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Porträt

Podcast-Bros! Diese zwei Gründer verraten, wie sie gut drauf bleiben

Philip Siefer und Matze Hielscher v.l. (Foto: t3n.de)

Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Bei Matze Hielscher und Philip Siefer ist es der Gründeralltag, aus dem zuerst ein Podcast und dann eine feste Freundschaft entstanden ist. Ein Porträt.

Wer sich mit Matze Hielscher und Philip Siefer zum Interview trifft, bekommt schnell das Gefühl, geradewegs in eine langjährige Männerfreundschaft geraten zu sein. Es wird sich herzlich umarmt und Insider-Witze gehen schon mal mit einem High-five einher. Beide bevorzugen sogar die gleiche Biermarke. Und bevor man so über die Themen redet, für die man eigentlich zusammengekommen ist, wird sich noch ausgiebig über das Neueste im Privatleben unterhalten – über die Tante, die auf die Einladung zur Hochzeit mit Geraune reagiert, oder das politisch etwas auf Abwege geratene Familienmitglied, mit dem man sich aber eigentlich ganz gut versteht. Die beiden Wahl-Berliner teilen offenbar alles. Doch der Schein trügt bisweilen: Von einer „langjährigen Männerfreundschaft“ kann nämlich überhaupt gar nicht die Rede sein.

Tatsächlich haben die beiden Unternehmer sich erst vor knapp einem Jahr kennengelernt. Hielscher wollte Siefer auf der OMR für seinen „Hotel Matze“-Podcast interviewen. Auf der vorabendlichen VIP-Party sind die beiden sich erstmals begegnet. „Hi, ich bin der mit dem Podcast!“, begrüßte der Mit-Vergnügen-Chef damals den Mitgründer des Kondom-Startups Einhorn. Zwischen Craft Beer und Häppchen hat es dann gefunkt. Beide wichen sich nicht mehr von der Seite. Das ging sogar so weit, dass einer der Event-Veranstalter auf die beiden Gäste zuging und sie mit den Worten „Ihr könnt nicht nebeneinander sitzen, ihr müsst morgen noch den Podcast aufnehmen!“ voneinander trennte. „Wir haben angefangen, zu quatschen, und konnten einfach nicht mehr aufhören“, erzählt Philip Siefer mit breitem Lachen.

Anders als mit dem Star-Friseur Udo Walz, den Matze Hielscher einige Zeit zuvor für ein Interview gewinnen konnte und die sich beide zunächst überhaupt nicht grün waren, hat der Podcaster in Philip Siefer nicht nur sofort einen redseligen Gesprächspartner gefunden, sondern offenbar auch einen Gleichgesinnten. Denn auch nach der Aufnahme trafen sich die beiden Unternehmer regelmäßig und unterhielten sich über dies und das und jenes. Hauptsächlich aber über die Parallelen in deren Gründeralltag. „Obwohl wir beide in ganz anderen Bereichen unterwegs sind, konnten wir erstaunlich häufig über gleiche Erfahrungen sprechen“, verrät Matze Hielscher. „Wir haben sehr empathisch über unsere Herausforderungen gesprochen und dann manchmal nach zwei Stunden gesagt: Fuck, das hätten wir eigentlich aufnehmen müssen“, ergänzt Siefer.

Ein Podcast als Selbsthilfegruppe

Die Idee war natürlich gut. Und doch brauchte sie etwas Zeit, bis sie allmählich im Kopf von Hielscher Formen anzunehmen begann. Schlussendlich führte sie dann doch zu einem neuen Format: „Ich habe Hotel Matze ja schon anderthalb Jahre gemacht und über Weihnachten dachte ich dann: Eigentlich fände ich es echt cool, wenn da irgendwas Regelmäßiges drin wäre“, erklärt der Podcaster. Während er sonst Gäste wie die Rapperin Visa Vie, den Youtuber Fynn Kliemann oder den Moderator Klaas Heufer-Umlauf zu deren bewegten Leben befragt, dreht sich seit Januar 2018 einmal im Monat alles um die beiden Hauptstädter und deren Gründeralltag. Darum, wie sie als Unternehmer ticken. Aber auch, wie sie trotz des Leistungsdrucks im Arbeitsleben immer gut drauf bleiben. Es ist sogar die Rede von der „gemeinsamen Selbsthilfegruppe“.

Dabei sind die beiden Gründer in ihrer Themenfindung nicht nur kreativ, sondern auch sehr geordnet. Wobei schnell der Eindruck entsteht, dass Letzteres vor allem Matze Hielscher zu verdanken ist. Beide führen beispielsweise eine Excel-Tabelle, in der sie aufschreiben, was jeweils das Highlight des Tages für sie war. Hinter der Idee steckt eine Tradition, die Hielscher mit seinem Kind teilt. „Wenn ich meinen Sohn ins Bett bringe, frage ich immer: ‚Was war denn das Coolste des Tages für dich?‘“. Der erzähle dann immer mit großen Augen und gehe anschließend mit positiven Gedanken zu Bett. Die Idee zur gemeinsamen Liste der Gründer, die daraus entstanden ist, ist nicht nur Quelle für spannende Themen im Podcast, die beiden schwören auch, dass sie den gleichen Effekt bei ihnen entfalte wie bei dem Sohnemann.

„Wir reden gerne über alles, was uns beschäftigt, aber oft hängt unser eigenes Leben ja nicht nur an uns.“

Es sind Tipps wie diese, die die Hörer der beiden Unternehmer frei Haus geliefert bekommen. Daneben begleiten Fans aber auch spannende Challenges. So kam es in einer Folge vor, dass sie sich über die Wichtigkeit des Neinsagens unterhielten. Dass sie nur so sicherstellen könnten, sich nicht zu verzetteln und dem Risiko entgehen, ihre Energie in unwichtige Projekte zu stecken. Siefer fiel das zunächst leichter als Hielscher. Und so ist die Challenge geboren, einmal am Tag zu Aufgaben und Anfragen „Nein“ zu sagen, die auf den ersten Blick zwar spannend erscheinen, jedoch nicht auf die Unternehmensziele einzahlen. Allein die Auswertung dieser Geschichte könnte ganze Ratgeber füllen. Alles immer selbst und sofort machen zu wollen ist ein Problem unter vielen Unternehmern. „Ich hab da von Philip gelernt“, sagt der Mit-Vergnügen-Gründer.

Grundsätzlich gibt es wenig, über das die beiden Männer nicht reden. Aber einige Tabus haben sie sich dann doch auferlegt. Über die Ehefrauen möchte man beispielsweise nicht allzu offen sprechen. Und auch Mitarbeiterthemen seien mit Vorsicht zu genießen. „Da muss man natürlich aufpassen und darf sich auch nichts vormachen“, erklärt Matze Hielscher. „Es gibt Sachen, über die können wir nicht sprechen, weil es Schwierigkeiten geben kann.“ Dass das trotzdem vorkommt, räumt Philip Siefer zwar ein. Allerdings immer mit dem gebührenden Respekt, wie er betont. „Wir reden gerne über alles, was uns beschäftigt, aber oft hängt unser eigenes Leben ja nicht nur an uns“, erklärt der Einhorn-Mitgründer. „Wir holen niemanden rein, der gerade nicht entscheiden kann, ob er das überhaupt will. Das wäre einfach kein gutes Benehmen!“

Podcast-Dauergast im Hotel Matze

Podcast-Dauergast im Hotel Matze: Philip Siefer und Matze Hielscher (v.l.) unterhalten sich über ihren Gründeralltag. (Foto: t3n.de)

Eine immer wieder aufkommende Frage unter den Hörern lautet: Warum bleibt der Gründertalk eigentlich ein Hotel-Matze-Format, obwohl es mit der ursprünglichen Interview-Serie doch gar nichts zu tun hat? „Ich hatte ganz am Anfang darüber nachgedacht und kaue auch heute immer mal wieder darauf rum, da auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mich häufig darauf ansprechen“, verrät Hielscher. „Aber ich weiß eben auch, wie schwer es ist, sich eine Audience aufzubauen.“ Die Audience, also das Publikum, umfasst immerhin 30.000 bis 40.000 Hörer. Das ist eine ganze Menge. So viel, dass selbst Philip Siefer, der bis dato keine Ahnung hatte, überrascht ist. „Das ist ja enorm viel“, sagt er erstaunt. „Ja, das ist ordentlich“, entgegnet Matze Hielscher. Tatsächlich gehört „Hotel Matze“ zu den populärsten Podcasts in Deutschland.

„Ich finde es nicht besonders problematisch, die beiden Shows zu verbinden“, erklärt Podcaster Hielscher und weist darauf hin, dass das Hotel Matze im weitesten Sinne ja auch ein persönliches Format sei. „Im Grunde merkt doch auch jeder sofort, wenn ich mit Philip spreche“, sagt er. „Wen das dann nicht interessiert, steigt halt aus.“ Das mache er ja bei anderen Podcasts auch so, wenn der Gesprächspartner ihn nicht abholt. Dass man jedoch nicht ausschließen könne, dass die Show sich irgendwann einmal in die Richtung entwickelt, lassen die beiden Männer zumindest theoretisch im Raum stehen. „Wir lassen das jetzt mal ein paar Monate laufen und gucken dann nochmal drauf“, sagt Matze Hielscher. „Und wenn wir dann sagen, wir wollen es jetzt Hotel Phatze nennen, kann man das ja auch einfach machen“, pflichtet Philip Siefer ihm bei.

Auch wenn der Einhorn-Gründer wissen lässt, dass er stolz darauf ist, „der einzige Dauergast in Matzes Show“ zu sein, sieht er sich derzeit gerne als ständigen Besucher, der einmal monatlich in die vier Wände des Unternehmerkumpels kommt, um zu quatschen. So viel Bescheidenheit steht ihm natürlich. Vielleicht ist es aber auch genau das, was eine gute Männerfreundschaft schlussendlich ausmacht. Selbst wenn sie erst ein paar Monate besteht. Dass man einfach eine gute Zeit zusammen verbringt, hin und wieder mal beim Bierchen über das reden kann, was einen bewegt und sich ganz ohne Erwartungshaltung gegenübertritt, ist ein großes Privileg. Die beiden Kumpel stehen nach dem Termin jedenfalls noch länger zusammen und reden ohne Punkt und Komma: Vielleicht ja schon über die nächste Folge – oder über die Verwandtschaft.

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