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Pallenberg schreibt Musk: Was wir Elon so alles zu verdanken haben

Tesla-Chef Elon Musk: Meister der vielen Versprechen. (Foto: dpa)
Lesezeit: 6 Min.
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Elon Musk ist nicht nur (wieder) der reichste Mensch der Welt. Er hat sich auch sonst an unterschiedlichsten Stellen ganz speziellen Dank verdient, auf bestimmte Weise zumindest. Sascha Pallenberg hat ihm für t3n einen Brief geschrieben.

Eigentlich haben die zwei Herren ja durchaus Gemeinsamkeiten. Beide lieben Autos, beide sind auf ihre eigene Art Techies und Nerds. Sascha Pallenberg ist Chief Awareness Officer bei der Plattform aware, vorher war er unter anderem vier Jahre als Head of Digital Transformation und Head of Digital Content bei der Daimler AG. Kein Wunder also, dass er ganz genau hinschaut, wenn es mal wieder Neues von Elon Musk zu lesen, zu hören und zu sehen gibt. Über Mangel an Material kann sich da niemand beklagen. Musk ist ohne Zweifel nicht nur aktuell mal wieder der reichste Mann der Welt, er ist einer der Hauptdarsteller der Digitalisierung.

Grund genug, um ein paar Worte an ihn zu richten. Da der gute Mister Musk persönlich eher schwer zu erreichen ist, hat Sascha Pallenberg ihm einen Brief geschrieben. Genau genommen hat er den Brief an Musk für t3n geschrieben. Dabei lohnt es sich, auch ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen.

Sascha Pallenberg. (Foto: Pallenberg)

Ein Brief an Elon Musk

Lieber Mr Musk,

du merkst schon, dass ich nicht direkt mit „Elon“ einsteige, obwohl dich ja wirklich jeder so nennt, als hätten sie mit dir noch gerade eben ein paar Marshmallows auf dem Dach deiner Gigafactory in Nevada gegrillt. Gut, ich könnte ins Felde führen, dass ich mich im März 2018 mal zwei Stunden in Austin angestellt habe, um dich mit deinem Bruder auf einer Bühne der SXSW tanzen sehen zu können … und das, obwohl das Event „Elon Musk answers your Question“ hieß. Dennoch – ich bleibe bei Mr Musk, biete dir ganz charmant das Du an und bin dir gar nicht mehr böse, dass du mir bisher nicht auf einen einzigen Tweets geantwortet hast. Aber hey, darum geht es hier gar nicht … Ich möchte mich mit diesen Zeilen mal ganz persönlich bei dir bedanken. Warum? Ich liebe Autos und letztendlich baust du ja Autos, um diesen Planeten zu retten. Besser könnte es für mich gar nicht kommen.

Fast fertig!

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Hyperloop und Raketen

Meine Leidenschaft für Autos wird zum Hebel, um diese Welt vor der Klimakatastrophe zu bewahren. Okay, wir hüllen jetzt mal den Mantel des Schweigens über die Lieferketten der Rohmaterialien und dass sich dafür zum Teil noch Kinder abbuckeln müssen, um die Bestandteile aktueller Batterien irgendwo im Kongo aus der Erde zu hauen … Geschenkt auch die Tatsache, dass der aktuelle Strommix irgendwie immer noch alles andere als klimaneutral ist. Irgendwo muss man ja mal anfangen. Das hast du getan. In der Entwicklung und im Design. Und genau da stehe ich gleich wieder auf und applaudiere dir: Du entwickelst Autos, Raketen, ja sogar die Zukunft der Mobilität: den Hyperloop. Mehr noch, du denkst darüber nach, dass wir bald schon in Raketen von Tokio nach New York fliegen. In 90 Minuten. Wahnsinn!

Aber das sind Zukunftsvisionen und ich finde, dadurch wird viel zu schnell von den genialen Entwicklungen abgelenkt, die du bereits heute der Menschheit bescherst und damit zeigst, wie für uns die Zukunft der Mobilität ausschauen könnte. Innerhalb von wenigen Jahren hast du es geschafft, eine fixe Idee nicht nur umzusetzen, du hast all den Stadtentwickler:innen und Verkehrsbetrieben ein dickes „in your Face“ gesendet, indem du in Las Vegas zeigst, wie wir in Zukunft durch unsere Städte fahren. Teslas in einem Tunnel. Genial! Und das alles auch noch viel günstiger als diese Amateure aus der U-Bahn-Branche … Loser! Kleinere Autos, kleinere Tunnel, dazu noch hier und da ein wenig Optimierung (wer braucht schon Notausstiege und Feuerlöschanlagen) und schon haben wir endlich die Lösung für all die Staus in unseren Städten. Besser noch, dein System ist einfach auch noch irre flexibel … Du kannst ja einfach mehrere Teslas aneinanderkoppeln und somit noch mehr Passagiere bewegen und irgendwann auch noch komplett autonom. Genial! Warum da wohl noch niemand vorher drauf gekommen ist?

Robotaxis im Anflug

Autonom ist übrigens die perfekte Überleitung! Autopilot hier, Full-Self-Driving dort. Als du zum ersten Mal 2015 davon gesprochen hast, dass ihr nur noch wenige Monate von Level 5 entfernt seid und ihr dann 2016 bereits auf eurer Website angegeben habt, dass alle Teslas nun mit der kompletten Hardware für das vollautomatisierte Fahren ausgestattet sind. Was haben die Wettbewerber damals über dich gelacht! Und wer lacht nun? Ja, wo sind denn die ganzen Hater jetzt? Die wenigsten dürften damit gerechnet haben, dass du bereits 2019 mal eben eine Million Robotaxis bis Ende 2020 ankündigen würdest. Da blieb doch all diesen Besserwissern die eigene Arroganz im Halse stecken.

Wobei diese verdammten Behörden und Regulierer … Mit denen müssen wir echt noch mal reden. Dass diese Schnarchnasen nicht ansatzweise wissen, was für Masterminds im Silicon Valley die Zukunft für uns alle denken und entwickeln, das war klar … Aber dass die wegen ein paar Dutzend Unfällen mit dem Autopiloten gleich eine Untersuchung starten, das riecht mir ganz schwer nach Big-Oil-Lobbyismus. Ach, was sag ich, das stinkt nach Diesel und zwar bis zum Himmel. Mindestens die Hälfte dieser Unfälle hätten vermieden werden können, wenn die Polizeifahrzeuge der Ordnungshüter:innen nicht mit Blaulicht und Co. die Systeme der in sie reinknallenden Teslas irritiert hätten. Da kann man doch auch mal ein wenig mitdenken oder ist „to serve and protect“ nur ein Marketingslogan der US-Polizeigewerkschaft? Ehrlich, was glauben die eigentlich, mit wem sie reden? Du landest Raketen und kündigst an, auch deine Fahrzeuge mit solchen Rocket-Boostern auszurüsten. Da kann man ja wohl mal ein wenig Demut von diesen Verwalter:innen einer überholten Oldschool-Mentalität erwarten!

Übersichtlicher Steuersatz

Immerhin bezahlst du mit deinen Steuerzahlungen auch deren Gehälter! Allein zwischen 2014 und 2018 hast du 455 Millionen US-Dollar an den Fiskus abgeführt. Gut, dass du in der Zeit allein 13,9 Milliarden Dollar mehr Vermögen angehäuft und somit faktisch nur einen Steuersatz von 3,27 Prozent hattest – geschenkt! Sollen die die Schutzmänner und -frauen doch auch einfach Kredite auf ihr Gehälter aufnehmen und damit das zu versteuernde Einkommen senken. Eine Methode, die vor allen Dingen für das Jahr 2020 noch einmal richtig wichtig wird für dich, denn schließlich konntest du abermals zeigen, was es bedeutet, ein erfolgreicher Unternehmer zu sein. Vor allen Dingen in Krisen! Während im letzten Jahr viele nicht wussten, wie sie ihre Mieten, geschweige denn die Gehälter ihrer Angestellten bezahlen sollten, hast du mal eben 140 Milliarden zusätzliches Vermögen angehäuft!

Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Kuwait oder Equador oder Kenia. So geht Business in der Krise, Freunde! Und davon wollen wir in Deutschland auch ein wenig haben … Welch ein Glück, dass die Steuerzahler in Europa das ähnlich sehen und es deshalb möglich ist, dass das Wasserschutzgebiet in Brandenburg eine Batteriezellproduktion bekommt. 1,1 Milliarden Euro dürften dieser strukturschwachen Region endlich neue Impulse geben und wer weiß, vielleicht wird ja sogar deine Vision für eine der am stärksten von Dürreperioden betroffenen Landschaften Wirklichkeit: Wasser! Jetzt werden die ersten schon durch Google News scrollen und sich fragen, ob sie denn eine weitere Ankündigung einer bisher nicht für möglich gehaltenen Erfindung verpasst haben …

Grünheide calling

Freunde, bei Genies wie Musk muss man zwischen den Zeilen lesen. Er denkt einfach weiter, ist progressiver und wenn er den offenbar mit eher recht limitierten Horizonts gesegneten Journalist:innen erklärt, dass es überall Wasser in Brandenburg gibt, dann kann das nur ein Wink mit dem Zaunpfahl sein! Plant Musk umfangreiche Entsalzungsanlagen am Timmendorfer Strand, die dann Wasser mit selbstfahrenden Teslas (natürlich in Tunneln, um den Hobbyisten von Kässbohrer mal zu zeigen, wie das geht) bis nach Grünheide liefern. Ein wenig mehr Erfindergeist und Fantasie würde den Damen und Herren der Medien mal gut zu Gesicht stehen, anstatt derartig langweilige Fragen zu stellen!

Wir alle, und damit möchte ich noch einmal final meine Dankbarkeit ausdrücken, wir alle dürfen uns glücklich schätzen, dass Mr Musk seine Genialität in den Dienste der Menschheit stellt. Wer sonst kämpft so effizient gegen diese Klimakrise? Wer sonst hat denn überhaupt einen Plan B für diesen Planeten und arbeitet daran, uns alle Richtung Mars ausfliegen zu können, und wer sonst warnt uns schon seit Jahren davor, dass die künstliche Intelligenz gefährlicher für den Fortbestand der Menschheit ist als sämtliche Atomwaffen zusammengenommen?

Und genau aus diesem Grund bin ich auch froh, dass es Mr Musk und sein Team der weltweit besten Robotik- und KI-Entwickler:innen in die Hand nehmen, und einen Roboter mit genau der KI entwickeln, vor der er so eindringlich warnt! Danke, und jetzt traue ich mich doch: Elon!

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5 Kommentare
Sam
Sam

Ja, ein bisschen Sarkasmus in Richtung Elon Musk tut gut und ist vollkommen berechtigt. Zu viel Erfolg kann Arroganz hervorbringen. Davon abgesehen gibt es trotzdem ein paar Errungenschaften die wir dank

Elon Musk vielleicht ein bisschen schneller haben werden. Tesla ist trotz Autopilot Flopp der Treiber der Elektrifizierung der weltweiten Autobranche. Es musste jemand vormachen dass Elektroautos für die Masse möglich sind, zu lange hat die weltweite Automobilbranche in der Zuschauer Riege verharrt. Die hohen Stückzahlen wo Tesla verkauft hat die Branche aufgeweckt und in Panik versetzt. Keiner möchte das nächste Nokia oder Kodak sein. In der Raumfahrt wirbelt er auch mächtig auf. Der Kilopreis für ein Objekt in den Orbit zu befördern wäre niemals so schnell gesunken ohne den Mut von Herrn Musk alles anders als die Platzhirsche zu machen. Und die meisten bekannte US Milliardäre zahlen noch deutlich weniger Steuern als Herrn Musk, was natürlich auch kein Trost ist.

Antworten
Joris
Joris

Es gibt einen guten Grund warum er kaum Steuern zahlt: sein Vermögen besteht fast ausschließlich aus Aktienanteilen aus seinen Unternehmen. Solange er die nicht verkauft, muss er darauf natürlich keine Steuern zahlen. Da er auf Gehalt verzichtet, eben auch wenig zu versteuerndes Einkommen. Wenn man sein zu versteuerndes Einkommen und seine gezahlten Steuern anguckt, sieht man dass er über 50% zahlt. Passt zwar leider nicht ins narrativ eines bösen Kapitalisten, ist aber so…

Antworten
Christian Schneider
Christian Schneider

Hallo Sascha,

Wie bei jedem – auch Musk ist angreifbar. Da er viel umsetzt, macht er viele Fehler.

Warum versteckst du deine Meinung in einem sarkastischen Artikel?

Wäre sie sonst zu leicht angreifbar?
Wer macht übrigens die Steuergesetze in USA? Wer erlässt diese in Deutschland?
Warum werden diese nicht geändert?
Wie wäre es mal mit etwas Hintergrundrecherche zu diesem doch sehr komplexen Thema? Gibt es hier auch Lobbyisten?

Antworten
Sascha Pallenberg
Sascha Pallenberg

Glaube mir, es gibt in Bezug auf Musk wenige Menschen, die derartig viel Hintergrundrecherche betrieben haben wie ich. Das sag ich mit all der fundamentalen Arroganz, die mir sonst sowas von fern liegt.

Antworten
Joe Blue
Joe Blue

Was für ein wirrer Text. Kobalt ist in den neuesten Tesla Akkus gar nicht mehr drin. Dann das Gejammer über die Steuern. Genau solche Typen sind es, die NICHT Leute wählen, die Superreiche und ihre Firmen besteuern wollen. Was Grünheide angeht: JA, Wasser ist KEIN Problem. Der Braunkohletagebaut nebenan benötigt das hundertfache an Wasser. WO IST DA DEIN PROTEST, Boomer?

Antworten

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