Kolumne

Internet-Exzeptionalismus: Der schleichende Tod des Internets als etwas Besonderes

Protest für Internet-Freiheit. Ist das Internet etwas Besonderes? (Foto: Shutterstock)

Lassen sich die Regeln der physischen Welt auf das Internet übertragen? Der 90er-Jahre-Internet-Enthusiasmus ist mausetot – und mit ihm auch die These vom Internet als etwas Besonderem, zumindest in seiner extremen Form. Die Neuland-Kolumne.

Die kalifornische Ideologie der Internet-Ureinwohner

Das natürliche Habitat der Internet-Ureinwohner ist die akademische Elite Kaliforniens. Das Netz ist daher nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern enthält eine Menge „kalifornische Ideologie“. Die britischen Sozialwissenschaftler Richard Barbrook und Andy Cameron bezeichneten damit in den 1990er Jahren kritisch die Mischung aus dem Freiheitsglauben der Hippies mit dem Glauben an technischen Fortschritt und freie Märkte. Das Internet war in dieser Vorstellung in die damals allgemein vorherrschende westliche Geschichtsschreibung perfekt eingebunden: Es war ein Instrument, den „Endzustand“ der Menschheit – Demokratie, Menschenrechte und Kapitalismus – möglichst schnell weltweit zu verteilen.

Doch dieses „Ende der Geschichte“, wie es der US-Politikwissenschaftler Francis Fukuyama damals bezeichnete, blieb aus. Der Dreiklang aus Demokratie, Menschenrechten und Kapitalismus hat nicht gesiegt – die bald größte Volkswirtschaft der Erde, China, kommt bis auf Weiteres gut ohne Demokratie und Menschenrechte aus. Und selbst in den scheinbar gefestigten Demokratien des Westens ist mehr als 30 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web und mehr als 50 Jahre nach den Anfängen des Internets einiges in Wanken gekommen – nicht wenige behaupten, auch aufgrund des Internets.

Und doch bliebt die kalifornische Ideologie in diversen Formen lebendig – unter anderem in den Giganten des Internets wie Google und Facebook. Die universelle Vernetzung der Menschen über das Internet hat sich allerdings ganz anders ausgewirkt, als es sich die frühen Apologeten freier Netze erhofft hatten.

Haben sich also die Werte der „Ureinwohner“ des Netzes durch die globale Macht der GAFA-Konzerne (Google, Amazon, Facebook und Apple) durchgesetzt – oder hat vielmehr der Rest der Menschheit das Netz domestiziert und den eigenen Mainstream-Regeln unterworfen? Die Antwort ist vermutlich: Beides hat sich gegenseitig beeinflusst – und dabei auch gewandelt. Vieles von dem, was frühe Apologeten des gesellschaftlichen Wandels durch das Internet schon 1999 im Cluetrain-Manifest geschrieben haben, war weitsichtig – anderes bestenfalls naiv.

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Ein Kommentar
Maria Schichel
Maria Schichel

netter Artikel, allerdings stellenweise sehr lange, verschachtelte Sätze und vereinzelte Fehler, welche das Lesen nicht gerade einfach macht.

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