Interview

Neuer Byton-Chef Daniel Kirchert: „Wir waren von Anfang an ein Global Startup“

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Da muss man einfach mal auf die Fakten schauen: Unsere Investment-Plattform ist eine Cayman-Company, weil das der Standard ist, um sich auf einen Börsengang vorzubereiten.

t3n: Also auf den Cayman Islands registriert?

Ja, ganz genau. Das ist normal für eine Firma, die später einen IPO machen will. Ein weiterer Fakt ist, dass der größte Shareholder das Management-Team ist. Das sind Chinesen, Deutsche, Amerikaner – ein gemischtes Team. Wir haben extrem viel Kontakt gehabt mit deutschen Regierungsvertretern, mit den Botschaftern in China haben wir einen engen Dialog – und mit den amerikanischen Vertretungen wie der American Chamber of Commerce in China genauso.

t3n: Ich kenne die Cayman Islands vor allem für ihren Ruf als Steuerparadies.

Nein, also wenn Sie sich mal die Börsengänge an der Nasdaq anschauen, da sind glaube ich so rund 80 Prozent der Unternehmen dort registriert. Die haben einfach rechtlich gesehen das richtige Setup dafür und bieten daher gute Voraussetzungen für einen Börsengang.

t3n: Gerade eben haben Sie mit der Bürgermeisterin von Rotterdam gesprochen. Haben europäische Politiker wie sie nicht Angst, dass Wissen nach China abfließt durch Byton?

Nein, überhaupt nicht. Die Kooperation zwischen Europa und China ist sehr positiv. Die deutschen Politiker – auch die Bürgermeisterin gerade – sind hochgradig begeistert von unserem Konzept. Wir haben darüber geredet, ob es Möglichkeiten gibt, zusammenzuarbeiten. In China passiert gerade im Bereich Smart City unglaublich viel. Wenn wir die Mobilität nachhaltig verändern wollen, müssen wir das im Einklang mit Regulierung und Stadtplanung machen.

t3n: Nun haben die Niederlande natürlich keine eigene Autoindustrie. Aber äußern nicht deutsche Politiker diese Angst, dass deutsches Expertenwissen nach China wandert. Es sind ja gerade von BMW einige Spitzen-Manager und Ingenieure zu Byton gegangen.

„Bei unserer Grundsteinlegung des Werks in Nanjing vor 18 Monaten war zum Beispiel Gerhard Schröder. Der fand das total super.“

Wie gesagt: Wir sind ein globales Startup, bei dem das Management-Team im Lead ist. Bei unserer Grundsteinlegung des Werks in Nanjing vor 18 Monaten war zum Beispiel Gerhard Schröder. Der fand das total super. Er sagte, es sei genau richtig, was wir machen. Ich glaube, dass dieses Denken „Deutschland gegen China“ oder „USA gegen China“ das falsche Denken ist. Was wir machen, ist im Grunde aus Deutschland, den USA und China zu nehmen und es aber auch dort zu belassen.

t3n: Wie steht es denn um die Bekanntheit von Byton in Deutschland. Wir sind hier jetzt auf dem Greentech Festival in Berlin. Wie viele bleiben stehen und kennen die Marke Byton?

Es gibt natürlich viele, die das Auto hier zum ersten Mal sehen. Aber wir werden die Bekanntheit jetzt Schritt für Schritt erhöhen. Ich muss aber auch sagen: Wir haben uns bisher nicht so wahnsinnig bemüht, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Mit den Fans, die uns bereits kennen, kommunizieren wir aber bereits. Wir haben zum Beispiel rund 50 unserer Reservierungshalter zu einem Workshop eingeladen und hören uns an, was die zu sagen haben. Wir nennen das Pro-Creation.

t3n: Wie viele haben in Deutschland das Auto reserviert?

Für Deutschland weiß ich das nicht, aber global gibt es etwa 50.000 Reservierungen.

t3n: Was sagen Sie Leuten, die Befürchtungen wegen der Datensicherheit haben? Sind die Ihre Server in China?

Alle Clouds werden lokal gehostet, also für Europa in Europa, für China in China und für die USA in den USA. Wir befolgen alle Datenschutzbestimmungen – und da sind die europäischen Vorschriften sicher die strengsten. Das ist für uns ein Antrieb, ähnlich strengen Maßstäben auch in den USA und China zu genügen. Und jeder Kunde kann natürlich festlegen, was er in der Cloud speichern möchte und was nicht.

t3n: Wie teilen Sie persönlich Ihre Zeit auf zwischen Nanjing, München und Santa Clara?

… und dem Flugzeug! Ich würde sagen so 70 Prozent Nanjing, außerdem noch häufig Shanghai und Beijing, weil wir da auch Offices haben. Ansonsten Santa Clara und München. Diese Woche bin ich Montag in Santa Clara gewesen, Dienstag in Toronto, Mittwoch dann hier [in Berlin, Anmerkung der Redaktion] und heute Abend wieder in China.

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Klein und flink ist der Cityhopper E-Up. Mit seinem Preis von über 25.000 Euro ist das Modell aber um einiges teurer als der Einstiegspreis des normalen Up. Mit einem 82-PS-Motor ist der Wagen jedoch auch stärker ausgerüstet – aber für einen Kleinstwagen bleibt der Preis äußerst happig. (Foto: VW)

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t3n: Was war für Sie der größte Kulturschock in China?

Ich lebe schon seit 20 Jahren in China, es gibt für mich also keinen Kulturschock mehr. Ich habe schon in meiner Kindheit Chinesisch gelernt. Das ist meine zweite Heimat geworden. Wir haben über 20 Nationalitäten in unserem Team und 1.800 Mitarbeiter – etwas mehr als die Hälfte ist chinesisch. Es fühlen sich sowohl die chinesischen Mitarbeiter wohl und stolz, als auch die deutschen und amerikanischen – weil wir alle hier wirklich das Gefühl haben, eine globale Startup-Kultur aufzubauen. Und in China sind wir, glaube ich, das einzige Startup im Unicorn-Format, das von Ausländern gegründet wurde.

t3n: Was, glauben Sie, kann Europa von China lernen und umgekehrt?

Europa kann von China lernen, dass sie vor einigen Jahren aufgrund der Umweltsituation entschieden haben, bedingungslos auf Elektromobilität zu setzen. Elektromobilität ist nationales Entwicklungsziel, da geht es nicht um ein paar Subventionen. Es geht um den Aufbau des Ökosystems.

t3n: Also für die Ladeinfrastruktur zu sorgen?

Genau: Die Infrastruktur, Subventionen, das Ökosystem zu kreieren, auch die Rahmenbedingungen für Startups zum Beispiel beim Kapitalmarkt zu schaffen. Und das zweite Thema sind Smart-City-Lösungen. Dafür ist es wichtig, Piloten zu starten – das muss Europa jetzt machen. Dinge, die wir in Europa sehen, von denen China lernen kann sind der bedingungslose Fokus auf Qualität und Sicherheit aber beispielsweise auch Datenschutz. Das sind Dinge, die sicher auch für China relevant sind.

t3n: Ist denn das Prinzip Datenschutz überhaupt mit dem chinesischen Gesellschaftsmodell kompatibel? Will dort nicht der Staat immer auf Daten zugreifen?

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