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Plädoyer für den Mittagsschlaf: Warum einem der Powernap nicht peinlich sein sollte

Nach dem Gang in die Kantine einen Mittagsschlaf machen? Das ist in Deutschland verpönt. Dabei wäre eine Viertelstunde Powernap eine gute Sache, die Stress verringert und uns wieder auftanken lässt.

3 Min. Lesezeit
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Powernap? Besser als sich durch den Nachmittag zu schleppen. (Foto: MiniStocker / Shutterstock)

Wie ernst der Leipziger Stadtrat Thomas Kumbernuß, Mitglied der Partei, seine jüngst geäußerte Forderung nach einem Mittagsschlaf als Teil der Arbeitszeit im Rathaus meint, darüber darf nur spekuliert werden – schließlich ist die Partei ja für ihre unkonventionellen, teilweise satirischen Ideen bekannt. Und doch ist an der Idee etwas dran – auch und gerade für Menschen, die den gesamten Tag in den Bildschirm starren und permanent kreativen Output erstellen müssen.

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Der Mittagsschlaf klingt nach purer Faulheit und ist – zumindest in unserem Kulturkreis – verpönt, wenn nicht gar ein Tabu. In einigen asiatischen Unternehmen ruft das mehr oder weniger ritualisierte Kraftsammeln dagegen keinerlei Erstaunen hervor. Denn es gibt viele gute Gründe dafür, gerade dem Nachmittags-Tief zu entgehen, indem man kurz die Augen zumacht, für 15 Minuten auftankt und danach wieder voll einsatzfähig ist, anstatt mit dem Verdauen und den zufallenden Augen zu kämpfen.

Wie die Gesundheitswissenschaftlerin Maria Schumann im t3n-Gespräch erklärt, kann ein Mittagsschlaf von 15 bis 20 Minuten durchaus dazu beitragen, dass du danach wieder voll einsatzfähig bist. Länger sollte das Ganze allerdings auch nicht dauern, damit du nicht in eine Tiefschlafphase fällst, aus der du so schnell nicht wieder „die Systeme hochfährst“. Auch Schlafforscher predigen, dass zwei Schlafphasen im Laufe von 24 Stunden dem menschlichen Biorhythmus entgegenkommen und dazu beitragen können, Stress abzubauen und Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Der Idee des „Powernap“ lässt sich diesbezüglich also viel abgewinnen.

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Mittagsschlaf bietet sich im Homeoffice an – und muss nicht peinlich sein

Und gerade wer die Freiheit des Homeoffice hat, kann diese Zeit gut in den Arbeitsalltag integrieren – und sollte das auch tun, weil die Couch oder das Bett ja in erreichbarer Nähe sind. Das ist zumindest zielführender als sich über die nächsten Stunden zu zwingen und das Mittagsloch nur mit Mühe zu meistern. Denn das sorgt für die Ausschüttung entsprechender Stresshormone und beeinflusst das Wohlbefinden.

Bekannt ist, dass der Mittagsschlaf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren kann, wobei eine direkte und eindeutige Kausalität allerdings nicht bewiesen ist. Wahrscheinlich, so urteilten Mediziner:innen vor einigen Jahren, besteht aber zumindest ein Zusammenhang mit mehr Achtsamkeit für den eigenen Körper, die sich auch daran bemerkbar macht, dass man sich die kleine Auszeit am Nachmittag gönnt.

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Ganz so weit zu gehen wie Salvador Dali brauchst du dabei übrigens nicht: Von dem Maler ist überliefert, dass er sich für den Powernap in einen Sessel setzte und einen Löffel in die Hand nahm. Schlief er ein und entspannte sich, fiel der Löffel aufgrund der erschlaffenden Muskulatur herunter – und der Künstler erwachte wieder. Vielleicht tut es ja auch der Timer auf dem Smartphone …

Powernap im Büroalltag auch am Schreibtisch möglich

Schwieriger wird all das schon in einer Büroumgebung. Während von einzelnen Unternehmen, insbesondere im Silicon Valley, berichtet wird, dass sie Schlaf- oder Massagesessel bereitstellen, in die sich Mitarbeitende für ein paar Minuten zurückziehen können, dürfte der normale Büroangestellte eher seinen Schreibtischstuhl zur Verfügung haben. Doch auch hier kann und sollte man für fünf Minuten die Augen schließen – insbesondere jene, die nicht im Großraumbüro arbeiten. Alternativ ergibt sich zumindest im Sommer in vielen Unternehmen die Möglichkeit, für ein paar Minuten eine Bank oder ein ruhiges Plätzchen in der Umgebung zu finden.

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Muss einem das peinlich sein? Nein – denn deutlich peinlicher ist es, wenn man im nächsten Meeting mit den zufallenden Augen kämpft oder sich durch den gesamten Nachmittag schleppt. Sinnvoll wäre es also, wenn Unternehmen ihren Belegschaften explizit den Mittagsschlaf als Phase des Auftankens zugestehen würden, ähnlich wie sie inzwischen vielfach eingesehen haben, dass Mental Health und Achtsamkeit für Stress und psychische Herausforderungen ein Thema sind, das zum Arbeitsalltag dazugehört.

Ob ein verordneter Mittagsschlaf, wie ihn der Leipziger Stadtrat fordert, allerdings der guten Sache dient, darf bezweifelt werden. Denn Kumbernuß beantragt: „Der tägliche Mittagsschlaf ist als Arbeitszeit zu erfassen. Er ist innerhalb der Arbeitszeit durchzuführen und soll frühestens eine Stunde nach Arbeitsaufnahme beginnen und spätestens eine Stunde vor dem Feierabend enden. Alle Mitarbeitenden mit mehr als sechs Stunden Arbeitszeit am Tag sind von der Regelung einzubeziehen.“ Selbst die Leipziger Linkenfraktion, zu der Kumbernuß in der Ratsersammlung gehört, distanzierte sich von der Idee. In der Tat dürfte der Antragsteller mit seinem mehr oder weniger ernst gemeinten Vorstoß der an sich guten Idee einen Bärendienst erwiesen haben.

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Felix Krupp-Materna

Seitdem wir im Home Office sind, also seit Corona, gönne ich mir auch einige Schlafpausen über den Tag verteilt.

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