Interview

Mozilla-CEO Chris Beard: „Wir werden eine Premium-Version anbieten“

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Wir arbeiten an drei Einkommensquellen und wollen sie neu gewichten: Wir haben Search, wir machen aber auch Content. Wir haben eine Firma namens Pocket, die Inhalte entdeckt und kuratiert. Da gibt es auch gesponserte Inhalte. Das ist das Content-Geschäft.

Eine Speicherlösung von Firefox

t3n: … und die dritte Einkommensquelle?
Und das Dritte, an dem wir jetzt arbeiten und was sich entwickelt, während wir über Produkte und Services nachdenken, sind Premium-Ebenen für einige dieser Angebote. Du kannst dir sowas vorstellen wie eine sichere Speicherlösung.

Freie VPN-Bandbreite – und eine Premium-Ebene per Abo

t3n: Wie könnte ein Premium-Angebot aussehen?
Wir haben auch VPN getestet. Wir können feststellen, wenn du in einem öffentlichen WLAN bist und Onlinebanking machen willst und sagen: „Wow, du solltest wirklich VPN benutzen.“ Du kannst dir vorstellen, dass wir eine Lösung anbieten werden, bei der wir allen eine gewisse Menge an freier VPN-Bandbreite geben und dann noch eine Premium-Ebene über ein monatliches Abo anbieten. Wir wollen mehr Abo-Services in unseren Mix aufnehmen und uns mehr auf die Beziehung zum Nutzer konzentrieren, um in Business-Fragen resilienter zu werden.

t3n: Wie viel von eurem Umsatz kommt denn gerade von Search-Geschäft und wie viel von Pocket?
Grob 90 Prozent kommen aus der Suche.

t3n: Einerseits tretet ihr gegen Leute an, die in euren Augen das Web demolieren, andererseits ist das genau der Ort, mit Hilfe dessen eure Gehälter gezahlt werden.
Mit den Suchmaschinen, speziell Google, würde ich sagen, ist es der Begriff „Coopetition“ [eine Mischung aus Cooperation und Competition, Anm. d. Red]. Wir kooperieren in vielen Dingen und wir sind scharfe Konkurrenz. Aber ja, wir haben eine starke Motivation, tiefere Kundenbeziehungen außerhalb des Suchgeschäfts aufzubauen. Und wir glauben, dass Abo-Services ein Ort sind, ein Vektor, den wir erkunden werden.

Premium-Ebene soll im Oktober vorgestellt werden

t3n: Habt ihr schon eine Idee, wann das starten soll, wann ihr das Abo-Modell ausrollen wollt?
Also, was wir noch klarstellen wollen: Es gibt keinen Plan, für Dinge Geld zu verlangen, die jetzt kostenlos sind. Also werden wir einen Abo-Service ausrollen und eine Premium-Ebene anbieten. Und der Plan ist, die erste in diesem Jahr vorzustellen, gegen Herbst. Wir zielen auf Oktober.

Die Premium-Pläne von Mozilla sind eigentlich noch nicht öffentlich. Es gab ein Addon mit einem Proton VPN, es gab eine Partnerschaft mit der Firma Scroll. Aber bisher war noch nichts von einem Firefox-Freemium-VPN, über den man eine gewisse Menge Daten bekommt, bekannt. Auch von Speicherlösungen redet Chris Beard das erste Mal öffentlich. Wenn das Abo-Modell im Herbst erscheinen soll, wie Chris Beard im Interview sagt, müssten die Pläne intern allerdings schon weiter gediehen sein. Genau in dem Moment des Interviews geht aber die PR-Managerin dazwischen: Die Zeit sei jetzt um.

Als t3n per E-Mail nachhakt, ob nur einzelne Services über Firefox als Abo angeboten werden oder ob es ein einheitliches Firefox-Premium geben wird, schreibt die Unternehmenssprecherin: „Wir werden voraussichtlich erst einzelne neue Services launchen und uns dann vor Einführung eines Premium-Modells genau überlegen, welche der Variante am sinnvollsten ist und gleichzeitig die beste Sicherheit für Nutzer gewährleistet. Firefox und viele Sicherheits-Features und Services, wie eben ETP [Enhanced Tracking Protection], werden aber weiterhin kostenlos bleiben, das steht fest.“

Auf dem Weg nach draußen kommen wir nochmal an der Fensterfront zur Spree vorbei. Die Idee, eine Rutsche vom sechsten Stock in die Spree zu bauen, sei auf internen Widerstand gestoßen, scherzt eine Mitarbeiterin.

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5 Kommentare
marvin-guth

Mal schauen, ob Mozilla sich mit so einem Abo Modell unabhängiger macht kann. Ich denke es ist der richtige Weg.

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NoMad
NoMad

Hey Mozilla, wenn Ihr Geld für die Entwicklung von Firefox wollt, dann bietet doch einen Abo-Service an mit dem Nutzer individuelle Builds mit benutzerdefinierten Einstellungen erhalten. Sowas wie vorinstallierte Skins, Proxy-Einstellungen, Addons, Config-Variablen wie die PUSH URL und die URL zur Erkennung von Captive Portals (damit der Fuchs nicht bei jedem Start nach Hause telefoniert…)
Das würde auch viele Unternehmen interessieren für einfaches Deployment.

Sonst wird es bald eine „Edge Version“ von Firefox geben ohne den ganzen unnötigen Kram: Werbung auf der Startseite, Browserverlauf-Synchronisation in die Cloud, Werbung beim Online-Banking…

> Wir können feststellen, wenn du in einem öffentlichen WLAN bist und Onlinebanking machen willst und sagen: „Wow, du solltest wirklich VPN benutzen.“

Also wird in Zukunft basierend auf meiner Aktivität im Netz Werbung angezeigt? Klar kann das „offline“ erkannt werden, also ohne dass mein Browserverlauf an Mozilla geschickt wird, aber wer will beim Online-Banking mit einem Werbe-Popup genervt werden? Und was bringt ein VPN bei Online-Banking, welche Bank hat denn bitte kein TAN-Verfahren mit dem jede Transaktion durch 2FA abgesichert wird? Welche Bank bietet kein HTTPS?

Investiert das Geld von den Suchmaschinen lieber in ordentliche QA damit ihr beim nächsten mal nicht verpennt das Zertifikat für AddOn-Signierung zu verlängern, ihr Amateure!

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Thomas
Thomas

Wenn sich Mozilla zusehends kommerzialisiert, wozu braucht man es dann noch?

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Steve
Steve

„Wow, du solltest wirklich VPN benutzen.“

Wow, ihr trackt also nicht nur was ich im Web mache, sondern schnüffelt auch wie ich den Zugang zu !10. bekomme? Wow, das ist mal wirklich ein wow-vektor, um in euren speak zu talken.

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Marc Mertens

Das Hauptproblem in den heutigen Zeiten des Internets ist, dass wir uns alle daran gewöhnt haben viele Softwares und IT-Produkte im ersten Blick „kostenlos“ zu erhalten. Oftmals stehen oder standen dahinter pfiffige Entwickler (m/w/d) ohne Gewinnabsichten oder eine Art NPO (non-profit-organization) oder auch studentische/akademische Teams.

Bei den großen Internet-Dinosauriern wie Facebook, Google, Amazon und anderen bezahlt man natürlich mit seinen Daten und den enormen Speichermengen bzw. vorgeblichen intelligenten Algorithmen, welche die Daten analysieren, damit man die „beste Kundenerfahrung“ machen kann. Damit lassen sich mittlerweile Umsätze wie ganze BIPs von anderen Nationen erzielen und wird damit immer erfolgreicher, sowie geradezu gefühlt unangreifbar.

Underdogs oder unabhängige Entwickler haben hier das Nachsehen, weil die politischen Regierungen mit den agilen Möglichkeiten des WWW naturgemäß nicht hinterher kommen und dem Überwachungskapitalismus nicht Herr werden. Zumindest hier hat in einigen Zügen die DSGVO/GDPR einiges an Arbeit und Impulsen geleistet.

Mozilla sollte nun versuchen, dass es weiterhin eine Daseinsberechtigung hat und der letzte Zertifikats-GAU hat gezeigt, dass es bei Problemen relativ gut reagieren kann und transparent mit dem Problem umgegangen ist. Das sehe ich als Pluspunkt für Mozilla.

Allerdings ist die Infopolitik durch eine zu große Entfernung zu den Nutzern ein Nachteil (Idee, registrierte Firefox-User mehr aktivieren oder Registrierung mehr erzeugen) und ich würde mir klar wünschen, dass man lieber den Browser offen und ehrlich mit einem kleinen Euro bezahlt, dafür aber so wenig externe Verbindungen zu Google oder „Sponsored Content“ hat, wie nur irgend möglich! Der wesentlichste Faktor ist, dass ich bereit wäre auch gerne Geld zu geben ist, dass ich die dafür erhaltene Qualität oder die Datenhohheit erkennen möchte. Wenn zig Smartphone- oder Betriebssystem-Appstore-Anbieter die dämlichsten Spiele- oder Pipifax-Apps für kleines Geld verhökern können, warum dann nicht für einen echt guten Browser etwas bezahlen?

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