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Preisfehler im Onlinehandel: Warum Kunden manchmal doch etwas geschenkt bekommen

(Bild: Daniel Jedzura / Shutterstock

Ein Gutscheinfehler bei Amazon sorgte letzte Woche einige Stunden lang für Schnäppchenfieber. Und in einigen Fällen haben Kunden bei einem Preisfehler tatsächlich Glück, wenn ein Onlinehändler liefert. 

Es war ein Fest für die Mydealz-Community: An einem Abend vergangene Woche informierte ein Nutzer die Schnäppchenjäger über einen offenbar falsch konfigurierten Gutschein bei Amazon. Anstatt nur bestimmte Spiele um 10 Euro zu rabattieren, konnte man mit einem Trick jede beliebige Ware 10 Euro billiger bekommen. Nahm man das dazugehörige Spiel an der Kasse wieder aus dem Warenkorb, blieb der Rabatt dennoch bestehen. So ließen sich bestimmte Artikel gänzlich kostenlos bestellen, insbesondere wenn aufgrund einer Prime-Mitgliedschaft die Versandkosten entfielen. Infolge dessen bestellten viele Mitglieder maßlos – nicht zwei oder dreimal, nicht zehnmal, einige laut der Kommentare etliche Dutzend mal.

Preisfehler: 10 Euro Rabatt – so oft der Kunde bestellte

Und Amazon lieferte. Schenkt man den Bildern mit den aufgestapelten Paketen, die an den Folgetagen in der Mydealz-Community gepostet wurden, Glauben, haben einige Nutzer den Händler um mehrere hundert Euro ärmer gemacht und den Paketboten ein paar arbeitsreiche Tage beschert. Amazon selbst äußert sich zu den Vorgängen nur in der gewohnt nichtssagenden Weise: Man habe Kunden, deren Bestellungen storniert wurden, darüber informiert. Wie viele das waren und wie viele dieser kostenfreien Bestellungen durchgingen – Geschäftsgeheimnis. Und auch wenn das Spektakel nur über einige Stunden ging, dürfte Amazon hier ordentlich draufgezahlt haben.

Doch wie verhält es sich eigentlich tatsächlich mit Preisfehlern, falsch konfigurierten Gutscheinen und anderen Vergünstigungen, die zu schön sind, um wahr zu sein? Grundsätzlich ist jedes Angebot auf einer Website erst einmal nur ein Angebot an den Kunden und bedarf der Annahme durch den Händler – nicht umgekehrt. Dieser Rechtsgrundsatz heißt „invitatio ad offerandum“.

Nicht immer können sich Händler auf einen Preisfehler berufen

Im Normalfall kommt ein Kaufvertrag dann zustande, wenn der Händler die Bestellung tatsächlich ausliefert und nicht nur deren Eingang bestätigt oder wenn er das Geld des Kunden in Empfang nimmt. Händler müssen hier besonders vorsichtig sein, wenn sie mit Paypal oder anderen Diensten arbeiten, die das Geld des Kunden automatisiert einziehen. Dann nämlich gilt das Geschäft als besiegelt und der Kunde hätte gute Chancen, eine Ware vor Gericht zu erkämpfen.

Doch es gibt noch eine Hintertür für den Händler, die er aber in der Regel nicht nutzen wird – es sei denn, es handelt sich um einen gravierenden Vermögensschaden: Nach BGB § 119 Abs. 1 kann sich der Händler auf einen „Erklärungsirrtum“ in Form eines „Datenverarbeitungsfehler / Eingabefehler“ berufen und auch später den Kauf noch anfechten. Er kann dann die Ware zurückfordern. Die Frage ist allerdings, ob die bis dahin ja benutzte Ware und die schlechte Presse diesen Aufwand wert sind. Und noch etwas kommt hinzu: Gegenüber dem Händler kann der Kunde einen Vertrauensschaden geltend machen, also Schadenersatz fordern, etwa wenn er den Artikel nun anderswo teurer erwerben muss.

Auf der nächsten Seite erfährst du, wann du bei Schnäppchen besser von einem Preisfehler ausgehst und wann du die Ware getrost öffnen kannst, ohne Rückforderungen zu befürchten.

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