Neue Spionagesatelliten der Bundeswehr können nichts sehen – ist das ein Problem?

In puncto Technik könnte es für die Bundeswehr besser laufen. Im Frühjahr hatte der sogenannte Webex-Skandal für Schlagzeilen gesorgt. Dabei waren die Inhalte einer eigentlich geheimen Konferenz von hochrangigen Bundeswehrangehörigen zu möglichen Waffenlieferungen in die Ukraine an die Öffentlichkeit gelangt – und ins russische Staatsfernsehen.
Spionagesatelliten im Orbit
Für das aktuelle technische Problem kann die Bundeswehr zwar weniger, es wirft aber vielleicht dennoch kein gutes Licht auf die Streitkräfte. Konkret geht es um zwei Spionagesatelliten des Typs Sarah, die Ende Dezember via SpaceX in den Orbit gebracht worden waren.
Diese, so berichtet die Bild am Sonntag, seien sechs Monate nach der Ankunft in der Erdumlaufbahn aber nicht funktionsfähig. Eigentlich hätten sie schon Bilder zur Erde senden müssen.
Technischer Defekt legt Satelliten lahm
Hersteller OHB, eine Raumfahrt- und Technologieunternehmen, arbeitet an einer Lösung für das Problem. Dies sei bisher aber ohne Erfolg geblieben, wie die Tagesschau schreibt. Möglich, so heißt es weiter, dass die Satelliten auch in Zukunft nicht mehr eingesetzt werden können. Grund sei ein „technischer Defekt“.
Spekuliert wird darüber, dass sich die Antennen der Spionagesatelliten nicht ausfahren lassen. Gesicherte Informationen dazu gibt es aber noch nicht. Seltsam ist, dass die Satelliten anfangs noch Signale empfangen haben sollen.
Desaster für Finanzen und Sicherheit?
Florian Hahn, verteidigungspolitischer Sprecher der Union, geht davon aus, dass es sich um einen systematisch bedingten Fehler handele, weil beide Satelliten denselben Defekt hätten. Hahn sieht in dem Ganzen nicht nur „finanziell ein Desaster, sondern auch für unsere Sicherheit“, wie er der Bild am Sonntag sagte.
Allerdings muss die Bundeswehr die Spionagesatelliten wohl nur dann zahlen, wenn das System funktioniere. Wie es mit den Kosten für den Transport ins All per SpaceX ist, ist derweil nicht bekannt.
Aufklärungsarbeit nicht eingeschränkt
Was die Sicherheit angeht, beeilte sich das Verteidigungsministerium zu beruhigen. Die Aufklärungsarbeit der Bundeswehr sei nicht eingeschränkt, hieß es. Zudem hatte die Bundeswehr laut Golem erst vor wenigen Wochen drei neue Satelliten bei OHB bestellt.
Kostenpunkt: 2,1 Milliarden Euro. Ob die Bestellung schon im Wissen um die Untauglichkeit der nicht funktionierenden Satelliten geschehen ist, ist nicht bekannt.
Radar erlaubt nächtliche Aufnahmen
Bei den Sarah-Satelliten handelt es sich um die Nachfolger des Sar-Lupe-Systems, das seit 2007 für die Bundeswehr im Einsatz ist. Die neuen Spionagesatelliten sollen – künftig – nicht nur mit einer Kamera, sondern auch mit einem Radar beobachten. Dadurch seien auch nächtliche Aufnahmen möglich.