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„Bleibt unter dem Radar“: Gescheiterte Krypto-Plattform Neufund hält legalen Defi-Betrieb in Europa für unmöglich

Das von Frank Thelens Investmentfirma Freigeist Capital mitfinanzierte Berliner Startup Neufund hat seinen Betrieb eingestellt. Schuld sollen die deutsche und andere europäische Finanzaufsichten sein.

3 Min.
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Neufund zieht sich zurück. (Bild: Neufund)

Das Krypto-Funding-Startup Neufund gibt auf – trotz seines Erfolgs. Das teilt das Unternehmen ohne nähere Erläuterungen auf seinem Firmen-Blog mit. Mehr Informationen gibt es indes in einem Beitrag, den Neufund-Gründerin Zoe Adamovicz für Coindesk geschrieben hat.

Neufund: Crowdfunding per Blockchain-Token

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Das Geschäftsmodell hinter Neufund ist einfach zu verstehen: Anleger sollten über Neufund, das als eine Art Börse fungierte, Anteile an innovativen Projekten kaufen können, die sich wiederum daraus finanzierten. Das klingt nach Crowdfunding und war tatsächlich so ähnlich.

Der Unterschied bestand darin, dass die Plattform auf der Krypto-Blockchain Ethereum aufsetzte. Projekte tokenisierten ihre Anteile. Anlegende konnten diese Token dann kaufen. Seit der Gründung im Jahr 2016 sollen insgesamt rund 20 Millionen Euro auf dieser Basis eingenommen worden sein. Mehr als 1.000 Kleinanlegende sollen sich daran beteiligt haben.

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Das Unternehmen selbst konnte erstmals 2017 Risikokapital für den Eigenbetrieb akquirieren. Unter anderem Frank Thelens Freigeist Capital hatte seinerzeit einen „Betrag, der uns wirklich wehtut“, investiert. Das hatte Thelen der Süddeutschen Zeitung verraten. Über die Jahre flossen insgesamt 15 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens.

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Greyp wird zur Nagelprobe

Auch wenn es bis ins Jahr 2019 dauerte, dass Neufund mit dem kroatischen E-Bike-Hersteller Greyp Bikes seinen ersten großen Anwendungsfall über die Plattform abwickeln konnte, darf die Entwicklung des Unternehmens bis zu diesem Punkt wohl als erfolgreich betrachtet werden. Greyp Bikes wurde im November 2021 von Porsche übernommen.

Die Finanzierung des Greyp-Bikes-Projekts sollte allerdings zur Nagelprobe für Neufund werden, die das Unternehmen letztlich nicht überstehen würde. Wie das Branchenportal Financefwd berichtet hatte, war schnell die deutsche Finanzaufsicht Bafin eingeschritten und hatte bemängelt, dass Neufund entgegen den Vorschriften keinen Wertpapierprospekt veröffentlicht hatte. Greyp musste daraufhin deutsche Anleger vom Angebot ausschließen.

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Das brachte Neufund-Gründerin Zoe Adamovicz dermaßen auf, dass sie der Bafin bereits im Sommer 2020 in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schwere Vorwürfe machte. „Bald sei nichts mehr erlaubt und niemand werde mehr etwas anpacken“, schimpfte sie über die ihrer Auffassung nach zu restriktive Politik der Behörde.

Im aktuellen Coindesk-Beitrag legt Adamovicz noch einmal nach. Seit der Greyp-Intervention habe sich Neufund bemüht, einen Modus Operandi zu finden, der nachhaltig funktionieren kann. Dabei habe Neufund stets versucht, nationales Recht zu respektieren, was sich als unmöglich erwiesen habe. Adamovicz resümiert: „Seitdem haben wir versucht, Klarheit darüber zu bekommen, ob wir legal oder illegal sind, und niemand ist in der Lage, uns das zu sagen. Der ganze Dialog war sinnlos.”

Dabei hatte Neufund nicht nur Probleme in Deutschland, auch andere europäische Staaten sollen dem Startup Steine in den Weg gelegt zu haben. Insbesondere die deutsche Bafin soll sich gezielt davor gedrückt haben, dem Unternehmen klare Perspektiven aufzuzeigen. Stattdessen habe sich die Behörde darauf beschränkt, Warnungen auszurufen und das auch immer erst dann, „wenn sie bereits mit der Geschäftstätigkeit begonnen haben“.

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Neufund-Gründerin: Legaler Defi-Betrieb in Europa nicht möglich

So kommt Adamovicz zu dem Schluss, dass es in Europa derzeit nicht möglich ist, ein rechtmäßig operierendes Defi-Unternehmen zu betreiben. Neufund habe versucht, sich an Regeln zu halten. Die gebe es aber nicht verlässlich. Defi-Startups gibt Adamovicz deshalb einen bitteren Rat: „Für DeFi-Gründer, die im Spiel bleiben wollen, besteht die einzige Chance darin, unter dem Radar der Aufsichtsbehörden zu fliegen, bis sich das Geschäft zu sehr verfestigt hat, um es aufzugeben. Verschwenden Sie kein Geld für Rechtsgutachten, zu deren Einhaltung die Regulierungsbehörden nicht verpflichtet sind und die sie oft einfach ignorieren. Beteiligen Sie sich nicht an Debatten, Innovationsräten für Regulierung oder Beratungsgruppen der Regierung.“

Wer auf diese Weise lange genug überlebe, könne groß genug werden, um nicht mehr so einfach beseitigt zu werden. So hätten es Binance und Ethereum getan.

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