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Karriere und Sport: Wie Laufen meine Job-Skills entwickelt hat

Vor oder nach der Arbeit kilometerweit zu laufen, ist anstrengend – warum also tun so viele Berufstätige das? Unser t3n-Redakteur Andreas Weck kennt die Antwort.

4 Min. Lesezeit
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Im Dauerlauf zu besseren Job-Skills? (Bild: midjourney/ t3n)

Der Grund, warum ich mit dem Laufen anfing, hatte rein gar nichts mit Selbstoptimierung zu tun. Vielmehr war der Auslöser eine persönliche Krise, die ich 2015 zu bewältigen hatte: Nach einem längeren Auslandsaufenthalt in den USA, scheiterte kurz nach meiner Rückkehr meine langjährige Beziehung. Das und ein nicht ganz freiwilliger Umzug in eine deutsche Kleinstadtstadt, mit der ich nicht warm wurde, lösten in mir Stressgefühle aus, die mir den Schlaf raubten.

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Ein zu der Zeit sehr unschönes Erlebnis, das rückblickend betrachtet jedoch auch etwas Gutes hatte. Denn es führte dazu, dass ich mich mit neuen Dingen auseinandersetzte, die mir zuerst Linderung und später Format verschafften: Aus Sport als Ventil wurde eine regelmäßige Routine, die sich zu einem echten Habit entwickelte. Aus einem Davonlaufen entstand ein Dauerlauf. Lauf, Junge. Lauf!

Laufen für die Karriere: Der erste Erfolg gehört dir

Hätte mich damals jemand vor die Wahl gestellt, ob ich alles wieder auf Null setzen oder mir weiter den Frust von der Seele rennen will, hätte ich wohl gesagt: „Shut up and take my running shoes!“ Inzwischen empfinde ich es als großen Dienst des Schicksals, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Denn das Laufen hat mir nicht nur innere Ruhe zurückgebracht, sondern auch ein paar echte Killerskills mitgegeben, die auch und vor allem im Job sehr nützlich sind.

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Allen voran: Willensstärke. Der langbärtige alte Mann namens Konfuzius, der einst sagte, dass der Weg das Ziel sei, konnte diesbezüglich kaum richtiger liegen: Nach dem ersten anfänglichen Schmerz, mal drei Kilometer am Stück zu laufen, begann ich langsam aber sicher besser zu werden. Aus drei wurden sechs, aus sechs wurden zwölf Kilometer und dann kam der Wille, mich mal einem echten Wettkampf zu stellen. Halbmarathon: check!

„Stress entsteht im Kopf, Entspannung in den Beinen.“

Dieses Gefühl mit harter Arbeit zu einem geilen Ergebnis zu kommen, ist grandios. Jedoch muss ich ehrlich gestehen, so ehrgeizig war ich bis dahin sonst eher nicht. Selbst mein Abi hab ich auf die leichte Schulter genommen. Wird schon, und wenn nicht, ach was, wird schon! Am Ende wäre ich wegen Mathe fast durchgerasselt. Aber gut, es wurde schon irgendwie. Heute nehme ich Herausforderungen nicht verbissen, aber recht engagiert an.

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Vorausgesetzt ich sehe einen Sinn darin, kann ich mich echt sehr tief in etwas einarbeiten und auch dranbleiben, wenn es mal weh tut. „Endurance“ nennen phrasendreschende Motivationstrainer das, meine Mutter sagt schlicht: „Plötzlich hat er Durchhaltevermögen“. Der Sport hat meinen inneren Teenager tatsächlich gebrochen – in einem Alter, in dem einstige Mitschüler schon den ersten Bausparvertrag auslösten, um das Ziel des Eigenheims ins Visier zu nehmen.

Wer jetzt jedoch glaubt, oh, jetzt hat er Höhenflüge, den kann ich beruhigen. Denn neben der Willensstärke wuchs beim Laufen auch die Demut in mir, und die Fähigkeit, auch das Scheitern als ganz normalen Teil des persönlichen Entwicklungsprozesses hinzunehmen. Denn: So langsam, wie sich Kondition beim Laufen aufbaut, so schnell geht sie auch wieder flöten, wenn dann doch mal die akute Unlust die Oberhand gewinnt. Man ist ja doch nur ein Mensch.

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Zwei Schritte nach vorne und einen zurück – und das ohne sofort das Handtuch zu werfen oder gar auszuflippen. Und ja, eines davon wäre damals, als Heranwachsender, mit Sicherheit auch passiert. Ich bin inzwischen jedoch unzählige Male an meinem Anspruch im Training gescheitert und blieb cool. Einmal bin ich nach zwei Kilometern durch Berlin-Mitte keuchend und krampfend an der Ampel stehen geblieben, obwohl ich doch einen Monat zuvor problemlos einen Halbmarathon lief. Passiert, egal!

Laufen, das muss ich ehrlich sagen, hat mir in den letzten Jahren ganz schön viel gegeben. Und ich rede nicht nur von einem lächerlich wirkenden neon-farbenden Running-Outfit, für das mich mein 16 Jahre altes Ich sicherlich hart ausgelacht hätte. Zwischendurch vom Schreibtisch aufzustehen, die Joggingschuhe anzuziehen und in der Pause zu laufen, hilft zum einen beim Denken und zum anderen beim Druck abbauen. Stress entsteht im Kopf, Entspannung in den Beinen, las ich kürzlich. Wer das gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich jemand, dem es so geht wie mir.

Und noch eine Sache habe ich bemerkt: Egal, wie gut oder schlecht der Tag voraussichtlich werden wird, vor allem der Morgenlauf bringt meist den ersten Erfolg des Tages – und der hängt von niemandem als von einem selbst ab. Wer abends noch die Joggingschuhe anzieht, kann Misserfolge vor dem Schlafengehen mit einem Erfolg ausgleichen und so den Tag umdeuten.

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Laufen für die Karriere: Jogger haben Willensstärke

Läufer entwickeln eine Reihe positiver Eigenschaften, sagt auch der ehemalige Ultramarathonläufer und heutige Lauftrainer Andreas Butz, der vor allem Führungskräfte trainiert: „Sie können sich gut motivieren, haben Ausdauer, gehen an ihre Grenzen, gelten als hartnäckig, willensstark, zielstrebig, fleißig und diszipliniert. Das sind alles Fähigkeiten, die im Job wichtig sind. Daneben macht Laufen zufrieden“, sagt er auf Zeit Online.

Ich will nicht behaupten, dass all das immer und zu jeder Zeit auch auf mich zutrifft, aber all diese Soft Skills haben sich in den letzten Jahren, in denen ich jetzt laufe, definitiv verbessert. Vielen Dank also an meine Füße, denn ohne sie stünde ich heute nicht hier! Wer sich entwickeln und einmal wieder über sich hinauswachsen will, dem kann ich das Laufen empfehlen. Wer zu oft schlecht gelaunt ist, kann mit etwas Disziplin im Laufen eine echte Passion und Freude finden. Insofern: Lauft, liebe Leute. Lauft!

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