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Kollaborative Designprojekte: „Ein Auto mit drei Lenkrädern”?

Aus „meiner“ Idee „unsere“ machen? Damit musste sich Nikolas Klein, Produktdesigner bei Figma, erst einmal anfreunden. Warum er mittlerweile Fan von kollaborativer Kreativität ist und wie die am besten gelingt, erklärt er in der t3n-Kolumne.

Von Nikolas Klein
3 Min. Lesezeit
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Kollaborative Designprojekte können auch remote funktionieren. (Foto: Naphat_Jorjee / shutterstock)

Echtzeit-Kollaboration: Der Stoff, aus dem Albträume sind?

„Ich habe jetzt schon Angst und Albträume, wenn ich an kollaborative Zusammenarbeit in Echtzeit denke.“ Das war der Kommentar einer Userin, als Dylan Field vor sieben Jahren die allererste Version von Figma 1.0 veröffentlicht hatte. Jemand anderes schrieb: „Das ist wie ein Auto mit drei Lenkrädern – und alle fahren und steuern zur gleichen Zeit.“ Andere wollten sogar den Job wechseln, wenn Tools wie Figma die Zukunft der Designbranche seien. Gleichzeitig, gemeinsam, aber vielleicht nicht im gleichen Raum, an Designs oder Produkten arbeiten? Damals undenkbar.

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Zusammen ist man weniger allein

Als ich 2018 anfing, bei Figma als Produktdesigner zu arbeiten, fühlte sich das gemeinsame Arbeiten auch für mich erst einmal fremd und ungewohnt an.

Die Gründe liegen auf der Hand: Menschen sind Gewohnheitstiere. Jede Veränderung ist im ersten Moment beängstigend, so sind wir gebaut. Und gerade Designer:innen sind oft daran gewöhnt, alleine zu arbeiten und die volle Kontrolle über ihre Ideen und ihr Design zu haben.

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Als ich meine Ideen dann aber in ein Design-Critique-Meeting mitbrachte, verstand ich schnell, warum es diese Meetings gab. Meine Kolleg:innen diskutierten nicht nur über meine Ideen, sondern entwickelten sie aktiv gemeinsam weiter. Am Ende war ich mir nicht mehr sicher, ob es wirklich meine Ideen waren oder was überhaupt meine Rolle in dem Meeting war. Aber durch das gemeinsame Weiterdenken und die unterschiedlichen Perspektiven meiner Kolleg:innen bin ich schneller ans Ziel gelangt. Die Unsicherheit meine unfertigen Ideen zu teilen, die ich bei einigen Entwürfen anfangs noch verspürte, verschwand. Es hilft ungemein, seine Ideen mit anderen zu teilen, auch wenn diese einem vielleicht noch nicht fertig erscheinen. Denn genau an diesem Punkt braucht man andere Erkenntnisse und Meinungen, um noch schneller und besser voranzukommen.

Funktioniert das immer? Nein, natürlich nicht. Die Gefahr des Micromanagements und dem damit einhergehenden Stress im Team ist gegeben. Ebenso wie die anfängliche Enttäuschung, dass die eigene Idee vielleicht doch nicht so gut ist, wie man geglaubt hat.

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Die Lösung hierfür? Man muss sich gegenseitig vertrauen, um Dinge zu sehen, anzusprechen und gemeinsam anzugehen, die nicht funktionieren. Das ist der springende Punkt.

Denn nur dann kann sich die Kreativität entfalten. Und dann fühlt es sich nicht an, wie ein Auto mit drei Lenkrädern. Sondern wie ein Auto, in dem Leute mit ihren eigenen Ideen mitfahren. Ein Ort, an dem Fragen gestellt werden und auf Ideen anderer aufgebaut werden kann: Wollen wir dorthin fahren? Warum? Warum nicht? Wenn wir diese Route nehmen, dann sehen wir auch noch diesen tollen See!

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Kollaborative Kreativität: Ein Zungenbrecher, der Innovation bringt

Der Ausdruck „Kollaborative Kreativität“ hört sich im ersten Moment wie das Fischers Fritz der Designwelt an. Doch Kollaboration und Kreativität sind ein gutes Duo. Ein Jazzkonzert beispielsweise demonstriert, dass erst das oft aufeinander aufbauende Zusammenspiel aus Saxophon, Bass, Klarinette, Klavier und Posaune das Musikerlebnis komplett macht.

Das Ganze geht natürlich auch remote. Kreativität kann auf vielen Ebenen entstehen: verbal, non-verbal, digital – ihr sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ein schönes Beispiel für ortsunabhängige und digitale kollaborative Kreativität sind die Anfang letzten Jahres viral gegangenen Sea Shanties: Millionen von User:innen sangen mithilfe der Duett-Funktion von Tiktok alte Seemannslieder aus dem 19. Jahrhundert. Die Pandemie und der Tiktok-Boom haben also bewiesen: Ortsunabhängige Kreativität ist definitiv möglich. Und auch mit der Etablierung von Remote Work findet Kreativität täglich digital statt.

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Seit der Einführung von Figma und meinem ersten Design-Critique-Meeting hat sich einiges verändert. Eine Pandemie, Digitalisierung in (fast) allen Lebensbereichen und generative KI-Anwendungen wie ChatGPT und Bard später, ist unsere Arbeit digitaler geworden – und dank entsprechender Tools wie Figma auch kollaborativer.

Es kann noch immer eine Weile dauern, bis sich alle Beteiligten mit der Arbeit im Team arrangiert haben, und „meine“ Ideen zu „unseren“ werden. Aber wenn das gelingt, verderben nicht etwa viele Köche den Brei, sondern sie schaffen gemeinsam etwas Innovatives – und das ist schließlich das Ziel im Designprozess.

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