Ratgeber

Stressbewältigung: Das steckt hinter der OOOO+X-Methode von Rapper Curse

Stressbewältigung: Rapper Curse hat OOOO-X-Methode entwickelt. (Foto: Robert Eikelpoth)

Stressbewältigung und Achtsamkeit werden immer wichtiger in der Arbeitswelt. Michael Kurth, besser bekannt als Curse, hat eine Methode für mehr Achtsamkeit formuliert: „OOOO+X“.

Den Weg zu mehr Ruhe, Ausgeglichenheit und Freude im Leben, so Michael Kurth – vielen eher bekannt als Rapper Curse –, suchen wir alle auf die eine oder andere Weise: „Meist leben wir zu wenig im Hier und Jetzt und machen uns zu viele Sorgen um das, was sein wird oder sein könnte“, erklärt der Coach auf seiner Website. Genau das halte uns davon ab, glücklich zu sein. Wichtig ist, dass wir zufrieden mit uns sind. Dafür brauche es weniger starre Routinen als vielmehr vorausschauende Gewohnheiten. Der Künstler hat das erkannt und daraus ein eigenes Konzept entwickelt, das uns im Privat- und Arbeitsleben zufriedener machen soll. In seinem Buch „Stell dir vor, du wachst auf“ (Amazon, Thalia) präsentiert er die OOOO+X-Methode, die aus fünf Teilen besteht: Open Space, Obrigado, Ohm, Ocha und Exercise. In seinem Podcast hat er die Methode ebenfalls thematisiert.

OOOO+X-Methode: Zeit nehmen, achtsam sein

Die OOOO+X-Methode besteht aus Open Space, Obrigado, Ohm, Ocha und Exercise. (Foto: Robert Eikelpoth)

Open Space

Open Space steht dafür, sich einen Raum zu schaffen, in dem man sich mit den eigenen Gedanken beschäftigen kann. Kurth beschreibt das wie folgt: Wer morgens aufwacht, tut das in der Regel mithilfe eines Weckers. Heutzutage sei das oftmals ein Smartphone, das dann zudem schnell dazu verleitet, E-Mails oder Social-Media-Benachrichtigungen noch vor dem Aufstehen zu checken. Diese Abfolge habe jedoch zur Folge, dass der Tag direkt fremdbestimmt startet. „Die Wissenschaft sagt, dass uns das total unglücklich macht“, erklärt Kurth in seinem Podcast.  „Wir bringen uns damit in eine sehr reaktive Situation.“ Michael Kurth rät deshalb genau zum Gegenteil, nämlich bei sich zu bleiben. Sein Ratschlag: mindestens 15 bis 30 Minuten, in denen man nicht das Smartphone einschaltet und keine Nachrichten konsumiert. Das sei wichtig, um erstmal bei sich selbst zu sein.

Obrigado

Das portugiesische Wort für „Danke“ verweist auf Dankbarkeit als wichtigen Faktor, um ausgeglichen und motiviert durchs Leben zu gehen. „Wir leben zu oft in einem Mindstate, der uns sagt, du bist nicht genug“, so Michael Kurth in seinem Podcast. Er glaubt, dass wir uns im Alltag viel zu oft auf negative Dinge fokussieren: etwa darauf, dass man nicht fleißig genug sei, nicht genug Geld habe oder nicht genug geschlafen habe. Diese Dinge sind ärgerlich und vernebeln den Verstand. „Sehr oft haben wir solche Gedanken und die prägen, wie wir die Welt um uns herum und uns selbst wahrnehmen.“ Kurth rät dazu, ganz bewusst dankbar zu sein, um auch gute Dinge ins Gedächtnis zu holen. Hier komme ein Dankbarkeitsjournal ins Spiel. Egal, ob ein kleines Buch oder ein Zettel, es helfe, drei bis zehn Dinge täglich aufzuschreiben, für die man dankbar ist.

Ohm

Der Laut „Ohm“ steht für das, was naheliegt: Meditation. „Viele Menschen denken, es gehe darum sich hinzusetzen und nichts zu denken“, so Michael Kurth im Podcast. „Aber genau das ist es nicht.“ Meditation helfe zwar dabei, abzuschalten und Stressgefühle zu überwinden. Ziel sei es allerdings, die eigenen Gedanken mit der Wahrnehmung der Realität ins Reine zu bringen. Anfangs genüge es, sich dem Thema im Rahmen von fünf bis zehn Minuten anzunähern. Vor allem durch bewusstes Atmen können Gestresste sich Stück für Stück beruhigen und entspannen. Meditation galt lange als Esoterik, wird jedoch als Methode der Stressbewältigung immer populärer. Wer öfter meditiert, so Kurth, verbessere zudem seine Konzentrationsfähigkeit. Bei Menschen, die in großem Maße meditieren, ließen sich sogar Veränderungen in Hirnarealen nachweisen, die für Stress zuständig sind.

Ocha

Ocha wiederum ist Japanisch und steht für „Tee“. Kurth verweist hier nicht nur auf die wohltuende und aktivierende Wirkung von beispielsweise grünem Tee. Er stellt insbesondere das Ritual des Teekochens in den Vordergrund und will damit vor allem für eine Sache sensibilisieren: Aufmerksamkeit. Denn die Praktik des Teekochens an sich, fordert den Genießenden heraus, sich mit der Sache zu beschäftigen. Wasser wird aufgesetzt, der Tee wird in den Filter gegeben, muss ziehen und wird anschließend in Ruhe getrunken. „Wenn ich mir einen Tee mache, ist das wie eine fünfminütige Übung in Präsenz und Achtsamkeit“, erklärt Michael Kurth im Podcast. Es gäbe genug Momente, in denen der Kopf woanders ist, beim Teekochen jedoch sei man ganz bei sich. „Alles, worauf Aufmerksamkeit fällt, verändert sich“, erklärt der Coach.

Exercise

Regelmäßige sportliche Betätigung – Englisch: „Exercise“ – ist nicht nur gut für das Herz-Kreislauf-System und wirkt Muskel- und Rückenleiden entgegen, auch der Geist komme in Wechselwirkung mit dem Körper auf Trab. „Die Integration des Körpers ist eine sehr wichtige Sache“, so Michael Kurth im Podcast. Dabei gehe es gar nicht darum, täglich ins Fitnessstudio zu gehen. Bewegung könne auch in den Alltag eingebaut werden. Das könnten Liegestütze sein, die in die Morgenroutine integriert werden. Kurth verrät zudem, dass Freunde auf die sogenannte „Sieben-Minuten-Praxis“ schwören, die auf zwölf einfachen Übungen fußt, die nur auf dem Halten des Körpergewichts basieren. Aktive Bewegung hilft, den Körper gesund zu halten, aber auch, die Gedanken zu sortieren. Sport setze biochemische Prozesse in Gang, die gut tun, so Michael Kurth.

Stress und Druck: Verdichtung der Arbeit nimmt zu

Dass Michael Kurth mit seiner Methode ein sich verstärkendes Probleme der Arbeitsgesellschaft adressiert, zeigen auch aktuelle Studien. Zum einen hat die Techniker Krankenkasse in einer Vorabauswertung des Gesundheitsreports 2020 gezeigt, dass die Fehltage im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen auf Rekordniveau sind. Probleme bei der Stressbewältigung im Privat- und Arbeitsleben könnten bei entsprechender Vorbelastung zum Zünglein an der Waage werden – beispielsweise für Burnout. Außerdem zeigt eine Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, dass viele Menschen den Anforderungen der neuen Arbeitswelt nicht mehr standhalten. Darin wird deutlich, dass drei Viertel der Befragten mehr Multitasking und höheren Leistungserwartungen ausgesetzt seien. Von komplexeren Aufgaben als Grund für mehr Stress berichteten ebenfalls 71 Prozent. Die Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, für einen gesundheitlichen Ausgleich zu sorgen. Achtsamkeitstraining kann da eine wichtige Rolle spielen.

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