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Interview

Smart-Chefin Annette Winkler: „Ein Auto zu bauen, geht nicht mal eben so“

Smart-Chefin Anette Winkler. (Foto: dpa)

Annette Winkler ist Chefin der Daimler-Tochter Smart. Im Interview mit t3n.de spricht sie über die neue mögliche Konkurrenz von Google bis Apple, wer aus ihrer Sicht beim Auto der Zukunft den Ton angibt und warum alle Smarts elektrisch werden.

t3n.de: Frau Winkler, hat das Auto im Privatbesitz noch Zukunft?

Annette Winkler: Ich glaube, dass es auch zukünftig noch viele Menschen geben wird – und zwar auch in dem Mikrosegment, in dem Smart unterwegs ist –, die ihr eigenes Auto haben wollen. Und da wird der Smart auch in Zukunft das Erstfahrzeug oder einzige Fahrzeug in der Familie sein. Wir haben uns entschieden, den Smart nach USA und Kanada, wo das bereits seit einem Jahr gilt, ab 2020 nun auch in Europa ausschließlich als elektrische Variante anzubieten. Ich glaube, dass der Smart dann auch nochmals stärker als Zweit- und Drittfahrzeug genutzt wird. Aber ich glaube in der Tat auch, dass ein weiterer großer Bereich das Carsharing sein wird und in der Stadt auch immer weiter zunimmt. Wenn es die Anforderung gibt, dass diese künftigen Sharing-Flotten elektrisch betrieben werden, sind wir darauf mit unserem elektrischen Smart perfekt vorbereitet.

Der Smart wird aus Ihrer Sicht also eine größere Rolle spielen, wenn der Privatbesitz von Autos zurückgeht in Städten?

Ja, unter anderem deshalb haben wir diese Entscheidung getroffen, nur noch vollelektrische Autos zu bauen. Das ist jetzt unsere kurzfristige Vision – und Smart ist schnell, also setzen wir das schnell um. Unsere langfristige Vision zeigt unser Konzeptauto Smart Vision EQ fortwo. Das ist, glaube ich, das radikalste Carsharing-Auto, das je gezeigt wurde. Es hat kein Lenkrad und keine Pedale und fährt komplett autonom. Tendenziell wird es in den Städten mehr Menschen geben, die sagen, dass sie kein eigenes Auto mehr brauchen. Nur in dem Moment, in dem ich mich in ein fremdes Auto setze, muss ich das Gefühl haben, es sei mein eigenes. Wie man das erreichen kann, zeigen wir in diesem Showcar.

„Die Hardware Auto wird man immer benötigen.“

Das bedeutet, dass es personalisierbar ist? Also dass sich die Software-Einstellungen anpassen, auch wenn es immer andere Hardware ist?

Absolut. Und ich habe dann immer wieder das Gefühl, dass es sich gerade um mein Auto handelt. Weil sich Farbe, Beleuchtung, Displays, sogar die Sitzstellung und -temperatur wie auch die Musik auf meine Vorlieben einstellen.

Wenn Autos autonom fahren – was machen die Leute, wenn sie im Auto sitzen und nicht mehr fahren? Wer sind dann die wichtigen Player? Werden die Autohersteller zu „Blechbiegern“ degradiert? Wer hat am Ende das Sagen und verdient das Geld?

Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass es am Ende nur die Automobilhersteller oder nur die Kommunikationsanbieter sein werden. Es werden logischerweise einfach die sein, die es verstehen, die Geschäftsmodelle entsprechend umzubauen und ihre Stärken einzubringen. Ich glaube, dass Daimler ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass ein Automobilhersteller sehr früh gesagt hat: „Wir bauen die besten Autos der Welt und werden zusätzlich zum Mobilitätsanbieter.“ Car2go ist jetzt schon der größte free-floating Carsharing-Anbieter der Welt und hat extrem viel Erfahrung gesammelt. Wir haben die hundertprozentig passenden Autos, also die „Hardware“ und schnell gelernt, diese ideal mit der Sharing-Software zu verbinden. Das heißt nicht, dass es aus anderen Branchen nicht auch Mobilitätsdienstleister geben kann – aber die Hardware Auto wird man immer benötigen. Das Know-how wird in der Zukunft – nein, was heißt Zukunft, das ist heute schon so – darin liegen, Hardware und Software intelligent zu kombinieren. Und ein Auto zu bauen, geht nicht mal eben so.

Aber spricht nicht vieles dafür, dass Google auch zur Plattform für Mobilität wird? Wenn jemand von A nach B will, fragt er heute ja schon häufig Google Maps – und das bietet dann verschiedene Optionen vom ÖPNV und Uber bis zum Routenplaner für das Auto.

So etwas macht Daimler ja auch mit der Tochterfirma Moovel – das ist ja genau die Idee.

Wobei Moovel in Deutschland noch nicht viele Nahverkehrsbetriebe überzeugt hat, mitzumachen – da sind die Ticketverkäufe noch nicht integriert.

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