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Interview

Verpasste Chance? Was der SAP-Innovationschef über Slack denkt

SAP-Innovationschef Jürgen Müller. (Foto: Kay Herschelmann)

Jürgen Müller soll als Chef Innovation Officer von SAP den Traditionskonzern fit für die Zukunft machen. In der Themenwoche Digitale Transformation verrät er uns seine Strategie.

Bei der Digitalisierung hat SAP lange kein Höchsttempo vorgelegt. Den vor Jahren aufstrebenden Cloud-Trend beispielsweise hat der Konzern verschlafen und bis heute weitgehend Google oder Amazon überlassen. In einer Studie unter den Dax-Konzernen, die in ihren Geschäftsberichten am häufigsten über die Digitale Transformation Auskunft geben, belegte SAP sogar nur 22. Platz.

Hinzu kam das angestaubte Image der Softwareprodukte, das SAP-Aufsichtsratchef Hasso Plattner 2013 sogar zu einer öffentlichen Kritik am eigenen Lebenswerk veranlasste: Die Software des Konzerns müsse „dringend“ benutzerfreundlicher werden. „Unser langjähriger Kunde Nestlé hat damit gedroht, dass sie künftig in der Benutzeroberfläche mit unserem US-Wettbewerber Salesforce zusammenarbeiten“, sagte Plattner damals.

Inzwischen haben die Walldorfer nicht nur bei der Software nachgebessert. Im vergangenen Jahr installierte der Konzern erstmals in seiner Historie einen Chief Innovation Officer: Jürgen Müller. Er soll alle Aktivitäten verantworten, die das Geschäft von SAP vorantreiben sollen. Zum Gespräch im Berliner SAP.io-Accelerator erscheint Müller in Jeans, Turnschuhen und lässig schwarzem T-Shirt. Wie sehen die Pläne für die Digitalisierung von SAP konkret aus? Auf welche Technologien wettet der Konzern in den nächsten Jahren? Im Interview erklärt Müller seine Strategie.

t3n.de: Jürgen, was ist der größte Fehler, den Unternehmen machen können, wenn sie innovativer sein wollen?

Erstens: sich nur auf ihr Kerngeschäft verlassen. Zweitens: niemanden zu haben, der sich dediziert mit Innovationen beschäftigt.

t3n.de: Also braucht jeder einen Chief Innovation Officer? Dieser Titel steht ja auch auf deiner Visitenkarte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man wieder mehr Innovationsgeist in ein Unternehmen bekommen kann. Google beispielsweise hat das über ein Innovationslabor und viele verteilte Tochterfirmen gelöst. Andere kaufen die Technologien einfach teuer ein. Egal wie man es macht – Hauptsache, einer kümmert sich. Das kann natürlich ein Chief Innovation Officer sein.

t3n.de: Was macht so eine Person eigentlich genau?

Die Innovationskraft des Unternehmens stärken. Ich verantworte die gesamte Kette vom Trendscouting, zum Beispiel im Bereich Quantum-Computing, bis hin zur produktiven Umsetzung, wie im Fall von Machine Learning. Ich suche gezielt nach neuen Geschäftsfeldern, die für SAP spannend sein könnten. Über diese Themen und die größere Innovationsstrategie führen wir innerhalb des Unternehmens einen breiten Dialog. Unter anderem überlegen wir gemeinsam, wie wir die richtigen Technologien implementieren können.

t3n.de: Was sind das für Werkzeuge?

Um mal einen wichtigen Baustein von ganzen vielen zu nennen: Die Zusammenarbeit mit Startups. Neulich haben wir einen weiteren Accelerator eröffnet - in Berlin mit dem Schwerpunkt auf Machine Learning. Ich treffe mich dort mit vielen Gründern, schaue mir ihre Ideen an und vermittle ihnen die richtigen Ansprechpartner innerhalb des Konzerns.

t3n.de: Aber dieses Werkzeug ist ja nicht neu. Corporate-Acceleratoren sind inzwischen ein alter Hut.

Das ist richtig. Aber in Deutschland im Allgemeinen und Berlin im Besonderen sehen wir noch viel Nachholbedarf bei der Förderung von Startups aus dem B2B-Bereich. Und wenn wir über B2B reden, kommt man an SAP kaum vorbei.

t3n.de: Wieso nicht?

Wegen unserer Erfahrung. Kaum jemand kennt den Bereich B2B so gut wie SAP. Hinzu kommt, dass wir für Gründer eine vielversprechende Plattform für den Vertrieb ihrer Produkte darstellen. Vom Mittelständler bis zum Großkonzern decken wir alle relevanten Zielgruppen ab. Weltweit reden wir da über potenzielle 350.000 Kunden.

t3n.de: Und wie will SAP davon profitieren?

Zum Beispiel über Technologiepartnerschaften. Das heißt, wenn sich ein Startup gut entwickelt, können wir zu unseren Kunden gehen und sagen: Hey, für euer Problem haben wir da eine SAP-Software, und komplementär dazu können wir noch eine Startup-Lösung anbieten, die schon auf unser Cloud-Plattform integriert ist.

t3n.de: Übernahmen sind also nicht das Hauptziel? Immerhin habt ihr neulich ein Daten-Startup aus Israel für 350 Millionen US-Dollar gekauft.

Wenn es nicht nur eine Produktintegration sein soll sondern ein fester Kern unserer Cloud-Plattform, dann ist das selbstverständlich immer eine Option.

t3n.de: Die Förderung von Startups braucht aber viel Geduld und wenn es kriselt, wird häufig zuerst in den Bereichen eines Unternehmens gespart, die nicht zum Kernbereich gehören.

Ja, das Problem ist uns bekannt. Unser Rezept dagegen ist: aktiv mit den Startups zusammenarbeiten und die Ideen zunächst frei im Konzernumfeld gedeihen lassen. Ganz ohne Zwang oder die Herausgabe von Unternehmensanteilen. Läuft es dann gut, schauen wir gemeinsam, wie es weitergeht. Dass ein Startup im schlimmsten Fall auch scheitern kann, gehört für uns dazu.

t3n.de: Hast du mal ein paar Beispiele für die Startups? An welchen Technologien wird da konkret gearbeitet?

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Eine Reaktion
waschi

"Zum Gespräch im Berliner SAP.io-Accelerator erscheint Müller in Jeans, Turnschuhen und lässig schwarzem T-Shirt." --> Und wieso ist er dann im Anzug auf dem Foto zu sehen?

Natürlich hat Innovation zwei Seiten. Aber im Interview wird Innovation im Kernbereich/Kerngeschäft total vernachlässigt. Was ist damit? Sieht SAP nicht gerade auch hier im Kampf mit SalesForce noch viel aufzuholen? Einfach ein Beispiel: idealo nutzt die SalesForce Marketing Cloud, um Daten über Nutzer vorzuhalten und E-Mail-Kampagnen zu fahren. Wurde dazu gekauft und in SalesForce integriert. Bei den ganzen SAP-System, die wir im Einsatz haben, sehe ich nichts dergleichen.

Und eine weitere Frage: Kümmert sich der Chief Innovation Officer auch um die Kultur? Aus meiner Sicht ist die Frage nach der Kultur ein wichtiger Faktor für Innovation im Unternehmen. Was macht SAP dort?

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