Analyse

Ein Jahr nach dem Allzeithoch: Was wird jetzt aus Bitcoin?

(Foto: dpa)

Ein Jahr liegt der Höchststand des Bitcoin zurück. Was sich seit dem All-Time-High verändert hat und warum die Chancen gut stehen, dass der Kursverlust ein reinigendes Gewitter ist.

Vor genau einem Jahr erreichte der Bitcoin-Kurs sein Allzeithoch von rund 20.000 US-Dollar – ein Wert, von dem die Kryptwowährung heute bei einem Kurs von unter 3.900 Dollar meilenweit, genauer rund 73 Prozent, entfernt ist. Ob wir Kurse wie Ende 2017 jemals wieder sehen werden, ist ebenso unsicher wie die Antwort auf die Frage, ob Kryptowährungen überhaupt eine Zukunft als Spekulationsobjekt haben.

Die Kursfantasie kannte vor rund einem Jahr keine Grenzen nach oben: Selbst Experten von Banken wie Kay Van-Petersen, Analyst der dänischen Saxo-Bank, sagten Kurse von bis zu 100.000 US-Dollar voraus. Was dabei oftmals vergessen wurde: Kurse haben viel mit Glauben zu tun – neben einem tatsächlichen, inhärenten Wert einer Sache (und die ist bei einer virtuellen Währung naturgemäß ziemlich gering) gibt es eine Chancenbewertung darüber, wie andere deren Wert einschätzen. Je größer die Idee und Vision und je geringer der tatsächliche Wert, desto tiefer kann der Fall sein, wenn die Stimmung kippt. Doch auch dann gibt es in allen Fällen eine Überreaktion. Will sagen: Der Markt hat beim berühmten historischen Beispiel mit den Tulpenzwiebeln übertrieben und er hat 2001 bei den Technologieaktien übertrieben.

Bitcoin: Auf die Regulierungsbehörden kommt es an

Wie viel dann zu retten ist, hängt von der Ernsthaftigkeit ab, mit der man sich um einen seriösen Markt, um eine seriöse Bewertung kümmert. Und da können – Ironie des Schicksals – gerade die Banken und Aufsichtsbehörden wie die Bafin oder die EBA helfen, indem sie die regulatorischen Vorkehrungen und Regeln entwickeln, nach denen ein Handel stattfindet. Also jene Instanzen, die hinter den Zentralbankwährungen stehen, zu denen die virtuellen Währungen eine Alternative sein sollen. Urteile wie das des Kammergerichts Berlin, wonach Bitcoin kein regulierungspflichtiges Währungsinstrument im Sinne der Bafin-Regulierung ist, sind zwar korrekt, aber nicht hilfreich. Denn dann, wenn es keine Regeln gibt, bleibt dank schwarzer Schafe auch das Vertrauen auf der Strecke.

In der Vergangenheit gab es insbesondere im ICO-Bereich zu viele schwarze Schafe – jene, die bereits als solche enttarnt wurden und jene, deren Geschäft, das auf Versprechen basiert, noch läuft. Bitter ist das für alle, die trotz ehrenwerter Ansätze und soliden Konzepten ihre Tokens nun nicht mehr losschlagen können – ungefähr so, wie man 2002 auch vernünftige Geschäftsmodelle nicht mehr an die Börse bringen konnte, weil die Stimmung auf dem Parkett es nicht mehr hergab. Und auch für den Handel ist es wichtig, dass wir international zuverlässige und vertrauenswürdige Regeln rund um den Umgang mit Kryptowährungen haben. Denn anders als bei anderen Gütern reichen hier schon einzelne Handelsplätze, die nicht zuverlässig sind, um das gesamte Geschäft in Misskredit zu bringen – das haben die Probleme mit einigen asiatischen Börsen gezeigt.

Ist das Vertrauen erst einmal wiederhergestellt, kommt über kurz oder lang auch auf das Timing an: Wenn es bis dahin insbesondere im Ethereum- oder Iota-Umfeld bereits einige greifbare Anwendungen auf Unternehmensseite gibt, könnte das den Kryptowährungen generell gut tun. Industrie-4.0-Anlagen, die beispielsweise für datengetriebene Dienste mit anderen Maschinen abrechnen, autonome Fahrzeuge und Assistenzdienste, die ebenso autonom ihre Leistungen mit Dritten abrechnen und so weiter. Was auf jeden Fall bleiben wird, ist die Blockchain als Idee – doch die lässt sich auch bei Geschäften generell einsetzen, bei denen es lediglich um das sichere Festschreiben von Konditionen, Geschäftsvorfällen und deren Abrechnungsmodalitäten geht. Wie so etwas aussieht, sehen wir in Chile, wo zahlreiche Instanzen im Elektrizitätsbereich so miteinander abrechnen. Und wir sehen es in der Versicherungswirtschaft, im Pharmahandel und in ganz vielen anderen Umfeldern.

Bitcoin mehr als ein reines Spekulationsgut

Was der Herbst 2017 und das Jahr 2018 gebracht haben, sind aber auch mehr Anleger, die Bitcoins halten und wohl oder übel noch investiert sind: 35 Millionen sollen es laut einer Studie der Cambridge University sein, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Dass davon jetzt einige abgesprungen sind, ist kein Schaden. Was viel wichtiger ist: dass diejenigen, die in Bitcoin, Ripple und Iota investieren, verstehen, was sie da tun. Sicher ist aber: Irgendetwas wird bleiben von der Ideenwelt rund um Bitcoin und Blockchain – dazu arbeiten einfach zu viele Unternehmen an Anwendungen und Umsetzungen. Es könnte zwar sein, dass die B2C-Orientierung des Bitcoin verloren gehen wird, aber das ist dann auch kein Schaden, weil die Vision dahinter mehr ist als ein reines Spekulationsobjekt.

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4 Reaktionen
Kian

Also was unser Star Trek Experte von sich gegeben hat

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William Thomas Riker

Bitcoin mit Pflanzengattungen zu vergleichen ist Blödsinn! Ebenso mit Aktien oder der Dotcom Blase, wer das tut hat nichts verstanden! Bitcoin ist etwas ganz neues und eine sehr komplexe Technologie. Man braucht technisches Verständnis und man sollte sich mit Finanzsystemen auskennen, sonst hat man nicht das Recht darüber zu urteilen! Innern Wert hat Bitcoin mehr als vieles andere, es ist wie Gold:, Den Wert dieses begrenzten Gutes bestimmt Angebot und Nachfrage! € & $, Fiatgeld, das hat keinen inneren Wert!

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Ribert Lirert

Und genau so klingt jemand, der keine Ahnung hat wovon er spricht.

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Kian

Größter geistiger Dünnschiss den ich seit langem gelesen hab

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