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Newsgame zeigt den Arbeitsalltag der Amazon-Lagerarbeiter

Der Arbeitsalltag eines Amazon-Lagerarbeiters. (Screenshot: ABC News / t3n)

ABC News hat ein Newsgame entwickelt, das die Arbeitsbedingungen eines australischen Amazon-Lagerarbeiters widerspiegelt. Von Magie keine Spur. Hier kannst du es spielen!

Heute ist dein erster Tag als Amazon-Lagerarbeiter. Dein Trainer empfängt dich und findet große Worte. „Als Picker in diesem riesigen Lagerhaus, bist du ein Teil der Magie, die Amazon-Aufträge zum Leben erweckt“, beschreibt er den Job enthusiastisch. Damit ist die Euphorie aber auch schon vorbei. Denn schnell wird klar: Hier wird richtig geackert – und zwar für wenig Geld und ohne Garantien. „Alle Jobs sind befristet“, betont der Supervisor. „Da es sich um einen neuen Markt handelt, gibt es derzeit keine festen Arbeitsplätze.“ Das klingt eher nach Arbeitsbedingungen, die an die Fabriken im Manchester-Kapitalismus erinnern anstatt einem magischen Ort in einer hippen Zukunftsfirma. Das Szenario ist real. Amazon-Lagerarbeiter haben berichtet.

Amazon-Lagerarbeiter verdienen wenig und haben keine Sicherheiten

Amazon-Lagerarbeiter berichten von Akkordarbeit. (Screenshot: ABC News / t3n)

Der australische TV-Sender ABC hat diese und weitere Aussagen zum Vorbild genommen und ein Newsgame entwickelt, in dem Anwender den Alltag eines Lagerarbeiters in Melbourne nacherleben können. Und der ist voll gepackt mit Leistungskennzahlen und Bewertungsmechanismen. Ein Beispiel: Die sogenannte Amazon-Pace. Dahinter verbirgt sich die Durchschnittzeit, die ein Lagerarbeiter an einer Station benötigt, um ein Paket von A nach B zu bringen. Umso besser die Pace desto besser für den Mitarbeiter. Wer nicht schnell genug ist, braucht morgen nicht wiederzukommen. Die temporären Mini-Jobs machen es möglich. Per Smartphone bekommt der Mitarbeiter über eine Agentur am Abend das „Go“ oder „No“ für den kommenden Tag.

Amazon hat das Newsgame kritisiert. Es sei „absichtlich sensationell in der Berichterstattung und erniedrigt die hart arbeitenden Mitarbeiter, die in Amazons Fulfillment-Centern hervorragende Arbeit leisten.“ Geht es um die Arbeitsbedingungen in den Lagerhäuser, ist das jedoch die Standartantwort des E-Commerce-Riesen. Unzählige Berichte – nicht nur in Australien – zeichnen ein ähnliches Bild, wie in dem Spiel. Ende 2016 schrieb eine schottische Tageszeitung, dass mehrere Mitarbeiter direkt neben den Lagerhallen campierten, weil sie sich wegen des geringen Gehalts das tägliche Pendeln nicht leisten könnten. Im April 2018 berichtet ein britischer Journalist, dass Mitarbeiter sogar in Flaschen urinieren würden, weil es keine Zeit für Toilettengänge gäbe.

Newsgames legen Fokus auf katastrophale Zustände in der Gig-Economy

Newsgames wie „The Amazon Race“ werden immer häufiger genutzt, um der Öffentlichkeit die Situationen von den sogenannten „Gig-Arbeitern“ der Tech-Firmen deutlich zu machen. Die Gig Economy („Gig“ ist englisch für „Auftritt“) bezeichnet einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. So hat die Financial Time unlängst auch das „The Uber Game“ herausgegeben, das zeigt, wie anspruchsvoll und katastrophal entlohnt der Job eines Uber-Fahrers ist. Die würden häufig zehn bis zwölf Stunden arbeiten und unterlägen einem weitestgehend unreguliertem Wettbewerb. Das Spiel wurde mehrfach ausgezeichnet.

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Amazon hat umwälzende Veränderungen in der Handelswelt angestoßen. Aber sind die Prinzipen von Gründer Jeff Bezos wirklich so neu? Ein 130 Jahre alter Roman beweist das Gegenteil. Lies auch: Von wegen Genie! Jeff Bezos Prinzipien stammen aus dem Jahr 1848

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Eine Reaktion
Mussnicht

Nach Interviews mit ganzen 8 Personen hat man sicher eine eindeutige Datenbasis.

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