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VW: Halbleiter-Mangel bleibt „Top-Thema“ – Lieferkrise längst nicht beendet

Elektronik-Chips stecken in jedem Fahrzeug, aus modernen Modellen mit Assistenzsystemen sind sie erst recht nicht mehr wegzudenken. Der Chef der VW-Kernsparte hält die Lieferkrise noch längst nicht für beendet. Auch andere Corona-Effekte dürften die Arbeitswelt prägen.

3 Min. Lesezeit
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VW-Markenchef Ralf Brandstätter. (Foto: VW)

Die Engpässe in der Versorgung wichtiger Elektronik-Teile könnten die Autoindustrie nach Einschätzung von VW-Markenchef Ralf Brandstätter länger beschäftigen. „Ich denke, dass die Situation durchaus noch angespannt bleiben wird“, sagte er der Deutschen-Presse-Agentur. Während der Hochphase der Coronakrise in der Autobranche im vorigen Jahr hatten Hersteller von Halbleitern ihre Lieferungen auf andere Industrien verlagert. Zuletzt gab es nun auch noch Probleme bei Chip-Produzenten selbst.

Aufgrund der Knappheit hatten mehrere Autobauer bereits Schichten absagen und die Fertigung drosseln müssen. Unter der alten Volllast wie vor der Pandemie lief der Betrieb vielerorts aber auch so noch nicht – Hygiene- und Abstandsregeln müssen weiter eingehalten werden. Corona dürfte die Arbeitswelt auch danach prägen, so Brandstätter.

Halbleiter-Mangel bleibt bis in die 2. Jahreshälfte präsent

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Zur Lage bei den Halbleitern sagte er: „Der Schneesturm in Texas oder Brand bei Renesas in Japan – das sind große Kapazitäten, die für eine bestimmte Zeit nicht produziert haben. Diese Auswirkungen sind in den nächsten Monaten sicherlich noch zu spüren.“ Die Beschaffungs-Taskforce des VW-Konzerns befasse sich „rund um die Uhr mit nichts anderem“, es sei „Top-Thema auch auf Vorstandsebene“. Ab Sommer lasse sich eine Entspannung absehen: „Wir gehen davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas ruhiger wird.“ In der Fertigung der neuen ID-Reihe fehlten aktuell keine Komponenten.

Wo Schichtausfälle nicht zu vermeiden seien, gehe es in der Regel um spezielle Halbleiter-Teile – „wie zuletzt in Emden, dann können sie den Passat schlicht und ergreifend nicht bauen“. Bei austauschbaren Teilen setze VW Prioritäten bei ertragsstarken Modellen. „Das wird im Konzern auch abgewogen, wie die Zuteilung erfolgt – sehr transparent, sodass jede Marke weiß, woran sie ist. Wir fahren auf Sicht, man darf auch nicht zu schnell die Nerven verlieren.“

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Eine Maßnahme gegen die Versorgungskrise sei es, den Austausch mit Lieferanten zu erhöhen. „Sich in der Lieferkette ein Stück weit zu bevorraten, sicherlich auch.“ Forderungen nach mehr deutscher Halbleiter-Produktion könne er verstehen. Brandstätter schränkte aber ein: „Ich denke, es ist eher eine Frage der Kapazität und nicht des Produktionsortes. Wir haben uns alle umgestellt auf digitales Arbeiten, Laptops beschafft, viele Schulen haben nachgerüstet mit Rechnern und Tablets. Da ist natürlich ein Riesenbedarf entstanden.“

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Digitale Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

VW hatte jüngst seine Einsparziele auch beim Personal konkretisiert. So werden zum Beispiel Angebote für Vorruhestand oder Altersteilzeit ausgeweitet. Insgesamt sollen die Fixkosten bei der Kernmarke bis 2023 um fünf Prozent sinken – im Rahmen bereits bestehender Programme.

„Wir müssen drei Aufgaben parallel bewältigen und gestalten: die Coronakrise, den größten Umbruch in der Automobilindustrie zu Elektroantrieben und Digitalisierung, und wir haben gemeinsam unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, sagte Brandstätter. Teil des nötigen Umbaus sei, „dass wir in der Verwaltung 4.000 Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Effizienzgewinne abbauen, um gleichzeitig 2.000 neue digitale Arbeitsplätze zu schaffen“. Von außen solle bis auf weiteres möglichst wenig neues Personal geholt werden. Auch im Technologiebereich sieht der Manager weiteres Sparpotenzial.

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Der VW-Markenchef schätzt, dass die erheblichen Umstellungen vieler Betriebsabläufe bis in die Zeit nach Corona hinein Folgen haben. „Wir werden nach der Pandemie auch noch eine Reihe von Vorteilen bei den Kosten haben.“ Der aktuelle Aufwand an Hygienemaßnahmen in den Werken und Büros sei zwar hoch. Gleichzeitig würden so aber „Produktivitätsreserven“ sichtbar, wenn man – wie derzeit – wegen der Abstandsregeln oft noch nicht „die perfekte Taktung fahre“.

Mittelfristig werde sich die Arbeitswelt durch die neuen Prozesse und zunehmende Digitalisierung so ändern, dass dienstlich weniger gereist werden müsse. „Wir haben in der Vergangenheit allein 100 Millionen Euro pro Jahr für Reisekosten ausgegeben“, sagte Brandstätter. „Wir liegen jetzt bei mehr als 25 Millionen.“ Auch in anderer Hinsicht dürften einige Corona-Effekte Bestand haben, glaubt er: „Mobiles Arbeiten wird nicht mehr wegzudenken sein, damit brauchen sie zukünftig viel weniger, aber auch modernere Büroflächen.“

Corona-Impfungen sollen so rasch wie möglich anlaufen, es sei bei VW dazu alles vorbereitet, sagte Brandstätter. Die Präparate müssten aber auch hier erst in ausreichender Menge ankommen: „Wenn der Impfstoff da ist, starten wir unsere Impfoffensive.“ dpa

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