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Stanford-Studie verrät, worauf Unternehmen beim Home-Office besonders achten müssen

Home-Office hat überwiegend Vorteile, birgt aber auch Risiken. (Foto: Shutterstock- Daxiao Productions)

Seit Jahren wird hitzig darüber diskutiert: Home-Office oder Büro – was ist besser? Eine US-Studie hat vor allem Vorteile der Heimarbeit identifiziert, die sich unter Umständen jedoch in Luft auflösen.

Es gibt Menschen, die schätzen die Stille mehr als alles andere: Sie bleiben lieber für sich, arbeiten alleine viel konzentrierter als im Team und schaffen so in vier, was andere in acht Stunden schaffen. Für sie liegt in der Ruhe die Kraft. Und dann gibt es diejenigen, die immer etwas Hektik und ein Grundrauschen in der Nähe brauchen, um sich zu motivieren und produktiv zu sein. Es ist vor allem die Energie um sie herum, die ihre Leistungsfähigkeit beflügelt. Je nachdem, welcher Typ man ist, ist entweder das Zuhause oder das Büro der bevorzugte Arbeitsplatz. Doch zwischen diesen zwei Extremen befindet sich noch genug Platz für Grautöne.

Home-Office oder Büro – wo sind Mitarbeiter besser aufgehoben? Etliche Wissenschaftler haben sich mit dieser Frage bereits beschäftigt. So auch ein Forscherteam des Stanford-Professors Nicholas Bloom, das genau 500 Angestellte der Reiseagentur Ctrip in den jeweiligen Arbeitsumgebungen beobachtet und deren Befinden untersucht hat. 250 Personen haben alleine und konzentriert gearbeitet und die anderen 250 mit Kollegen unter ständiger Ablenkung. Das Besondere an der Untersuchung: Die Studienteilnehmer hatten alle den gleichen beruflichen Hintergrund. Das Experiment ist bis heute einmalig.

Trotz Vorteile im Home-Office: Hälfte der Mitarbeiter wollte zurück ins Büro

Home-Office-Regeln: Darauf sollten Unternehmen bei der Heimarbeit achten. (Foto: Shutterstock-Rawpixel.com)

Dabei war das Ergebnis nach neun Monaten zunächst nicht überraschend. Die Vorteile auf der Home-Office-Seite überwogen: Ctrip konnte 2.000 US-Dollar an Bürokosten pro Jahr sparen. Die Mitarbeiter waren daheim um 13,5 Prozent effizienter als im Büro. Sie haben weniger Pausen gemacht und waren trotzdem weniger krank. Die Ausfallquote lag 50 Prozent unter der Rate der Kollegen im Unternehmen. Und zu guter Letzt waren sie selbst im Durchschnitt sogar zufriedener mit sich und ihrer Leistung. Zusammengefasst heißt das also, dass von Home-Office-Regelungen sowohl der Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer deutlich profitieren können.

Die Betonung liegt hier ganz deutlich auf „können“, denn es gab auch Probleme – und die seien bei dem Thema nicht unerheblich, so Bloom. In der Studie merkt der Wissenschaftler an, dass zwar alle Resultate für die Heimarbeit sprechen, sich die Hälfte der Remote-Worker nach dem Experiment jedoch trotzdem wieder für das Büro entschieden hat. Und das ging auf zwei Gründe zurück: Zum einen fühlten sich die Mitarbeiter nach einiger Zeit isoliert, und zum anderen erhielten sie deutlich weniger Anerkennung für ihre geleistete Arbeit. Das führte dazu, dass vor allem Mitarbeiter, die daraus ihre Kraft schöpfen, erheblich resignierten.

„Ein Nachteil der Heimarbeit ist, dass die Mitarbeiter und was sie leisten, viel zu oft nicht gesehen werden“, erklärt der Stanford-Forscher in einem TED-Talk, in dem er über die Studie spricht. Er führt das darauf zurück, dass sie durch die räumliche Abwesenheit wie von selbst aus dem Blickfeld der Vorgesetzten geraten. Mit desaströser Auswirkung: Dass fehlende Wertschätzung beispielsweise zu den Hauptgründen zählt, warum Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschriften machen, hat kürzlich erst eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit untermauert: Viele Deutsche hätten aufgrund dessen „innerlich bereits gekündigt“, heißt es darin.

„Ein Nachteil der Heimarbeit ist, dass die Mitarbeiter und was sie leisten, viel zu oft nicht gesehen werden.“

Nicholas Bloom gab Ctrip deshalb einige Ratschläge mit, aus denen auch andere Unternehmen ihre Schlüsse ziehen können: Der Wissenschaftler rät beispielsweise dazu, dass die Mitarbeiter trotz einer Home-Office-Regelung auch regelmäßig im Unternehmen erscheinen sollten. Beide Nachteile, sowohl die eintretende Einsamkeit als auch die fehlende Anerkennung, könne man so eingrenzen. Der Stanford-Forscher glaubt, dass ein oder zwei Tage Heimarbeit pro Woche die beste Lösung sei. „Sie sollten nicht viel höher gehen, weil Sie sonst riskieren, den Zusammenhalt Ihres Teams zu gefährden“, ergänzt Bloom.

Außerdem sei es klug, die Home-Office-Regelung zunächst nur als Belohnung einzusetzen. „Sie könnte auf individueller, probeweiser Basis gegeben werden, Teil einer Beförderung sein oder anstelle einer Gehaltserhöhung oder eines Bonus gewährt werden“, erklärt der Wissenschaftler. Es sei ratsam, nicht direkt von Null auf Hundert zu gehen, sondern sich vorsichtig dem Maximum anzunähern, sodass die Vorteile der Heimarbeit, die zweifelsohne vorhanden sind, nicht bereits nach einiger Zeit wieder verpuffen. Für Nicholas Bloom ist klar, dass Arbeitgeber mit der richtig eingesetzten Heimarbeit nur punkten können.

„Die Notwendigkeit, fünf Tage in der Woche an einen Arbeitsplatz zu gehen, fußt auf Zeiten, in denen die Menschen noch in eine Fabrik gingen, um Produkte am Fließband herzustellen“, erklärt der Forscher. „Aber Unternehmen, die ihr Mitarbeiter heute immer noch behandeln, als würden wir in diesen Zeiten leben, geraten zunehmend ins Hintertreffen“, glaubt er. Arbeitgeber, die Kosten sparen und ihre Mitarbeiter motivieren wollen, sollten sich dem flexiblen Arbeitsplatzmodell öffnen, so Bloom. „Probiert es aus“, appelliert er – und kommt dabei nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass selbst die Studie teilweise in Heimarbeit entstanden ist.

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