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Analyse

Humane AI Pin: Warum mich die erste Demo nicht überzeugt hat

Der Humane AI Pin wurde auf dem MWC in Barcelona vor Fachbesucher:innen demonstriert. Das KI-Gadget wird von einigen als Smartphone-Ersatz interpretiert, die ersten eigenen Eindrücke bestätigen aber unsere Skepsis.

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Humanes AI Pin feierte auf dem MWC 2024 seine Europapremiere. (Foto: t3n)

Als eine Art „Smartphone ohne Display“ wurde der AI Pin des US-amerikanischen Startups Humane im November 2023 vorgestellt. Das Konzept des KI-Gadgets unterscheidet sich maßgeblich von einem Smartphone: Denn statt eines Touchdisplays besitzt das 45 x 48 Millimeter große Gadget einen Laserprojektor, der die Benutzeroberfläche auf die Hand beamen kann. Die Interaktion erfolgt je nach Kontext über Gesten, Sprache oder ein Tippen auf das Gadget, das magnetisch in Brusthöhe an der Kleidung befestigt wird.

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Humane AI Pin: Demonstration auf dem MWC 2024

Bei der Demonstration der Funktionsweise führte eine Mitarbeiterin von Humane verschiedene Funktionen vor. Dabei zeigte sich, dass die auf die Hand projizierte Benutzeroberfläche des Laserprojektors zwar einfache Inhalte gut lesbar darstellen kann; wenn es sich um längere Texte oder komplexere Dinge wie ein Foto handelt, das mit der nach vorne gerichteten Kamera des AI Pins aufgenommen wurde, war die Projektion dagegen unscharf.

So unscharf projiziert der Laserprojektor des Humane AI Pin ein Foto in die Handfläche. (Foto: t3n)

Das bedeutet, dass zum Lesen von Texten, Betrachten von Fotos oder gar Filmen ein zusätzliches Gerät benötigt wird. Apps gibt es schließlich auch nicht, sodass für viele Szenarien – nicht nur zum Scrollen durch X oder Instagram, sondern für fast alle Aufgaben – beispielsweise ein Smartphone weiterhin unverzichtbar ist.

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Der Humane AI Pin war auf Qualcomms Messestand ein regelrechter Publikumsmagnet. (Foto: t3n)

Mit der integrierten 13-Megapixel-Kamera des AI Pins lassen sich zwar Fotos schießen, allerdings eher Schnappschüsse und aufgrund der geringen Auflösung und des fehlenden Displays/Suchers keine kunstvoll inszenierten Bilder. Auch die Generation Selfie schaut in die Röhre. In erster Linie soll die Kamera offenbar zur Analyse von Objekten, der Umgebung und von Lebensmitteln eingesetzt werden. Die in der Cloud liegende KI des AI Pins soll zum Beispiel auf Unverträglichkeiten hinweisen können.

Während der Demonstration zeigte die Humane-Mitarbeiterin, dass der Pin die Umgebung erkennen kann. Durch doppeltes Tippen auf das Gadget wird die Kamera aktiviert, was durch ein LED-Licht angezeigt wird, sodass auch Personen in der näheren Umgebung die aktive Kamera erkennen können.

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Auf die Frage, was das Gadget denn vor sich sehe, machte es zur Analyse einen temporären Schnappschuss der Umgebung und gab eine recht präzise Antwort: Menschen in Freizeit- und Businesskleidung, die Smartphones in die Höhe halten, sowie einen großen Bildschirm, auf dem Text angezeigt wird. Ein wirklicher Sinn für die meisten Nutzer:innen erschließt sich uns zwar nicht, für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen dürfte das aber durchaus hilfreich sein.

Interessanterweise sagte die Humane-Mitarbeiterin, dass die Software noch im Beta-Stadium sei, obwohl der Pin demnächst zunächst in den USA auf den Markt kommen soll.

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Das Problem mit der Sprachinteraktion

Der integrierte Lautsprecher soll durch seine Ausrichtung vor allem von Träger:innen gehört werden. Er kann aber auch so laut eingestellt werden, dass die gesamte Umgebung beschallt wird. Selbst auf dem hektischen und lauten Messestand war der Speaker noch aus einem bis eineinhalb Metern Entfernung deutlich zu hören.

Im Alltag wäre es wohl eher angebracht, den AI Pin mit Kopfhörern zu verwenden – nicht nur um die Umgebung zu schonen, sondern auch um die eigene Privatsphäre zu schützen. Generell stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, in der Öffentlichkeit mit seinem Gadget zu sprechen. Aber das ist ein Thema, das so alt ist wie Sprachassistenten in Smartphones.

Kurze Laufzeit, umständlicher Wechsel des Akkus

Was mich bei der recht kurzen Vorführung des AI Pin noch irritiert hat, war nicht nur der Aspekt, dass ich für viele Dinge besser ein Smartphone benutzen würde, sondern auch die kurze Laufzeit von bis zu vier Stunden. Der Akku kann zwar ohne Neustart des Gerätes gewechselt werden, allerdings muss das Gerät für den Wechsel abgenommen werden.

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Der Akku des AI Pin wird in der Regel an die Innenseite des Kleidungsstücks geheftet. (Foto: t3n)

Bei normaler Trageweise, bei der die Batterie unter einem Kleidungsstück wie einem Hemd oder Pullover befestigt ist, erscheint dies etwas umständlich. Empfehlenswert wäre es, den Akku in einer geschützten Umgebung zu wechseln. Die Humane-Mitarbeiterin am Messestand wollte daher verständlicherweise den Batteriewechsel nicht vorführen. Alternativ gibt es zwar zusätzliche Klammern, um den AI Pin zum Beispiel an leichteren Kleidungsstücken zu befestigen, allerdings dürfte der AI Pin dann weniger stabil nach vorne gerichtet sein, um die Kamera die Welt sehen zu lassen.

Markteinführung voraussichtlich im April

Der AI Pin soll mit etwas Verzögerung in den USA zu einem Preis von knapp 700 US-Dollar plus 25 Dollar pro Monat auf den Markt kommen. Ursprünglich war von einer Markteinführung im März die Rede, nun soll er im April ausgeliefert werden.

Ob das Gadget jemals nach Europa kommt, ist offiziell noch nicht geklärt. Die Präsentation auf dem Mobile World Congress dürfte aber ein erster Hinweis auf die Expansionspläne des Startups sein. Zunächst soll der AI Pin jedoch in Japan auf den Markt kommen.

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So richtig überzeugt scheinen die Macher:innen von ihrem Produkt nicht zu sein. Denn bisher hat noch niemand außerhalb des Unternehmens das Gadget ausprobieren können. Als Smartphone-Ersatz sehe ich das Gerät absolut nicht, höchstens als teure Ergänzung, um das Smartphone auch mal in der Tasche lassen zu können. Aber wer macht das schon?

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