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Neue Klimastudie: Warum wir jetzt handeln müssen

Klimaforscher:innen schlagen Alarm: Von insgesamt 16 Kipppunkten werden sehr wahrscheinlich 5 ausgelöst. Die Meta-Studie mahnt dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel an, damit es nicht mehr werden.

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Die Eisschilde haben bereits mit massivem Masseverlust zu kämpfen. Das könnte einen Kippunkt darstellen, der einen massiven Meeresanstieg zur Folge hätte. (Foto: Bernhard Staehli/ Shutterstock.com)

Eine neue Klimastudie hat mehr als 200 Forschungsberichte einbezogen, um abzuschätzen, wann sogenannte Klima-Kipppunkte (CTP) entstehen könnten. In der Zeitschrift Science warnen die Autor:innen, von denen einige 2008 die erste große Arbeit über Kipppunkte veröffentlicht hatten, dass die sich selbst verstärkenden Rückkopplungen schon beginnen.

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5 von 16 identifizierten Kipppunkten können demnach bereits bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad ausgelöst werden. In der Vergangenheit wurden diese Punkte als stabiler angesehen.

Globale Karte von Klima-Kipppunkte

Die Wissenschaftler:innen haben eine Karte globaler Kipppunkte erstellt. (Grafik: McKay et al)

Eisschilde schmilzen

Die Kipppunkte des Klimas sind als eine Rückkopplung des Klimasystems definiert, die sich ab einem bestimmten Schwellenwert selbst verstärkt. Die Forscher:innen des Clima Resilience Center der Universität Stockholm schreiben: „Diese Veränderungen können zu abrupten, unumkehrbaren und gefährlichen Auswirkungen mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit führen.“

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Aus ihrer Analyse geht hervor, dass selbst eine globale Erwärmung von ein Grad Celsius – die wir bereits überschritten haben – kritische Kipppunkte auslösen kann. Als Beispiel fungiert das westantarktische Eisschild, das Beobachtungen zufolge möglicherweise einen Kipppunkt erreicht hat. Das Eis dort schmilzt, dadurch steigt die Temperatur im Wasser, wodurch noch mehr Eis schmilzt.

So sieht der Klimawandel aus Sicht der Nasa aus Quelle: Nasa

5 von 16 Kipppunkten bald erreicht

Die Studie definiert neun globale Kippelemente, die „wesentlich zum Funktionieren des Erdsystems beitragen“. Weitere sieben regionale Punkte tragen „wesentlich zum menschlichen Wohlergehen bei“. Die aktuelle Erderwärmung von 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau liege bereits am unteren Ende der Schwellenwerte von fünf Kipppunkten.

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Bei einem Anstieg auf 1,5 bis 1,9 Grad seien sechs Auslösungen wahrscheinlich. Das Papier nennt etwa den Zusammenbruch des grönländischen Eisschildes. Die 1,72 Millionen Quadratkilometer große Eismasse würde beim kompletten Abschmelzen einen Meeresanstieg von über sieben Metern nach sich ziehen. Das wäre das Ende quasi aller Küstenstädte. Dort leben über 600 Millionen Menschen.

Eisschilder verlieren Masse schmilzen

Die Massebilanz des Eisschilds fällt bereits extrem negativ aus. Ein Kipppunkt könnte schon (bald) erreicht sein. (Grafik: Bildungsserver Klimawandel)

Abruptes Auftauen der Permafrostböden befürchtet

Daneben zählt die Studie das Zusammenbrechen des westantarktischen Eisschilds, das Absterben von Korallenriffen und das „abrupte Auftauen“ von Permafrostböden auf. Das antarktische Eisschild ist etwa acht Mal größer als das von Grönland.

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Co-Autor Timothy Lenton vom Global Systems Institute der Universität Exeter (UK) sagte, wenn man sich dazu entscheide, die Kipppunkte der Eisschilder passieren zu lassen, müsse man sich auf einen Anstieg des globalen Meeresspiegels um zehn Meter einstellen. Diese Veränderung könne jedoch viele Jahrzehnte dauern.

Korallenriffe sterben bereits

Ab der prognostizierten Erwärmung können sich die bereits absterbenden tropischen Korallenriffe nicht mehr erholen. Die Studie schätzt, dass rund 500 Millionen Menschen von den Riffen abhängen. Langfristige Veränderungen würde das Auftauen der Permafrostböden in Russland, Skandinavien und Kanada nach sich ziehen. Es setzt hohe Mengen Methan frei, das noch klimaschädlicher wirkt als CO2.

Ab 1,5 Grad befürchten die Wissenschaftler:innen massive Störungen der Meeresströmungen. Die Labrador-Konvektion ist etwa für die Erwärmung Europas zuständig. Veränderungen können zu so strengen Wintern führen wie die „kleine Eiszeit“ zwischen dem frühen 14. und Mitte des 19. Jahrhunderts.

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Bei 2 Grad ist der Amazonas-Regenwald in Gefahr

Erstautor David Armstrong McKay betont jedoch: Selbst bei einer Erwärmung von 1,5 Grad hänge viel davon ab, wie lange diese Temperatur anhalte. Sollte es fünf oder sechs Jahrzehnte so heiß bleiben oder sogar noch heißer werden, sieht er schwarz. Er glaubt, dass wir bei 1,5 Grad noch nicht in einen „führerlosen Zug“ geraten.

Bei zwei Grad ist Lage schon dramatischer. Bei diesem Anstieg rechnet man etwa mit einem weiträumigen Absterben des Amazonasgebiets, der „grünen Lunge der Erde“.

Forscher:innen: Es ist noch nicht zu spät

McKay sagte: „Das bedeutet, dass die Menschheit die weitere Erwärmung immer noch kontrollieren kann und dass es sich immer noch lohnt, die Emissionen so schnell wie möglich zu reduzieren.“ Lenton hat die Hoffnung, dass die Menschheit ihre eigenen Kipppunkte definiere und nach Jahren der schrittweisen Veränderung nun dringende, einschneidende Maßnahmen folgen. Solche hatte kürzlich der Club of Rome in seinem aktuellen Report angemahnt – und zugleich konkrete Vorschläge unterbreitet.

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