Interview

Mozilla-CFO im Interview: Firefox will in „Coffee-Shop-Mode“ kostenloses VPN bieten

Noch kommen 90 Prozent von Mozillas Einkommen von Google. Aber CFO Roxi Wen will das Geschäftsmodell diversifizieren. (Foto: Mozilla)

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Im Juni wurde bekannt, dass Mozilla, die Firma hinter Firefox, sich breiter aufstellen will. Im t3n-Interview spricht Mozilla-CFO Roxi Wen über das geplante Abo-Modell.

Wenn man Roxi Wen, CFO von Mozilla, per Zoom anruft, wirkt auf den ersten Blick alles recht ruhig. Man sieht einen Konferenzraum mit einem Tisch, im Hintergrund scheint das gute Wetter von Mountain View in Kalifornien zum Fenster herein.

Was man nicht sieht: Die Firma Mozilla befindet sich gerade in einem der größten Umbrüche ihrer Geschichte. Erst im Sommer hatte CEO Chris Beard in einem t3n-Interview angekündigt, ein Premium-Modell für den Browser einzuführen.

Schon vorher hatte Firefox ein Addon mit Proton VPN getestet, und eine eine Partnerschaft mit der Firma Scroll. Hintergrund der neuen Unternehmensausrichtung ist auch ein offensichtlicher Widerspruch in der Strategie des Unternehmens: Mozilla ist ein soziales Unternehmen. Es geht nicht darum, Gewinn zu erwirtschaften und damit Eigentümern eine Dividende auszuzahlen. Es ist eine Art Stiftungsmodell. „Mozilla entwickelt Browser, Apps, Quelltext und Werkzeuge, für die Menschen über Profit stehen. Unsere Mission: Das Internet offen und für alle zugänglich zu halten“, schreibt Mozilla auf der Website. Es geht also gegen Big Tech, für den Nutzer. Das Problem dabei ist nur: 90 Prozent des Einkommens kriegt Mozilla direkt von Google überwiesen. Dafür, dass Mozilla Google als Standardsuchmaschine eingestellt hat.

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Früher oder später, heißt das, könnte es dem Not-for-Profit-Unternehmen gut stehen, sich zu diversifizieren. Und der Zeitpunkt scheint jetzt gekommen zu sein.

t3n: Euer CEO Chris Bear sagte mir im Sommer, Mozilla wolle das Geschäftsmodell breiter aufstellen. Wie soll das aussehen?

Roxi Wen: In unserem aktuellen Modell haben wir einen Vertrag mit Google, dass unsere Voreingestellte Suchmaschine ist. Wir bieten ihnen [Google] diesen Service und wir kriegen dafür eine jährliche Lizenzgebühr [„royalty payment“], die 90 Prozent unseres Einkommens ausmacht. Google ist voreingestellt, weil Google den größten Marktanteil hat, besonders in Europa, und wir können damit viele Nutzer erreichen. Wenn eines Tages jemand erfolgreicher wird als Google, werden wir mit dieser Person auch zusammenarbeiten, um die meisten Nutzer zu erreichen.

t3n: Aber von Google wolltet ihr euch ja etwas unabhängiger machen …

2017 haben wir Pocket gekauft. Der Kuchen wird dadurch größer. Anfang 2019 haben wir begonnen, auf verschiedenen Ebenen unser Einkommen zu diversifizieren. Das ist eine Antwort darauf, was aus dieser Industrie geworden ist. Die großen Tech-Unternehmen sind wirklich dominant, sie kontrollieren die Werbung und die Nutzer sind zum Opfer geworden, ihre Privatsphäre ist das Produkt geworden. Wir mögen das nicht, wir stellen uns vor unsere Nutzer, um ihnen eine Wahl anzubieten. Wenn sie sich dafür entscheiden, ihre Privatsphäre zu schützen, können sie für verschiedene Services bezahlen, die wir gerade entwickeln. Das wäre ein Abo-Modell.

t3n: Bei dem Pocket-Geschäftsmodell bezahlen Leute dafür, dass ihr Content den Nutzern angezeigt wird?

Das Geschäftsmodell von Pocket ist zweiseitig: Einerseits können Nutzer „Save it later“ abonnieren, und das andere ist die Partnerschaft mit Sponsored Content, der kuratiert und sorgfältig ausgewählt wird.

t3n: Das bedeutet, dass die zehn Prozent Einkommen, die nicht von Google sind, von Pocket kommen?

Größtenteils von Pocket. Wir haben aber auch einige andere kleine Einkommensquellen von Tech-Services, die wir anbieten: von Hololens beispielsweise, im VR- und AR-Raum.

t3n: Das neue Geschäftsmodell wäre dann ein Firefox-VPN, richtig? Wie viel soll das kosten, wenn es die Beta-Phase verlässt?

Diese Woche haben wir Private Network gestartet, einen sicheren Proxy. Wir wissen das [Preis] noch nicht genau, wir testen das noch am Markt, welches Modell am besten funktioniert. 

t3n: Was genau wäre der Unterschied zwischen anderen VPN und dem Angebot von Firefox?

Der Unterschied ist die Abdeckung: Der sichere Proxy bewegt sich mit dem Browser, ein VPN wäre auf dem System. Auf einem Handy würde das bedeuten: Unser Proxy schützt dich in deinem Browser, aber nicht, wenn du durch Apps navigierst.

Mozillas Firefox Private Network. (Bild:Mozilla)

Mozillas Firefox Private Network. (Grafik: Mozilla)

t3n: Und die Idee ist, Nutzern dadurch ihre Privatsphäre wiederzugeben?

Das aktuelle Geschäftsmodell [der Branche] ist: Die Nutzer glauben, dass alles umsonst ist. Aber die Daten, was man mag oder nicht, aus all dem wird ein Profil gemacht, und diese Information wird verkauft.

„Ich wurde für einen Job bei einem Einzelhändler angestellt, der eigentlich Klamotten verkaufen sollte, aber ein Großteil des Einkommens kam vom Verkauf von Kundendaten.“ – Mozilla-CFO Roxi Wen

Nutzerdaten sind das Produkt

Es ist ein großes Thema in der Tech-Industrie heute: Nutzerdaten sind das Produkt. Darum glauben wir, dass der Markt reif dafür ist, dass Mozilla sich vor die Nutzer stellt und ihnen Schutz bietet und eine Wahl. Leute werden immer noch online suchen und Sachen kaufen. Aber aus unserer Sicht ist es wichtig, dass es transparent ist, was mit den Daten passiert. Wo gehen die hin, nach einer Suche auf einer bestimmten Seite oder einem Einkauf? Nutzer sollen auswählen können: Wie viel willst du gesehen werden? Willst du komplett versteckt sein vor den Trackern Dritter? Das ist, was wir machen.

Das klingt jetzt alles sehr nach B2C, gibt es Pläne für B2B-Geschäfte?

Im Moment ist es ein B2B2C-Modell: Wir haben Verträge mit Suchmaschinen, B2B-Verträge. Unsere Beziehung mit der VR-Industrie ist eine B2B-Beziehung. Und während wir vorangehen, wird sich das meiste Geschäft in dem B2C-Bereich verlagern. All diese Geschäftsmodelle sind nichts Neues für uns. Die Frage ist nur, wie wir zum nächsten Level der Diversifikation kommen. Aber wichtiger als das Geschäftsmodell ist der Einfluss auf dem Markt.

t3n: Was genau macht ihr eigentlich mit Hololens?

Wir bieten Tech-Services an. Hololens ist einer unserer Partner im VR- und AR-Space. Und wir bieten ihnen für ihr nächstes Produkt den Firefox-Reality-Browser an, der wird da drauf sein. Später mag es andere Sachen geben, Unternehmenssicherheit ist ein Sektor, auf dem viel passiert.

Mozillas Firefox Reality Browser für AR und VR. (Bild: Mozilla)

Mozillas Firefox-Reality-Browser für AR und VR. (Grafik: Mozilla)

t3n.de: Den Beta-Prozess, den ihr jetzt in den USA startet, macht ihr dann auch in Deutschland?

Wie das Angebot dann aussieht, hängt auch davon ab, wie es genutzt wird. Es wird da eine Bezahlschranke ab einer bestimmten Menge Daten geben. Für alles darunter wird es einen Coffee-Shop-Mode geben, der kostenlos ist bis zu einer bestimmten Menge Gigabyte.

t3n.de: Chris hat erst vor kurzem seinen Rücktritt angekündigt. Habt ihr schon eine Idee, wer der nächste CEO werden könnte?

Wir suchen aktiv nach dem nächsten CEO. Chris wird Ende des Jahres zurücktreten. Danach wird unsere Gründerin und Vorstandsvorsitzende Mitchell Baker übernehmen, für eine Interimsperiode, bis ein neuer CEO gefunden ist.

t3n.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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Ein Kommentar
Fritz
Fritz

Habt Ihr diesen Artikel aus dem Englischen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz übersetzen lassen? Das liest sich alles sehr schräg…

Antworten

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