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Künstliche Intelligenz – so arbeiten wir in Zukunft

(Foto: Shutterstock / Jinning Li)

Künstliche Intelligenz übernimmt vermehrt menschliche Aufgaben. Doch das wird uns auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Wir werden produktiver.

Die besten Denker unserer Zeit sind sich darüber uneinig, wie künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft verändern wird. Diskutiert werden Weltuntergangsszenarien, neue Gottheiten und ein enormes, wenn auch noch weitgehend unklares Potenzial. Bei all den mehr oder weniger fundierten Meinungen steht eins fest: Die Forschung auf dem Gebiet schreitet exponentiell voran. In diesem Zuge stellt sich die Frage, welche Rolle wir in der Arbeitswelt der Zukunft spielen werden. Die langfristigen Auswirkungen sind noch weitgehend unklar. Niemand kann bisher zuverlässig vorhersagen, was passiert, sobald die Singularität erreicht wird – oder wann sich diese einstellt. Kommt das Grundeinkommen? Oder bewegen wir uns sogar auf den Roboter-Kommunismus zu? Doch kurz- bis mittelfristig lässt sich sehr wohl abschätzen, wie KI die Zukunft der Arbeit verändern wird.

Das Potenzial wird noch nicht ausgeschöpft

Bisher wird die Technologie vor allem von den „Digital Natives" wie Google, Amazon und Uber angewendet. Das ist natürlich kein Zufall: Ihre Geschäftsmodelle basieren auf enormen Datenmengen, die von Menschen allein niemals in der Art und Weise genutzt werden könnten, wie wir sie heute kennen. Doch obwohl diese Unternehmen zu den größten der Welt gehören, stehen sie nicht stellvertretend für den Arbeitsplatz der Zukunft.

Ein Report von McKinsey hat im Juni 2017 herausgefunden, dass bisher lediglich zwölf Prozent der Unternehmen KI-Anwendungen integriert haben, die über die Testphase hinausgehen. Als Hauptfaktor für die geringe KI-Adaption wurden von den Befragten negative oder unklare Auswirkungen auf die Profitabilität angegeben. Dafür gibt es zwei auschlaggebende Gründe, die eng miteinander korrelieren:  a) Die Technologie ist zu teuer, um sie funktionsfähig weiterzuentwickeln oder b) der Nutzen ist bisher zu gering.

Erst wenn diese Eintrittshürden überwunden sind, wird sich KI flächendeckend durchsetzen, egal wie rasant die Forschung an der Technologie voranschreitet. Neueste Entwicklungen auf dem Gebiet machen Hoffnung: Beinahe alle Software-Giganten arbeiten derzeit an kostengünstigen Lösungen für KI in Unternehmen. Das geschieht beispielsweise durch Cloud-basierte Applikationen, mit denen die Verwendung für den einzelnen Nutzer einfacher wird, die Anschaffungskosten sinken und die potenziellen Anwendungsbereiche zunehmen. Bis die Technologie flächendeckend eingesetzt wird, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Stellt sich nur die Frage, wie die Arbeitswelt aussehen wird, wenn es soweit ist?

Monotone Aufgaben werden automatisiert

Im Informationszeitalter sind alle Organisationen auf Inhalte angewiesen. Ob Kundendaten, Bilder, Verträge oder Textdateien – Mitarbeiter weltweit arbeiten gemeinsam an Dokumenten. Doch viel zu oft läuft die Arbeit an diesen Inhalten suboptimal ab: So stehen einer Marketingabteilung beispielsweise tausende Produktbilder zur Verfügung. Doch die Suche nach dem perfekten Bild für den Web-Shop gestaltet sich schwierig, wenn Metadaten nicht mühsam einheitlich gepflegt werden. Manager im Kundenservice wiederum müssen sich stundenlang Mitschnitte von Gesprächen anhören, um die hohe Qualität des Service zu gewährleisten. Und auch Anwälte in der Rechtsabteilung müssen händisch Metadaten zu tausenden Verträgen erstellen. Insbesondere diese repetitiven und prozessorientierten Aufgaben halten menschliche Teams von ihrer eigentlichen Arbeit ab.

Menschliche Teams werden ergänzt, nicht ersetzt

Künstliche Intelligenz wird Mitarbeiter aus Fleisch und Blut hierbei enorm unterstützen. So vereinfacht die Technologie der beispielhaften Marketingabteilung die Suche drastisch, indem sie alle vorhandenen Produktbilder analysiert und das Abgebildete automatisch in Metadaten verschlagwortet. Der Kundenservice profitiert, wenn alle Gespräche per KI analysiert werden. Dadurch können Sprecherwechsel in der Aufnahme übersichtlich dargestellt und Sentiment-Analysen durchgeführt werden. Und auch für die Rechtsabteilung ergeben sich Nutzungspotenziale: Sie kann alle Verträge einfach einscannen oder fotografieren. Werden diese Dokumente in die Cloud hochgeladen, erfasst die KI alle relevanten Daten und erstellt automatisiert die passenden Metadaten. Videos, Bilder und Dokumente – KI erleichtert somit die Arbeit an Inhalten massiv. Übernimmt die Maschine den Großteil der prozessorientierten Aufgaben, bleibt den menschlichen Teammitgliedern mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit.

Standardisierte Prozesse für Verwaltungen notwendig

Betrachtet man beispielsweise die öffentliche Verwaltung, so würde künstliche Intelligenz dazu führen, dass Mitarbeiter nicht nur produktiver wären, sondern auch Standardprozesse schneller erledigt werden könnten: Kindergeldanträge, Um- und Anmeldungen oder Ausweise erneuern. Auch wenn es mitunter sicherlich komplizierte Einzelfälle gibt, die eine Bearbeitung durch einen Menschen erfordern, gibt es eine große Anzahl an Standardanträgen, die per KI schneller abgearbeitet werden können. So könnte KI dabei helfen, der ständigen Überlastung öffentlicher Ämter entgegen zu wirken. Gleichzeitig würde die individuelle Betreuung verbessert und für kompliziertere Fälle bliebe mehr Zeit.

Eine Studie der University of London schätzt, dass die Produktivität von Organisationen verdreifacht werden kann, sobald 80 Prozent der repetitiven Aufgaben automatisiert werden. Künstliche Intelligenz wird den Menschen dabei zumindest mittelfristig nicht ersetzen, sondern ergänzen. Repetitive Aufgaben werden von der Maschine deutlich schneller übernommen, während der Mensch in kreativen Problemlösungsfeldern, für intuitive Lösungen und die strategische Planung benötigt wird.

Roboter für Geringqualifizierte?

Die große Angst der digitalen Welt ist eine Urangst: Wer ersetzt mich und raubt mir damit meine Existenz? Besonders Geringqualifizierte fallen in vielen Theorien rund um die künstliche Intelligenz hinten herunter. Sie werden ersetzt durch Roboter und schlichtweg nicht mehr benötigt. Wie alle Veränderungen in der Geschichte braucht es einige Zeit, um neue Jobs zu schaffen und vor allem ein generelles Verständnis und die Akzeptanz für neue Technologien. Zum jetzigen Zeitpunkt ist alles noch sehr hypothetisch, denn niemand kann vorausahnen, wie sich KI entwickelt und wie es weltweit eingesetzt werden wird.

Doch vielleicht ist für unsere Gesellschaft der Spiegel erst notwendig, wie die britische Science-Fiction-Serie Black Mirror drastisch aufzeigt, indem verschiedenartige Auswirkungen der Verwendung von Technik auf die Gesellschaft thematisiert werden. Eine Rückbesinnung auf Handwerkliches ist schon heute deutlich spürbar in einer Welt, die versucht, jede noch so kleine tägliche Aufgabe zu digitalisieren. Plötzlich werden Brote wieder lieber selbst gebacken und samstags lokale Wochenmärkte auf der Suche nach lokalen und den erhofften „handgepflückten“ Waren gestürmt.

Künstliche Intelligenz bringt sowohl Gefahren als auch ein enormes Nutzungspotenzial mit sich. Richtig eingesetzt, kann sie Freund, nicht Feind werden: Denn kreative, intuitive und strategische Aufgaben wird die Technologie auf absehbare Zeit nicht auf menschlichem Niveau übernehmen können. Und vielleicht werden mit der Zunahme der künstlichen Intelligenz auch soziale Tätigkeiten, die menschliche und individuelle Zuwendung erfordern, wieder wichtiger – und erhalten endlich die Anerkennung, die ihnen zusteht.

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