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Smartphone nass geworden? Die ultimativen Erste-Hilfe-Tipps bei einem Wasserschaden

Smartphone nass geworden? Unsere Tipps helfen. (Foto: © tullpictureset - Fotolia.com)

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Das Smartphone ist gerade ins Wasser gefallen, das Bier ist über das Handy gekippt worden – der Wasserschaden, ein Alptraum. Was jetzt? Wir haben die besten Tipps für dich zusammengefasst.

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Ein Wasserschaden wird von keinem Hersteller als Garantiefall anerkannt. Deshalb heißt es bei einem unfreiwilligen Tauchgang des digitalen Begleiters auch vor allem eines: schnell reagieren. Wie schnell und mit welcher Gewissheit ein Schaden auftritt, hängt davon ab, welche Feuchtigkeit und welche Menge in welchem Zeitraum in das Gerät eingedrungen ist.

Was du tun kannst, um dein Smartphone trotz Wasserkontakt noch zu retten oder zumindest seine Lebenszeit noch etwas zu verlängern, haben wir für dich zusammengefasst – auch was du besser nicht tun solltest.

smartphone wasser

Smartphone und Wasser, keine gute Kombination. (Foto: © benjaminnolte – Fotolia.com)

Wasserschaden: Kontroverses Thema

Können Geräte, die mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, noch gerettet werden, kann ein Endverbraucher in so einem Fall noch selbst Hand anlegen, oder gibt man ein Gerät gleich beim Experten ab und lässt die Finger davon? Gerettet werden kann ein feuchtes Gerät manchmal nur für einen kurzen Zeitraum: Spricht man mit Service-Centern und Elektronikern, ist schnell herauszuhören, dass die Experten solchen Geräten nicht mehr vertrauen. Arbeiten, die durchgeführt werden um das Gerät zu „retten“, werden unter Umständen als Zeitverschwendung, bestenfalls als kurzfristiges Wiederbeleben vor dem endgültigen Ableben betrachtet. Manchmal allerdings lässt sich der Kauf eines neuen Gerätes noch hinauszögern, wenn dann das angeschlagene Gerät dank weniger Rettungsmaßnahmen noch etwas länger durchhält: Das mag dann für den Elektronik-Experten kein „Reparieren“ sein und wenig professionell – aber für den Endverbraucher waren die Rettungsmaßnahmen trotzdem hilfreich. Auch wenn das Gerät nicht endgültig repariert ist.

Was geht eigentlich bei Wasserschäden kaputt? Nun, es können unterschiedliche Defekte auftreten: Beispielsweise Kurzschlüsse direkt beim Kontakt mit der Flüssigkeit oder auch später auftretende Kurzschlüsse durch Korrosion, die durch Verunreinigungen oder zurückbleibende Feuchtigkeit entsteht.

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Smartphone-Wasserschaden: Was du selbst tun kannst

smartphone wasser

Das Smartphone ist nass geworden? Keine Bange, wir haben Erste-Hilfe-Tipps für einen Wasserschaden. (© tullpictureset – Fotolia.com)

Stromversorgung noch verbunden: Finger Weg!

Sollte dein Smartphone noch mit einem Ladegerät verbunden sein, muss die Stromzufuhr an der Sicherung unterbrochen werden, bevor du es berühren kannst. Sollten Rauch, Dampf oder Anzeichen für ein Ausbeulen, Schmelzen oder sonst irgendeiner physikalische Veränderung an dem Gerät sichtbar sein, könnte die Batterie kurzgeschlossen sein: In diesem Fall nicht berühren – Lebensgefahr.

Ausschalten

Das Smartphone muss sofort von allen Stromquellen getrennt werden: Deshalb ausschalten und den Akku entfernen, soweit möglich, um galvanische Reaktionen und Kurzschlüsse zu vermeiden. Manche Smartphones haben eine Schutzschaltung, sollte dein Gerät also nach dem Kontakt mit Wasser bereits ausgeschaltet sein, versuche nicht es wieder einzuschalten. Das kann ebenfalls Kurzschlüsse verursachen.

Trocknen

1. Schritt

Auseinandernehmen, soweit das geht, und alles oberflächlich reinigen: Mit Papiertaschentüchern oder Küchen-Krepp-Papier Wasser entfernen. Dann das Gerät vorsichtig in die Hand nehmen und leicht ausschütteln: Nicht hart oder abrupt, sondern eher sanft, damit keine mechanischen Schäden entstehen, dabei das Gerät in der Hand in rotierenden Bewegungen kreisen lassen, damit alles Wasser aus verschiedenen Ecken und Winkeln entweichen kann.

2. Schritt

Eine Plastiktüte, optimal ist ein luftdicht verschließbarer Zipper-Bag oder etwas ähnliches, mit Reis oder Trockenmittel füllen. Optimal zur Trocknung von elektronischen Geräten sind spezielle Trockenmittel, wie Silikagel aus Siliciumdioxid. Wenn kein Trockenmittel da ist, am Besten noch luftdicht verpacken oder eingeschweißten Reis verwenden, der noch nicht mit Luftfeuchtigkeit in Berührung gekommen ist. Reispackung aufreissen und in die Plastiktüte, das Gerät so in der Tüte versenken, dass es komplett von Reis umgeben ist. Nun das Gerät zur Trockung mehrere Tage in der Tüte lassen.

smartphone defekt

Bei einem Wasserschaden am Smartphone: Stromversorgung entfernen, Gerät auseinandernehmen und trocknen. (Foto: © Pictorius – Fotolia.com)

Trockenmittel: Silikagel

Trockenmittel sind im Elektronikfachhandel, eher selten in Elektronikgroßmärkten und bei vielen Onlinehändlern zu bekommen. Silicagel ist im Handel schon ab wenigen Euro erhältlich, Packungsgrößen mit 20 Silicagel-Packungen a 10g oder 100-200 Packungen a 1g haben sich als nützlich in der Anwendung erwiesen. Zum Beispiel Amazy Siclicagel 20x10g für 9,99 Euro bei Amazon.*

Die Experten-Lösung bei einem Wasserschaden: Smartphone reinigen

Bei Wasserschäden gibt es unterschiedliche Stufen, abhängig davon ob das Gerät nur mit Wasser in Berührung gekommen ist oder voll untergetaucht ist und abhängig davon wie lange es der Feuchtigkeit ausgesetzt war. Dazu kommt noch die „Gefährlichkeit“ der Flüssigkeit, je nach PH-Wert und Bestandteilen der Flüssigkeit können Verunreinigungen größere Schäden anrichten als die Feuchtigkeit. Deshalb ist die optimale Lösung für einen Wasserschaden: trocknen und reinigen.

In einem solchen „Härtefall“ ist die beste Entscheidung eigentlich der Weg zum Experten, der über das nötige Werkzeug und die Sachkenntnis verfügt, um das nasse Gerät sachgemäß zu reinigen. Die Gefahr liegt nicht nur darin, dass bei einem unsachgemäßen Demontieren des Geräts Beschädigungen auftreten könnten, sondern auch darin, dass elektrostatische Entladungen (ESD) beim Demontieren elektronische Bauteile beschädigen könnten. Das lässt sich nur bei entsprechender ESD-gerechter Ausrüstung und Arbeitsmethodik vermeiden. Solltest du entsprechend ausgerüstet und erfahren sein, kannst du oder der von dir gewählte Experte das Gerät nach der Trocknung noch reinigen.

Reinigen

  1. Gehäuse öffnen, fest installierte Batterien ausstecken und dem Gehäuse entnehmen. Interne Bauteile wie Vibrationsmotoren und LCD-Display von der Hauptplatine lösen, soweit möglich.
  2. Hauptplatine in einer Reinigungswanne in mindestens 90-prozentigem Isopropanol oder einer anderen industriellen Reinigungsflüssigkeit baden. Vorsichtig mit einem weichen Pinsel reinigen, dabei darauf achten, dass keine Bauteile durch mechanische Bewegungen beschädigt werden.
  3. Anschlüsse des Geräts, der Verbindungskabel und der entfernten Bauteile reinigen.
  4. Die Bauteile ruhen lassen, damit die Reinigungsflüssigkeit wieder trocknen kann. Sorgfältig unter einer Schreibtischlampe platzieren oder auf einem Handtuch auf die lauwarme Heizung legen.
  5. Wieder zusammensetzen und hoffen.

Die Reinigung beseitigt in der Regel keine Schäden, sie hilft nur die Wahrscheinlichkeit des Entstehens zukünftiger Schäden zu verringern. Was hier defekt ist, muss ersetzt werden und ob das dann wirtschaftlich sinnvoll ist – darüber lässt sich streiten.

Die Erklärung: Wie das Trocknen eines Smartphones funktioniert

Das Problem mit Feuchtigkeit in der Elektronik beginnt mit den Kapillarkräften, dieselben Kräfte, die auch beispielsweise Wasser in einer Pipette halten: Feuchtigkeit kriecht in jede kleine Ecke und Spalte und Öffnung, die sich zwischen Bauelementen auf der Hauptplatine ergeben. Die Feuchtigkeit ist also schwer zu entfernen.

Ähnlich wie bei einer Wasserpfütze kann der physikalische Verdunstungseffekt dabei helfen, die Feuchtigkeit aus dem Gerät zu entfernen. Stark vereinfacht gesagt geht es dabei darum, der Luft möglichst viel und schnell Luftfeuchtigkeit zu entziehen. Das Gerät gibt die Feuchtigkeit an die Luft ab: Je mehr Feuchtigkeit der Luft entzogen wird – desto mehr Feuchtigkeit wird aus dem Gerät entfernt.

Um die Luftmenge zu beschränken, wird das Gerät in einen verschlossenen Behälter gelegt und mit einer stark flüssigkeitsabsorbierenden Substanz umgeben, die sich nicht schädlich auf das Gerät auswirkt: Reis, Silica Gel oder ähnliche industrielle Substanzen. Die Problematik bei haushaltsüblichem Reis ist die Tatsache, dass der Reis während der Lagerung der Luft bereits Feuchtigkeit entzieht. Je nach Luftfeuchtigkeitsgrad bei der Lagerung kann der Reis also im schlechtesten Fall bereits ziemlich gesättigt sein. Deshalb empfehle ich weiter oben auch möglichst luftdicht verpackten Reis.

Wasser im Smartphone: Hitze, Mikrowelle und Backofen helfen nicht

Das Hauptziel aller Rettungsmaßnahmen ist das Wasser aus dem Gerät zu bekommen, möglichst schnell und möglichst vollständig. Die Verdunstungsrate durch Wärme steigern zu wollen ist nicht sinnvoll: Um die Luftfeuchtigkeit im Gehäuse und die Flüssigkeit in der Plantine zu reduzieren, wären Temperaturen nötig, die bei den empfindlichen, elektronischen Bauteilen oder der Hauptplantine zu einer Beschädigung führen würden.

Also bitte das Smartphone niemals:

  1. In die Mikrowelle legen
  2. In den Backofen legen
  3. Mit dem Fön bearbeiten
  4. Mit etwas anderem als Reis trockenen: Salz, Zucker oder Mehl schaden nur

Selbst punktuelle Hitzeentwicklungen ab etwa 40 Grad können elektronische Bauteile unter Umständen irreparabel beschädigen, Luftströme bringen zusätzlich die Gefahr mit, dass die Feuchtigkeit noch tiefer in das Gerät getrieben wird.

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3 Kommentare
smartphone.kabellos
smartphone.kabellos

die einzelne Bauteile, außer das Akku und das Display, in Isopropanol baden dürfte immer noch die beste Lösung sein, siehe auch https://lokale-suche.jimdo.com/computer-service/smartphone-reparatur/#wasserschaden

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handyrepairlounge
handyrepairlounge

Wasserschaden – Was tun?

Die schlechte Nachricht gleich vorweg
Ein Wasserschaden wird von keinem Hersteller als Garantie-Fall anerkannt. Deshalb heißt es bei einem unfreiwilligen Tauchgang des digitalen Begleiters auch vor allem eines: schnell reagieren. Wie schnell und mit welcher Gewissheit ein Schaden auftritt hängt vorallem von Feuchtigkeit und Wassermenge im Gerät ab.

Das sollten Sie nicht tun
Wenn Sie einen Wasserschaden an Ihrem Handy feststellen, sollten Sie schnell reagieren aber auch beim Trocknen Ihres Smartphones etwas Geduld mitbringen. Das Handy in wenigen Minuten zu trocknen und dabei auf extreme Mittel (Heizung, Föhn, Mikrowelle, Ofen, etc.) zurückgreifen, sollte auf jeden Fall unterlassen werden da es die Schäden nur noch verschlimmern würde.

Das sollten Sie tun
Entfernen Sie umgehend den Akku, SIM-Karte und Speicherkarten vom Gerät um einen möglichen Kurzschluss oder Datenverlust zu verhindern. Wenn Ihr Smartphone ein festverbauten Akku besitzt sollte das Gerät umgehend ausgeschaltet und von allen Verbindungen (Ladekabel, USB) getrennt werden.
mehr infos unter http://www.handyrepairlounge.de

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Fred Jahnke
Fred Jahnke

Hallo an alle die einen Wasserschaden an Ihrem Smartphone haben. Ich bin auch betroffen und habe alle Hausmittel (keine zerlegung des Gerätes) ausprobiert und war erfolglos. Jetzt weiß ich auch warum, seht euch diesen interessanten Beitrag an: http://knorke.tips/handy_smartphone_wasserschaden_reparieren.php

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