der ehemaligen Siemens-Festnetzsparte hervorgegangene Unternehmen will seine starke Marktstellung bei Festnetztelefonen in Europa als Grundlage der Expansion in den neuen Geschäftsfeldern nutzen.

Dazu gehört der Einstieg in den global heiß umkämpften Handymarkt, bei dem alle paar Jahre die Weltmarktführer wechseln. Ein Pluspunkt bei den Verbrauchern soll das Thema Qualität „Made in Germany“ sein: Gigaset bietet seit Ende 2016 Mobiltelefone an, seit vergangenem Jahr Modelle, die im Bocholter Stammwerk hergestellt werden. Doch Herstellung in Deutschland soll bei Gigaset nicht gleichbedeutend mit teuer sein: „Bei Smartphones werden wir nie ein Apple oder ein Samsung – dahinter steht eine ganz andere Strategie“, sagte Vorstandschef Klaus Weßing der Deutschen Presse-Agentur in München.

Gigaset will nach Angaben des Managers mit Smartphones im unteren und mittleren Preissegment von 200 bis 400 Euro punkten. „Da sind nach Marktanalysen ungefähr 1.200 Anbieter unterwegs – aber die haben in Europa alle keine bekannte und wirklich starke Marke. Die haben wir“, sagte Weßing.

Das Erfolgsrezept soll Schnelligkeit sein: „Der Lebenszyklus eines Smartphones ist nur etwa neun Monate. Wenn man zu lange Produktzyklen hat, erodieren am Ende die Abverkäufe“, sagte der Gigaset-Chef. „Es heißt also schnell sein am Markt. Schnell rein, schnell durchverkaufen, schnell etwas Neues bringen.“

Erfolgreicher Start

Nach Weßings Worten verlief der Start erfreulich: „Bei Smartphones hatten wir im ersten Jahr einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich, und im zweiten Jahr eine Umsatzsteigerung um 25 Prozent“, sagte der Manager. „Wir wollen aber nicht primärer Smartphone-Lieferant werden, freuen uns aber natürlich über unseren Marktanteil von über einem Prozent in Deutschland.“

Siemens hatte seine Festnetzsparte 2008 verkauft, Gigaset erbte damit eine starke Stellung bei der langfristig als Auslaufmodell geltenden Festnetztelefonie. „Wir sind in Europa Marktführer für DECT-Schnurlostelefone und unsere Marke ist in ungefähr 200 Millionen Haushalten“, sagte Weßing. „DECT-Schnurlostelefone gehen im Markttrend runter, das will ich nicht abstreiten. Deswegen setzt Gigaset auch auf neue Felder.“

Die in Deutschland hergestellten Smartphones sind nur ein Teil des Plans. „Deswegen die Themen Smarthome, Smart Care, Professional – also Telefonie für Unternehmen. Diese neuen Felder wachsen“, sagte Weßing. „Das muss auch sein, sonst hätten wir ein Problem. Das vierte Quartal 2018 war eines der stärksten, das wir je hatten.“

Fokus auf Smarthome

Gigaset will kein reiner Industriehersteller mehr sein. „Wir wollen den Bereich Smarthome sehr stark ausbauen“, sagte der Gigaset-Chef. „Wir werden auf Dauer komplette Produktlösungen – also Hard- und Software – anbieten und in Zukunft einen großen Teil unseres Umsatzes mit Dienstleistungen erwirtschaften.“

Die Kunden könnten künftig bei Gigaset „Pakete“ kaufen: „Wenn Sie gerne die Daten der Überwachungskamera speichern möchten, können Sie das haben, wenn Sie einen zusätzlichen Sicherheitsdienst engagieren wollen, können Sie das zukünftig bei uns anfragen.“

Das Unternehmen hat harte Jahre hinter sich: „Von den vergangenen 15 Jahren ging zwölf Jahre lang jedes Jahr der Umsatz runter“, sagte Weßing. „Deswegen mussten wir handeln, als ich Ende 2015 Vorstand wurde. Wir mussten Mitarbeiter entlassen und uns grundsätzlich anders aufstellen.“

Aber Gigaset habe die Wende hinbekommen. „Wir haben Quartal für Quartal geliefert. Wir haben jetzt auch erstmals wieder neue Talente eingestellt. Jetzt sind wir auf dem Weg, uns zu stabilisieren und zu wachsen, das ist eigentlich schon ein Riesenerfolg.“ dpa

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